Ich bin dann mal im Homeoffice

Ins Büro zu fahren wird dank mobiler Arbeitsplätze immer weniger notwendig. Tatsächlich sind Trendforscher und Umweltaktivisten der Auffassung, dass die Zukunft der Arbeit sich mehr und mehr zu Hause abspielen könnte und sollte. Das schont Ressourcen, spart Kosten (für Firmenbüros und Repräsentanzen) und sorgt für zufriedenere Mitarbeiter. In meinem eigenen kleinen Homeoffice-Erfahrungsbericht liest du jedoch nicht nur von glorreichen Vorzügen…

home office für mütter

Homeoffice mit Kind: (K)eine ideale Lösung?

Ich selbst arbeite mit Unterbrechung seit zehn Jahren im Homeoffice. Über die Vor- und Nachteile weiß ich daher bestens Bescheid. Für mich war es damals die einzig wahre Lösung, um Kind und Job unter einen Hut zu bekommen. Tatsächlich nehmen viele Angestellte den eigenen Nachwuchs zum Anlass, ins Homeoffice zu wechseln, teilweise sogar schon während der Elternzeit. Hier steht der Wunsch, die Kinder zu betreuen und gleichzeitig zu arbeiten, im Vordergrund.

Obwohl ich mir immer noch keine bessere Art zu arbeiten vorstellen kann, wage ich zu bezweifeln, dass in Zukunft einmal alle Leute von zu Hause aus arbeiten werden. Nicht jeder ist der Typ dafür – nachzulesen in den unten genannten Kehrseiten des Homeoffice. Doch zunächst einmal zu den unschlagbaren Vorteilen des Arbeitens ohne festen Büroplatz:

Warum das Homeoffice perfekt ist für die Work-Live-Balance

  • Ich sitze allein in meinem Arbeitszimmer, das dank zweier Fenster von natürlichem Tageslicht beleuchtet wird.
  • Es ist still. Ich werde von niemandem gestört.
  • Ich habe keinen Fahrtweg zurückzulegen. Daher muss ich weder Geld für den Öffentlichen Nahverkehr ausgeben noch für den Unterhalt eines Autos. Außerdem erspare ich mir den Stress, morgens und am Feierabend mit tausenden anderen Pendlern die Straßen zu verstopfen. Nicht zuletzt jage ich damit keine Abgase in die Luft.
  • Zu meinen Terminen komme ich stets pünktlich, weil ich einfach eher meine Arbeit beenden kann. Ähnlich verhält es sich, wenn meine Tochter morgens trödelt. Das bringt mich keineswegs zur Verzweiflung. Ich bin schließlich nur mir selbst Rechenschaft schuldig.
  • Sind meine Kinder krank und müssen zu Hause betreut werden, kann ich ggf. dennoch arbeiten. Schließlich ist mein Arbeitsplatz inklusive aller Gerätschaften in der Nähe.
  • Ich muss mich nicht mit nervigen Kollegen auseinandersetzen, ebenso wenig mit Vorgesetzten. Die Kommunikation läuft in der Regel ganz entspannt per eMail.
  • Ach ja, zum Mittagessen muss ich natürlich auch nicht extra in die Kantine oder zur nächstbesten Bäckerei laufen. Günstiger komme ich weg, wenn ich mir einfach ein Brot schmiere oder einen Salat zubereite.

Die Kehrseiten der Arbeit im Homeoffice

Alles in allem arbeite ich also stressfreier und damit gesünder. Mit meiner Work-Life-Balance bin ich ausgesprochen zufrieden. Das wiederum macht mich produktiver und glücklicher.

