Fotografieren lernen mit Kindern

Kinder an die Fotografie heranführen

Durch Zufall habe ich irgendwann mal einen Dokumentarfilm im Fernsehen gesehen. Der handelte von einem Fotografen und dessen Foto-Kunst-Projekt in Afrika. Statt immer nur selbst Fotos zu schießen, drückte der Fotograf den Jugendlichen eines Dorfes Kameras in die Hand. Sie durften nach Lust und Laune alles fotografieren, was ihnen vor die Linse kam. Dadurch sind wunderschöne Aufnahmen entstanden, die am Ende des Projekts ausgestellt und vom Rest der Dorfgemeinschaft in Augenschein genommen wurden.

Kinder und Jugendliche haben noch einen anderen Blickwinkel auf die Welt. Dieser lässt sich gut nachempfinden, wenn man ihre Fotos betrachtet. Außerdem können sie sich bisweilen besser mit Hilfe von Bildern ausdrücken als mit Worten. Schon aus diesem Grund würde ich meine Kinder gern an die Fotografie heranführen.

Vielleicht genügt es ja schon, ihnen – wie im oben genannten Beispiel – einen Fotoapparat zur Verfügung zu stellen. Aber welcher eignet sich eigentlich für Kinder?

wie du kinder für fotografie begeisterst

Interesse wecken für Fotografie

Warum sich Handys zum Fotografieren oft nicht eignen

Ich selbst habe nicht viel mit Fotografie am Hut. Schon seit Jahren fotografiere ich ausschließlich mit meinem Handy. Selten sind die Aufnahmen zufriedenstellend. Dank des verzögerten Auslösers bin ich meistens zu spät dran. Wenn die Lichtverhältnisse nicht stimmen, wirken die Bilder verwaschen oder düster. Lediglich bei Sonnenschein werden die Fotos richtig schön. Dann aber kann ich das Motiv auf dem Bildschirm nur erahnen, weil ebenjenes Sonnenlicht vom Handy-Touchscreen stark reflektiert wird.

Nun, immerhin habe ich das Handy fast immer dabei. Es ist also stets zur Hand, wenn sich Momente ergeben, die ich gern fotografisch festhalten möchte.

Auch Kinderkameras haben nicht nur Vorteile

Für motorisch unausgereifte Kinderhände eignet sich der Mini-Touchscreen ohnehin nicht richtig. Da taugen richtige Knöpfe, die erfühlt werden können, schon eher. Doch muss es gleich eine Kinderkamera sein?

Ich würde sie jedenfalls nicht (noch einmal) kaufen. Wir hatten zwei, jeweils eine für unsere beiden Kinder. Die eine war zwar extrem primitv, hat jedoch eine Weile ihre Funktion erfüllt. Das andere Modell funktionierte von Anfang an nicht richtig. Ein Reinfall. Dabei kosten die kunterbunten und ziemlich klobigen Geräte genau so viel wie günstige Digitalkameras, die für Erwachsene angeboten werden.

Eine einfache Digitalkamera tut’s auch

Nicht zu vergessen, dass Kindern der Unterschied auffällt! Ihnen wird schnell bewusst, dass sie etwas anderes in der Hand halten als die Großen. Was letztere haben ist aber viel spannender!

Also lieber gleich eine preiswerte, aber voll funktionsfähige Digitalkamera kaufen. Die verfügt oft auch über mehr Funktionen als eine spezielle Kinderkamera. Einziges Minus hier: Die kleinen Knipskästen sind nicht sonderlich robust! Sie sollten nicht zu oft herunterfallen…

Eine witzige Idee, die nicht nur kleinen Kindern gefallen dürfte, sind Sofortbildkameras (z.B. Polaroid), Fotodrucker, die man gleich mit dem Handy oder dem Fotoapparat verbinden kann, Einwegkameras oder spezielle Objektive (z.B. Fischauge)!

fotografieren lernen mit kindern

Collage aus Fotos meiner Tochter, aufgenommen an einem Sommertag.

Erst einmal Interesse an der Fotografie wecken

Es kann losgehen! Den Fotoapparat hast du besorgt, aber das Kind weiß nicht so recht damit umzugehen? -Möglicherweise liegt es gar nicht an der Technik, sondern am Vorgang selbst. Wozu fotografieren?, denkt sich das Kind vielleicht.

