Allein spielen

allein spielen lernen

Wonach Eltern suchen…

Mit welchem Alter spielen Kinder eigentlich allein?Ohne uns Eltern, um genau zu sein. Da offenbar viele Eltern das aktive Spielen mit dem eigenen Nachwuchs am liebsten umgehen, wird dieser Frage oft nachgegangen, sei es im Gespräch mit ErzieherInnen oder bei der Google-Recherche. Das nebenstehende Bild zeigt einige Suchanfragen, die von verzweifelten Müttern und Vätern in die Suchmaske eingegeben wurden. Besonders der letzte Satz spricht mir aus dem Herzen, denn auch ich spiele ungern mit meinem Nachwuchs.

Gesellschaftsspiele – ja, Puzzles – okay, Malen, meinetwegen auch Basteln, aber meistens wollen Kleinkinder ja doch nur das eine: Rollenspiele, bestenfalls lustige. Leider bin ich nicht so der humorvolle Typ.

allein spielen lernen

Ab wann Kinder allein spielen? -Unterschiedlich.

Kein Wunder also, dass mich meine Tochter aus ihrem Zimmer verbannt hat: Geh jetzt, Mama, ich will allein spielen. Jackpot.

Beim ersten Kind habe ich mich nach diesem Satz gesehnt. Er wurde nie ausgesprochen. Das zweite äußerte seinen Wunsch mit etwa vier Jahren. Ich würde dir jetzt gern verraten, wie genau ich es geschafft habe, dass das Kind lieber allein spielt als mit mir, doch ich glaube, es ist einfach typabhängig. Gut, Ehrlichkeit hilft auch. Ich habe meiner Tochter direkt gesagt: „Diese Rollenspiele machen mir keinen Spaß. Lass uns doch kneten oder Fotos angucken.“ Wenn ihr meine Vorschläge nicht gefielen, spielte sie lieber allein.

Einige Kinder aber lernen es nie, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Sie bevorzugen es, sich stundenlang vom Fernseher berieseln zu lassen, als nur eine Sekunde darüber nachzudenken, was sie mit sich selbst anfangen könnten. Werden sie älter, wechselt lediglich der Apparat. Statt in die Röhre glotzen sie eben aufs Smartphone. Am liebsten werden dann Youtube-Videos konsumiert. Ihr Interesse an der äußeren Welt ist begrenzt, das an der inneren fast noch begrenzter.

Ablenkung suchen sie alle

Doch jeder findet sie in einem anderen Spiel

Hoffnungslose Fälle? Das denke ich nicht. Ich nehme stattdessen an, dass ihr Interesse einfach anders ausgerichtet ist. Während die einen – nennen wir sie die Lieblinge der (Groß-)Eltern – stundenlang draußen auf dem Trampolin springen oder Fußball spielen, greifen die anderen auf ihre schier unerschöpfliche Fantasie zurück, um sich die aberwitzigsten Rollenspiele auszudenken. Jene, die auf die Fantasie anderer angewiesen sind, um sich unterhalten zu lassen, werden hingegen… nun ja, als problematisch empfunden.

Wenn ihre Eltern einmal Ruhe haben wollen, müssen sie ihnen schon das Tablet in die Hand drücken. Die Spielsucht scheint somit vorprogrammiert. Und sitzt der Junkie erst mal daddelnd auf der Couch, hilft nur noch der kalte Entzug. Wer es nicht selbst übers Herz bringt, dem Kind das Handy aus der Hand zu reißen, greift – ganz modern – auf eine der zahlreichen Kontroll-Apps zurück. So lässt sich das Kind überwachen, und sein Smartphone ggf. abschalten, ohne dass Mutter oder Vater zugegen sein müssen.

Ich möchte das kindliche Verlangen nach medialer Unterhaltung nicht schlechtmachen, schon weil ich weder Psychologin noch Pädagogin bin. Ich kenne allerhand Kinder, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Problembehaftet ist keines von ihnen. Sowohl die Draußen-Kinder als auch jene, die seltenst ihr Smartphone aus der Hand legen, haben ihre besten Freunde und machen sich gut in der Schule.

Die Reifeprobe: Von der Herausforderung, mit Langeweile umzugehen

Ärgerlich finde ich lediglich, dass die daddelnde Spezies kaum mit Langeweile umgehen kann. Sind Handy oder Tablet tatsächlich einmal nicht verfügbar, werden diese Kinder ungenießbar. Womit wir Eltern wieder ins Spiel kommen – wortwörtlich – denn nun liegt es an uns, sie zu bespaßen. Oder auch nicht. Schließlich ist es nicht unser Problem, dass das Kind sich langweilt, sondern seines. Und wenn es das Nichtstun so schlimm findet, muss es eben selbst eine Lösung – jenseits des Medienkonsums – finden. Das wiederum ist mit einer erhöhten Denkleistung verbunden, was Energie frisst und deshalb tunlichst vermieden wird. Nun, immerhin fördert es die Kreativität.

Diese unangenehmen Emotionen werden jedesmal intensiver, weshalb es den Prozess der Anpassung und des Reifens wesentlich vereinfacht, wenn sie (Kinder) von klein auf lernen, damit umzugehen. (Quelle: Gedankenwelt)

Erfreulich für uns Eltern: Wenn Kinder erst einmal gelernt haben, mit ihrer Langeweile umzugehen, brauchen sie auch nicht mehr beschäftigt zu werden, wie ich bereits in einem früheren Artikel ausführlicher beschrieben habe>>

Zugegeben, viele Erwachsene spielen selbst lieber auf ihrem Handy herum oder schalten den Fernseher an, als sich der Langeweile  hinzugeben. Da Kinder bekanntlich alles nachahmen, was ihnen die Großen vormachen, spiegeln sie lediglich deren (Fehl-)Verhalten. Wer damit leben kann, kann ruhig so weitermachen. Eine Ausnahme bildet er bestimmt nicht in unserer breiten Gesellschaft. Und wirklich schaden wird er seinem Kind wahrscheinlich nicht, abgesehen von ein paar Mängeln im Sozialverhalten… Sich dem Kind zuzuwenden, birgt hingegen den Vorteil, sowohl die eigene Lebenszeit als auch die des Kindes mit etwas Sinnhaftem zu füllen.

alleine spielen lernen

Ein Spiel hin und wieder kann also nicht schaden. Spring über deinen Schatten!

LG Anne!!!

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