Darüber hinaus steht mir mehr Freizeit zur Verfügung, die ich mit meiner Familie verbringen kann. Bisweilen vergesse ich all diese Vorteile jedoch. (Man gewöhnt sich schnell an den Luxus.) Dann treten plötzlich die Nachteile der Homeoffice-Welt in den Vordergrund. Ja, die gibt es. Allerdings halten sie sich glücklicherweise in Grenzen:

  • Hin und wieder falle ich in ein Motivationsloch, aus dem ich mich zu allem Überfluss auch noch selbst befreien muss. Gar nicht so einfach, wenn man bis auf die eigenen Auftraggeber keinen Input bekommt.
  • Bisweilen langweile ich mich auch ganz schön. Dann hätte ich gern jemanden zum Quatschen. Ganz real, nicht nur am Telefon oder per Mail. Gerade wenn man nicht nur einmal pro Woche im Homeoffice arbeitet, sondern permanent, besteht die Gefahr, sich in der eigenen Komfortzone einzuigeln und den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren. Der Vorteil, seine Ruhe zu haben, verstärkt sich zur Einsamkeit. Um gegenzusteuern, ist es ratsam, seine Freizeit auszufüllen mit Aktivitäten, die andere Menschen miteinschließen.

Tatsächlich pflege ich engen Kontakt zu meinen Nachbarn und Freunden und habe mich im Sportverein angemeldet. Außerdem sind meine Kinder noch relativ klein und ihr Betreuungsbedarf recht hoch. Nachmittägliche Unternehmungen stehen folglich regelmäßig an.

  • Bedenken sollte man zudem, dass es kaum möglich ist, aus dem Homeoffice heraus Karriere zu machen. Wer MitarbeiterInnen führen will, sitzt in der Regel im Büro, denn von Chefs wird nicht nur in Traditionsunternehmen Präsenz verlangt.
  • Ganz wichtig ist zu guter Letzt die mangelnde Anerkennung: Für einige meiner Mitmenschen erschließt sich nicht, dass ich wirklich zu Hause arbeite. Für die bin ich halt Hausfrau. Auch wenn es mir egal sein sollte, was andere über mich denken, ein wenig frustrierend ist es schon, nicht als „echte Arbeitnehmerin“ zu gelten.

So viel zu meinen persönlichen Erfahrungen im Homeoffice. Abschrecken will ich damit niemanden! Wie oben erwähnt, arbeite ich selbst schon jahrelang von Zuhause aus und bin mehr als zufrieden. Den genannten Nachteilen kannst du entgegenwirken! Es liegt in deiner Hand. Wie jede andere Arbeitsstelle kannst du das Homeoffice natürlich auch wieder verlassen, wenn du Lust auf etwas Neues hast. Vielleicht betrachtest du die „Heimarbeit“ ohnehin als etwas Vorübergehendes?

In deiner Hand liegt übrigens auch die Gestaltung deines Arbeitszimmers

Dein Arbeitszimmer kannst du nach eigenem Gutdünken einrichten: Wandfarbe, Rollos, Topfpflanzen, Büromöbel – alles nach deinem Geschmack. Leider bleiben die Kosten jedoch an dir hängen, seufz. Und bei einem dynamisch-flexiblem Stuhl mit verstellbarer Rückenlehne musst du auch noch ganz schön tief in die Tasche greifen. Nun ja, immerhin lassen sich die Kosten für Arbeitsmittel und Einrichtungsgegenstände von der Steuer absetzen.  Das bedeutet, dass du deine Ausgaben von deinen Einnahmen abziehen kannst. Dein Gewinn mindert sich und deshalb auch die Steuerlast. Nachzulesen in meinem Artikel über Freiberufler und Kleingewerbetreibende>>

Dein Homeoffice-Arbeitsplatz muss übrigens gar nicht wie ein klassisches Büro aussehen. Angefangen habe ich zum Beispiel am Küchentisch. Draußen zu arbeiten kam mir allerdings nie in die Tüte: Die herumschwirrenden Insekten hätten mich noch mehr gestört als Sonnenlicht auf dem Bildschirm. Sieht aber gemütlich aus…:

homeoffice

Ganz nach deinem Geschmack arbeiten: im Homeoffice

LG Anne!!!



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