Der Fotograf Olaf Bathke hat dazu auf seinem Blog einen wunderbaren Artikel verfasst, in dem er beschreibt, wie er seinen Sohn an die Fotografie heranführte. Er drückte dem kleinen Mann eben nicht gleich die Kamera in die Hand, sondern ließ ihn zunächst dabei zuschauen, wie er Fotos aufnahm und am Computer auswertete. Außerdem schaute er sich unzählige Fotos mit ihm an, ließ ihn sogar ein eigenes Fotoalbum bestücken.

Hobbys lassen sich nicht aufzwingen. Du kannst höchstens Interesse bei deinen Kindern wecken. Ein Anfang ist schon gemacht, wenn ihr euch gemeinsam Fotos anschaut. Ob diese Fotografien an der Wand hängen oder sich im Handy befinden, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Fotografie ist mehr, als nur auf den Auslöser zu drücken!

Und wenn die Neugierde einmal geweckt ist, kann es ja nicht schaden, wenn du eine kleine Digiknipse parat hast, die du deinem Nachwuchs bloß noch in die Hand drücken musst 🙂 Dann nämlich kann sich dein Kind selbst als Fotograf probieren, bis es keine Lust mehr hat. Manchmal ist dieser Moment schon nach ein paar Minuten erreicht, mal hält die Begeisterung tagelang an!

Wichtig ist hierbei, dass du die Fotos mit deinem Kind auswertest. Entweder ihr schaut sie euch zusammen gleich auf der Kamera an. Besser noch, du druckst sie aus und ihr erstellt eine Collage – oder bettet die Fotos in ein selbstgemaltes Bild ein.

Sind die Kinder schon größer, genügt ihnen das bloße Herumknipsen vielleicht nicht mehr. Dann kannst du sie schon an Themen wie Bildkomposition und Bildbearbeitung oder sogar analoge Technik heranführen. -Vorausgesetzt, du kennst dich damit aus. Ansonsten helfen Bücher weiter – oder besser noch ein Fotokurs an der Schule, ggf. auch an der VHS.

Spannens ist mit Sicherheit auch das Erstellen einer guten alten Foto-Story (du kennst sie sicherlich noch aus der Bravo…).

Darüber hinaus kannst du dir gemeinsam mit deinem Kind auch Foto-Apps wie Instagram und Snapchat anschauen oder darüber sprechen, wie Selfies verfremdet werden können.

Zusammenfassung Fotografieren lernen mit Kindern:

  • Wecke zunächst Interesse für Fotografie: Fotos/Fotoalben anschauen, auswerten (Motive, Farben, warum sie dich ansprechen,…)
  • Besorg dir eine einfache Digitalkamera und erkläre die Grundfunktionen deinem Kind
  • Lass dein Kind einfach ausprobieren, bevor es an „richtige Projekte“ geht
  • Schaut euch die Bilder gemeinsam an und sprecht darüber (Welches Motiv steht im Fokus? Was ist besonders gelungen, was weniger? usw.)
  • Verwendet die Fotos kreativ weiter, z.B. als Fotocollagen, innerhalb von selbstgemalten Bildern, eingerahmt als Wandschmuck oder als Postkarte (weitere Fotoprojekte für Kinder findest du hier>>)

Viel Spaß dabei und 
LG Anne!!!

 

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2 Antworten

  1. Jannik sagt:

    Ich denke das wichtigste um Kinder ans Fotografieren heranzuführen ist in der Tat dass man Sie auch einmal machen lassen sollte. Na klar man sollte erst einmal die Interesse an der Fotografie wecken, aber leider kenne ich auch zuviele Eltern die dann dem Kind gleich alles perfekt beibringen wollen. Im Sinne von nein du musst das so machen, das ist falsch usw. So verlieren die Kinder in der Regel sehr schnell die Interesse an einem doch sehr schönen Hobby. Die Kleinen sollten sich austesten dürfen und da gehören nunmal schlechte Bilder dazu. Im nachhinein muss man ganz genau drauf achten ob Sie denn schon so Interesse an der Technik haben dass man bei der Nachbetrachtung schon so genau darauf eingehen sollte.

    • Anne sagt:

      Besten Dank für dein Feedback!
      Mit „Interesse wecken“ meinte ich genau das, was du auch schreibst: Die Kinder erst einmal machen lassen, damit sie sich selbst an die Fotografie herantasten können. Pädagogisch sollte man erst an die Sache herangehen, wenn das Interesse schon geweckt wurde oder die Kinder schon älter sind und über mehr Erfahrung verfügen.
      LG Anne!!!

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