Lieber nicht: Warum ein Baby das denkbar schlechteste Mittel ist…

…um die Beziehung zu kitten

Beziehungen zerbrechen. Das ist nichts Neues. Dafür entstehen im Lauf der Zeit neue Freundschaften oder Liebschaften. Tragisch ist es dennoch, Abschied zu nehmen – noch tragischer, wenn der Wille zur Trennung nur von einem Partner ausgeht, der andere jedoch die Beziehung aufrechterhalten will. Um jeden Preis.

Ich habe keinen wahnsinnig großen Bekanntenkreis. Trotzdem finden sich darin gleich zwei Ex-Paare, die ihre angeschlagene Beziehung mit Hilfe eines offensichtlich sehr beliebten Mittels kitten wollten: Eines Babys. So wurde Frau schwanger und man(n) freute sich gemeinsam aufs Babyglück.

Welch Wunder: Beide Beziehungen zerbrachen trotzdem. Eine davon noch bevor das Kind überhaupt zur Welt kam. Hier trennte sich der Partner tatsächlich im Kreißsaal!

Als ich mich kürzlich mit einer Freundin, die selbst einen einjährigen Sohn hat, über ebendiese Anekdote unterhielt, war sie fassungslos – jedoch nicht über den späten Entschluss des Mannes, sondern über die Idee, ein Baby in die Welt zu setzen, um der Paarbeziehung neue Impulse zu verleihen.

Denn: Ein Baby strengt unheimlich an.

Selbst die nervenstärksten Personen – in sich ruhend, geduldig und weise – geraten angesichts des stundenlangen Geschreis eines Säuglings an den Rand der Verzweiflung. Hocken auch noch zwei zusammen, die sich ohnehin nicht mehr ganz grün sind, kann das nur im Supergau enden oder wahlweise im kurzen Trennungsprozess.

Wieso also glauben einige Menschen, ein Baby sei das ganze Glück – mehr brauche es nicht, um die Liebe zwischen Mann und Frau neu zu entfachen? Ganz einfach: Weil Babys niedlich sind. Zumindest sehen sie zuckersüß aus. Wie hoch der „Pflegeanteil“ Neugeborener ist, unterschätzen sie wohl.

Babys sind so süß, aber…

Genau diesem Pflegeanteil geht die Blogparade vom Elternhandbuch auf den Grund: „Baby? Nein, danke! Warum ich große Kinder so sehr liebe!“ Die Autorin spricht mir aus dem Herzen: Auch ich mache drei Kreuze, dass meine Kinder mittlerweile in der Lage sind, ihre Wünsche verbal zu äußern, und nicht per Geheule. Zwar sind sie noch Kinder, doch sind sie schon so selbstständig, dass ich nicht immerzu nach ihnen schauen muss.

grosse-kinderKurz gesagt: Ich habe wieder mehr Zeit für mich. Das mag erst einmal egoistisch klingen, aber mit Zeit meine ich weniger „Freizeit“ als vielmehr einen größeren Gedankenspielraum. Letzterer war in den ersten zwölf Monaten nämlich völlig vereinnahmt von Babys Entwicklungsschritten, Einschlafritualen, die nur zu oft nach hinten losgingen, und der Frage, ob Pulvermilch wirklich so viel schlechter sei als Stillen. Nicht zu vergessen das kontinuierliche Windelwechseln und Gespräche mit anderen Müttern, welche Wundschutzcreme die Windelakne am allerbesten bekämpfe oder noch besser: Wann wohl der richtige Zeitpunkt sei, um Baby ans Töpfchen zu gewöhnen.

Boah, ich bin sooo unheimlich froh, dass all das hinter mir liegt. FREIHEIT!

Das soll nicht heißen, dass ich meine schwangere Freundin nicht beneide: Vor ihr liegt die Zeit, die ich für mich selbst als Wunder des Lebens definiert habe. Und – ja – der Anblick eines so süßen kleinen Wesens entschädigt für so Einiges. Nicht zu vergessen der Kuschelfaktor! (Meine beiden „Großen“ lassen sich nur noch ungern küssen, vom Knuddeln ganz zu schweigen, seufz.)

Für eine Langzeitverhütung habe ich mich dennoch entschieden: Ich habe zweimal die Babyzeit mitgemacht und irgendwie bezweifle ich, dass ich noch eine dritte schadlos überstehen würde… Ich hab’s genossen. Ich hab gelitten. Jetzt schaue ich meinen großen Kindern beim Wachsen zu. Über Entwicklungsschritte muss ich mir nun keine Sorgen mehr machen. 🙂

LG Anne


P.S.: So viel zu meinen Erfahrungen. Doch wie seht ihr das eigentlich?: Ist ein Baby das denkbar schlechteste Mittel, um die Beziehung zu kitten?

Ich freue mich über euer Feedback!

Das könnte Dich auch interessieren …