Halloween: Daran scheiden sich die Geister

Halloween feiern

Für mich längst kein Hype mehr: Weshalb Halloween ein willkommenes Familienritual geworden ist

Meine Vorfreude auf den Fasching hielt sich stets in Grenzen. So richtig wollte der Funke nie überspringen: Sei es, weil die Umzüge bei Eiseskälte im Februar stattfinden oder man zu Schunkelmusik Pfannkuchen essen muss. Nein, ich mag weder das eine noch das andere. Spaß am Verkleiden habe ich aber schon hin und wieder. Wie gut also, dass Halloween in Deutschland Einzug gehalten hat! Am 31.Oktober ist es wieder soweit.

Zunächst war ich skeptisch: Wieder so ein amerikanisches Fest, das den Konsum in den Vordergrund stellt, tsss. Bestimmt nur ein vorübergehender Hype. Spätestens seit der Jahrtausendwende ist Halloween aber auch bei uns immer beliebter geworden. Nun ist das Gruselfest kaum noch wegzudenken und neben dem obligatorischen Laternenumzug am Sankt-Martins-Tag ein echtes Highlight im Herbst. Zugegeben, selbst ich freue mich auf Halloween, seitdem ich Mutter bin!

Halloween ist mir ans Herz gewachsen – ich freu‘ mich drauf!

Halloween feiern

Ein gruseliges Make-Up gehört einfach dazu.

Schon Wochen vorher suche ich nach Kostümen für meine Kinder und mich und schaue mir Schmink-Tutorials an. So eine Totenmaske muss man schließlich üben 😉 Am liebsten begleite ich Sohnemann und Töchterlein auf ihren Streifzügen nach Süßem, „sonst gibt’s Saures“! Dabei sind sie schon alt genug, um selbst um die Häuser zu ziehen. Besonders spannend ist das doch, weil es bereits dunkel ist, ein wenig gruselig eben und sehr ungewöhnlich: Lauter verkleidete Kindergruppen, da erkennt man kaum den eigenen Kumpel!

Nicht jeder versteht, was hier gefeiert wird

Halloween ist hierzulande ein relativ neuer Brauch. Nicht jeder will da mitziehen. Viele stellen sich die Frage, weshalb Halloween in Deutschland überhaupt gefeiert wird. Schließlich gibt es doch schon den Karneval oder Sankt Martin. Dass auch kommerzielle Interessen hinter dem Fest stecken, liegt auf der Hand. Nicht nur der Kostümhandel, auch die Süßwarenindustrie profitieren davon 😉

Gerade bibelfeste Menschen finden es gar nicht witzig, wenn kleine Gruselmonster durch die Straßen ziehen. Auch wundert es mich nicht, dass nur eine Minderheit die Türen öffnet, wenn die Kinder klingeln, um nach Süßigkeiten zu verlangen. Diese Leute halten Halloween vermutlich für einen vorübergehenden Trend. Nun ja, ich würde sagen, die Betaphase hat Halloween mittlerweile überstanden, oder?

Stadt vs. Land: Diesmal sind die Dörfler weiter 🙂

kürbisse

Kürbismarkt in Klaistow

Komischerweise habe ich auf dem Land bislang bessere Erfahrungen gesammelt als in der Stadt: Während in Berlin nicht einmal die Hälfte auf das Klingeln der Kinder reagiert hat, ist man im Umland schon voll auf den Halloween-Zug aufgesprungen. Teilweise lassen die Leute hier wahren Ehrgeiz erkennen, wenn sie ihren amerikanischen Vorbildern nacheifern: Nicht nur kunstvoll ausgehöhlte Kürbisse stehen vor den Türen der Einfamilienhäuser. Ich habe auch schon richtige Arrangements aus selbstgebastelten Skeletten und Grabsteinen gesehen, Lichtinstallationen inklusive! Wow.

Was viele Halloween-Gegner übersehen, ist die Zeit und das Engagement, die für die Vorbereitung aufs Halloween-Fest vonnöten sind. Halloween ist viel mehr als nur Trick or Treat.

Halloween füllt eine Lücke, denn religiöse Rituale werden immer uninteressanter (oft weiß ich nicht einmal mehr, wofür der Feiertag steht, der mir den freien Arbeitstag beschert). Das Bedürfnis nach Festen und Ritualen ist jedoch gleichbleibend groß. Somit werden neue (und spaßigere) Feste gern ins Jahreskontingent mitaufgenommen.

Ein paar Fakten rund um Halloween

Wo hat das Fest seinen Ursprung?

Halloween kommt aus Irland, wo es zunächst den Namen „All Hallows‘ Eve“ trug – dem Abend vor Allerheiligen. Über ausgewanderte Iren gelangte der Brauch im 19. Jahrhundert in die USA. Dort kam dann der für Halloween so typische Kürbis ins Spiel.

Ist Sankt Martin das gleiche wie Halloween?

Beileibe nicht alle Leute begegnen Halloween so aufgeschlossen wie die Eltern kleiner Kinder. Viele finden das Fest einfach nur nervig. Dass Kunstblut und Skelette ins Spiel kommen, löst Unmut aus (schließlich erschrecke das die kleinen Kinder und überhaupt: der Tod ist ein Tabu). Stattdessen trauern sie den guten alten Zeit nach, als wir Deutschen noch ausschließlich das Sankt-Martins-Fest mit Laternenumzügen und Liedern gefeiert haben. Still und pädagogisch wertvoll, seufz.

Tatsächlich gibt es zwischen Sankt Martin und Halloween einige Parallelen. So finden beide Feste im Herbst statt und die Kinder bitten nach dem Laternenumzug in der Nachbarschaft ebenfalls um Süßigkeiten. Allerdings bedanken sie sich dafür, indem sie Lieder singen. So zumindest die Theorie.

Was hat der Laternenumzug mit Sankt Martin zu tun?

Der Aushang in der Kita beweist: Im Osten heißt’s Laternenfest 😉

Da ich atheistischen Osten sozialisiert wurde, kann ich das nicht wirklich beurteilen. Hier hat man stets nur das „Laternenfest“ gefeiert, das Datum variierte dabei, lag nur grob im Herbst. Dass auch Süßigkeiten zum Fest gehören, weiß ich nur vom Hörensagen. Religiöse Lieder werden ebenso wenig gesungen, dafür aber „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne…“ 🙂

Auch der religiöse Hintergrund (Sankt Martin) und das Prinzip des Teilens kam erst viel später zum Vorschein, spielt hier aber immer noch eine untergeordnete Rolle.

Ich selbst feiere jedenfalls beides gern – Sankt Martin/Laternenfest und Halloween. Sowohl das eine als auch das andere sind für mich ein festes Ritual im Herbst geworden.

Ich frage mich lediglich, wie man das Halloween ausdehnen könnte, damit es nicht mit dem Streifzug nach Süßigkeiten endet. Gibt’s anschließend noch eine Party? –Wie handhabt ihr das?

Ich freu mich auf euer Feedback!

LG Anne!!!


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