Die nervigsten Eltern wurden belohnt

Bei der Kita-Platz-Vergabe durften sich Eltern lange Zeit nicht schüchtern anstellen. Wenn der Name auf der Warteliste kein nichtssagender Eintrag bleiben sollte, musste man sich schließlich irgendwie hervortun. Doch das lästige Herumtelefonieren macht das Start-Up Little Bird nun überflüssig.

Was die Kinderbetreuung anbelangt, habe ich es in Berlin echt gut: An jeder Ecke sind Kitas aus dem Boden gesprossen oder haben sich Tageseltern eingerichtet. Als es Zeit wurde, einen Kita-Platz für meine Tochter zu besorgen, bin ich einfach mit ihr losgezogen – von Kita zu Kita – und habe so lange gesucht, bis ich eine Kindertageseinrichtung gefunden habe, die mir gesagt hat: „Jawoll, ab Sommer ist noch ein Platz frei. Den können Sie gerne haben!“

Wartelisten: Nach welchem Prinzip funktionieren sie eigentlich?

Auf dem Weg zu ebendieser Kita bin ich natürlich an vielen Kindergärten vorbeigekommen, die mir lediglich den Eintrag in ihre Wartelisten angeboten haben. Nach welchen Kriterien sie bei der Wahl der Kinder/Eltern vorgehen, war mir lange Zeit ein Rätsel. –Bis ich durch Zufall mit einer Erzieherin ins Gespräch gekommen bin, die mir verriet: Die nervigsten Typen werden genommen! Das sind die Eltern, die sich nicht nur auf die Warteliste eintragen lassen, sondern zudem mindestens einmal im Monat anrufen oder vorbeikommen, um zu signalisieren, dass sie den Kita-Platz auch wirklich-wirklich-wirklich wollen!

Es soll wohl auch Kitas geben, die von den Eltern potentieller Kita-Kinder hemdsärmligen Einsatz verlangen: Unkraut jäten auf dem Kita-Spielplatz, Kuchen backen für den Kita-Flohmarkt, ganz zu schweigen von Sach- oder Geldspenden, die gern bei der Kita-Leitung entrichtet werden können…

Dieser Wartelisten-Telefonterror-Blödsinn gehört in den folgenden Bundesländern nun der Vergangenheit an: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Dort nämlich verlassen sich Kommunen und Gemeinden bei der Kita-Platz-Vergabe auf die Little Bird-GmbH.

Das Bangen hat ein Ende

Wenn mich nicht alles täuscht, übernimmt das Start-Up die Aufgabe der Jugendämter, die dank Personalmangels offensichtlich überfordert sind: Auf Little Bird werden einfach alle Betreuungsangebote aufgenommen und freie Plätze registriert. In der Suchmaske können Eltern die entsprechenden Daten eintragen und nach Kitas u.a. in ihrer Nähe suchen. Die Kitas wiederum antworten zeitnah mit „Ja“ oder „Nein“.

Das macht Listen überflüssig – und ebenso das damit verbundene nervenzerreißende Warten. Doch Planungssicherheit herrscht nicht nur auf Seiten der Eltern. Little Bird nimmt den Ämtern und Betreuungseinrichtungen auch ein großes Stück (Verwaltungs-)Arbeit ab. Kein Wunder also, dass das Start-Up diverse Gründerpreise abgeräumt hat.

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