Schöne neue Welt: Kinder per App überwachen

kinder per app überwachen

Medienkompetenz war gestern, heute ist Kontrolle angesagt

Vor nicht allzu langer Zeit war das Thema Medienkunde Bestandteil des Unterrichts in der Klasse meines Sohnes. Normalerweise sollen die Handys der Grundschüler zu Hause bleiben, doch zum Zwecke der Medienunterrichts durften die Kinder sie mitbringen. Sohnemann stellte dabei fest, dass er als einziger in seiner Klasse kein Handy besaß.

Ich bezweifle zwar immer noch die Notwendigkeit eines Handys für Grundschüler, will aber auch nicht, dass mein Kind außen vor ist. Seine Klasse hat sogar schon eine eigene Whatsapp-Gruppe – und Sohnemann ist nicht dabei!!! Zum Nikolaus kriegte er also auch ein Smartphone.

Nun quält uns Eltern allerdings die Frage:

Wie bringen wir unserem Kind bei, verantwortungsvoll mit seinem neuen Technikspielzeug umzugehen?

Ich muss gestehen, dass ich selbst keinerlei Argwohn gegen das Internet oder soziale Medien hege. Im Gegenteil, ich empfinde das Internet als absolute Bereicherung! Daher kann ich den Reiz, den es auf Kinder ausübt, sehr gut nachvollziehen. Worin liegt also die dunkle Seite der neuen Medien?

Was könnte meinem Sohn Schlimmes wiederfahren?

Die Dauer der Mediennutzung

Okay, da wäre der Zeitfaktor, der mich wirklich beunruhigt. Sohnemann könnte die Lust am nicht-virtuellen Leben völlig verlieren und sich zusehends absondern.

Wie unglaublich lange das Kind YouTube-Videos gucken kann, erstaunt mich immer wieder. Von sich aus würde er vermutlich nie damit aufhören. Das Vergnügen, das ihm diese Clips bereiten, ist einfach zu groß. Sind seine Freunde zu Besuch, schauen sie gemeinsam.

Gemeinsam spielen sie auch Minecraft und andere Spiele – bis zum Abwinken. Dass man auch draußen spielen kann, interpretieren sie folgendermaßen: Sie fahren zum Sportplatz und setzen sich dort mit ihren Handys ins Gras. (Das habe ich mir echt nicht ausgedacht!)

Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und von Sucht sprechen. Bezeichnend finde ich aber, dass scheinbar nichts aus der greifbaren Welt auch nur ansatzweise mit der schönen neuen Welt des Internets mithalten kann. Da sich dieses Verhalten komplett von dem unterscheidet, was ich selbst als Kind erlebt habe, erschien es mir zunächst äußerst befremdlich.

Ob der hohe Medienkonsum tatsächlich negative Auswirkungen hat, kann ich allerdings nicht beurteilen. Freunde hat Sohnemann ja. Und in der Schule kommt er auch gut zurecht.

Jedenfalls liest man in Elternratgebern, dass Mütter und Väter mit ihren Kindern Bildschirmzeiten vereinbaren sollten. Klar, wer macht das nicht? -Das führte bei uns jedoch stets zu Diskussionen und neuen Kompromissen. Fristen immer wieder aushandeln zu müssen, bedeutet Stress und Frust für uns Eltern. Daher muss man hier wohl eiskalt auf Überwachungs-Apps setzen:

Kinder per App überwachen und einschränken: Parental Control

Hierfür eignen sich sowohl Jugendschutz-Apps als auch sogenannte Parental-Control-Apps. Sie haben so tolle Namen wie „Phonesheriff“ oder „MobileSpy“… Mit ihrer Hilfe kannst du nicht nur die Bildschirmzeit begrenzen, sondern auch bestimmte Apps (YouTube, Games, Soziale Medien) blockieren. Per Fernsteuerung lässt sich das Gerät des Kindes sogar komplett ausschalten. Blockieren lässt sich das Handy auch zu bestimmten Zeiten (Unterricht, Nacht,…).

