Finger weg! -Das ist mein Mann!

Persona non grata: die Single Frau – alleinerziehende Mütter eingeschlossen

Im Roman „Quasikristalle“ von Eva Menasse lese ich gerade darüber: Das leidvolle Altern der Frauen und ihre damit verbundenen Ängste, ihren werten Ehemann an eine jüngere Frau zu verlieren:

Der Mann werde zwar auch älter, verlöre jedoch nicht an Attraktivität. Das nötige Prestige vorausgesetzt könne er sich jederzeit eine jüngere Frau angeln. Seine Ex hingegen würde, sobald sie die 40 überschritten hat, bis zum Lebensende einsam bleiben. Denn was soll man(n) schon mit einer Frau anfangen, die die Familienplanung bereits abgeschlossen hat? –Von ihrem unschönen Äußeren ganz zu schweigen.

Schön ist das Thema nicht für mich als Frau, aber nachvollziehbar. Wenngleich ich das Gejammer im Buch übertrieben finde. (Allerdings handelt es sich im Roman um einen Uni-Professor, der berufsbedingt mit jungen Studentinnen zusammenarbeitet.)

Die Angst um den eigenen Mann ist groß: Warum eigentlich?

Doch erst kürzlich habe ich mit einer alleinerziehenden Mutter über ebendiese Angst vorm Verlust des Ehemanns gesprochen. Sie ist eine attraktive Mittdreißigerin. Über einen Mangel an Avancen kann sie sich nicht beklagen. Mittlerweile hat sie auch schon wieder so etwas wie einen festen Freund.

Worüber sie sich beschwert, sind allerdings Frauen – Ehefrauen und Mütter. Unter solchen habe sie in den letzten Jahren kaum Freunde gefunden, nicht einmal enger Bekanntschaft geschlossen. Denn sobald sich herausstellt, dass sie „frei“ ist, machen die Ehefrauen sofort die Schotten dicht. Aus Angst, sie könne ihnen den Ehemann ausspannen.

Die anderen Frauen betreiben somit eine Art Ehekrisen-Prävention: Bevor eine Ehekrise bewältigt werden muss, lässt man sie gar nicht erst aufkommen. Der Kontakt zu Single-Frauen wird von der Gattin unterbunden.

Als ich sie das sagen hörte, konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Sie übertreibt doch maßlos, dachte ich. Wieso sollte man sich als Frau um den eigenen Mann sorgen? –Als würde dieser, um es mit einem ÄRZTE-Song zu umschreiben: alles begatten, was nicht bei drei auf den Bäumen ist?

Eifersucht als Hinweis auf das baldige Beziehungsaus?

Und jetzt mal ehrlich: Wenn dich schon derartige Ängste plagen, scheint deine Ehe oder Beziehung ohnehin nicht mehr völlig intakt zu sein, oder?

Übertrieben? –Nein!, findet hingegen meine Mutter, die ich auch gleich mit dem Thema konfrontierte. Sie habe auch immer wieder erlebt, wie Single-Kolleginnen geschnitten wurden. „Die hat keiner zu sich nach Hause eingeladen.“ Vor allem dann nicht, wenn sie jünger waren oder – Gott bewahre – jung und schön!

Die Angst um die Treue ihres Mannes trieb wohl auch meine Schwiegermutter um, als sie ihrem Gatten plötzlich verbot, weiterhin Klavierstunden zu nehmen. Sie hatte die Klavierlehrerin, eine jüngere Frau – dazu überaus nett, zuvor persönlich kennen gelernt.

Aber ist Eifersucht denn wirklich angebracht? Man hört zwar immer wieder, dass alle Welt fremdgeht. Insbesondere Menschen in der Midlife Crisis scheinen dafür prädestiniert. Noch mal was erleben, bevor es zu spät ist! –Aber ob das stimmt? Ich zweifle stets stark an solchen Umfragen und Statistiken.

Die Lösung: den Mann verschleiern!

Außerdem: Wenn ein Mann das Bedürfnis hat, fremdzugehen, wird er wohl auch anderweitig Gelegenheit dazu finden. Er muss ja nicht unbedingt auf Single-Frauen zurückgreifen. Die wenigsten verheirateten Männer mittleren Alters leben wie Eremiten.

Sie zu verschleiern, wäre eine Lösung, doch mir kommen Zweifel hinsichtlich der Umsetzbarkeit. Zumutbarer wäre da schon eine offene Beziehung, aber die trifft wohl auch nicht jedermanns Geschmack.

Ich jedenfalls vertraue meinem werten Ehemann. Dabei kommt mir sein extrem mangelhaftes Flirt-Potential sehr entgegen. Allerdings bin ich auch noch keine vierzig…


Beziehung retten oder beenden

Muss frau wirklich Angst um ihren Mann haben? Wenn eine Ehe nicht rund läuft, könnte man doch eine Paartherapie in Anspruch nehmen, anstatt den Partner vor Single-Frauen zu „schützen“, oder? Und wenn die Beziehung doch den Bach runtergeht – so what? Was hält uns davon ab, es mit Würde zu tragen?

Bin echt gespannt, was ihr dazu sagt/schreibt!

LG Anne!!!

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2 Antworten

  1. Heidi sagt:

    Hallo Anne,

    Volltreffer – sehr schön geschrieben 🙂 Ich selbst bin seit 7 Jahren alleinerziehend und habe genau diese Erfahrung gemacht: Ich fand es total schwer, mit anderen Familien am neuen Wohnort in Kontakt zu kommen, und hatte das Gefühl, als Bedrohung fürs heimische Glück wahrgenommen zu werden. Besonders schlimm war es, wenn ich mit dem Kind im Urlaub war. Ich habe das Problem jetzt von einer anderen Seite aufgegriffen und – für mich – gelöst (okay, zugegebenermaßen eine eher fragwürdig-eigenwillige Lösung): seitdem wir nämlich einen Hund haben, komme ich mit meinem Mitmenschen in regen Kontakt, und bin auch nicht mehr eine potenzielle Bedrohung. 🙂

    • Anne sagt:

      Wer hätte gedacht, dass ein Hund die Lösung fürs Eifersuchtsproblem sein kann? 😉
      Endlich erhalte ich mal Feedback zu meinem Artikel. Als ich ihn damals auf Facebook und Co. gepostet habe, erntete ich keinerlei Antworten – also weder Zustimmung noch Widerspruch. Ich dachte schon, ich läge falsch…
      Ich danke dir vielmals, liebe Heidi, und hoffe, dass es auch weiterhin gut läuft – beim Bloggen und beim Gassi gehen 😉
      LG Anne!!!