Ich entscheide mich kurzerhand für „Screen Time Elternaufsicht„. Das soll keine Werbung sein – ich habe lediglich die erstbeste App gewählt, die im Play Store aufgetaucht ist.

Installiert wird „Screen Time“ sowohl auf dem Handy des Kindes als auch auf dem des Elternteils, das überwachen will. Ich lege an meinem Handy fest, wie lange Sohnemann sein Handy täglich nutzen darf und dass spätestens um neun alle Lichter ausgehen. Dann reibe ich mir die Hände… 😉

Update: Funktioniert die App?

Fünf Minuten nachdem Sohnemann aus der Schule heimgekehrt war, erhielt ich folgende Nachricht:

Wozu lege ich überhaupt ein Passwort fest, wenn die App ohne Passwort-Abfrage in den virtuellen Mülleimer verschoben werden kann??? Ich bin echt fassungslos.

Okay, in der Gebrauchsanweisung stand so etwas wie „besonders intelligente Kinder könnten in der Lage sein, die App zu deaktivieren“. -Äh, muss man besonders intelligent sein, um eine App zu deinstallieren? Das können doch schon Dreijährige…

Ich frage mich nun, ob es überhaupt Sinn macht, eine neue Parental-Control-App zu suchen. Bei all der Kontrolle vergessen wir Eltern, dass Kinder dadurch leider kaum zu verantwortungsvollen Mediennutzern erzogen werden.

Aus Kindern werden schließlich Jugendliche, die sich mit Sicherheit nicht mehr durch Apps einschränken lassen! Mit dem Nachwuchs im Gespräch zu bleiben, was er im Internet konsumiert und den eigenen Standpunkt dazu zu formulieren, ist hier wohl das einzige, was einem Elternteil zu tun verbleibt.

Zugang zu grenzwertigen Inhalten sperren

Widmen wir uns dem nächsten Angstfaktor: Texte, Bilder und Videos, die Kinder nicht sehen sollten.

Dass kleine Jungs sich nicht nur niedliche Katzenvideos auf YouTube reinziehen, verwundert wohl niemanden. Das Portal gänzlich zu sperren, damit Sohnemann keine verstörenden Bilder zu Gesicht bekommt, ist allerdings wenig zeitgemäß. Da liegt es schon näher, YouTube einfach zu zensieren. Gadgetina hat mich auf die YouTube-Kids-Version aufmerksam gemacht.

Mit Hilfe von Screen Time blocke ich also das Original-YouTube und installiere gleichzeitig YouTube Kids auf Sohnemanns Handy. Bin mal gespannt, wie er reagiert. Neben Screen Time hat er auch YouTube Kids wieder deinstalliert. Super.

Abgesehen davon kann die Blockade einfach umgangen werden, wenn Kinder Whatsapp nutzen. Darüber schicken sie sich nämlich massenweise Videoclips zu.

Umgang mit Hass: virtuelle Mobber

Nun denn, die bedenklichen Inhalte bleiben eine Gefahr fürs Kind. Noch bedenklicher sind die Leute, die dahinter stehen. Von denen wimmelt es im World Wide Web jedoch. Schließlich können sie sich im Internet völlig anonym austoben, indem sie andere beleidigen, verletzen, verleumden, kurz: ihren Hass verbreiten, um sich am Leid des Adressaten zu erfreuen.

Jeder, auch ein Kind, kann einem solchen Menschen im Internet begegnen. Daher ist es ratsam, dem Nachwuchs einen Leitfaden in die Hand zu drücken, wie es sich im Ernstfall verhalten sollte. Einen sehr ausführlichen, der auch für Grundschüler einfach zu lesen ist, findest du hier>>

Es gibt (k)ein Leben ohne Internet

Ich möchte nicht mahnend den Zeigefinger erheben, dazu fehlt mir das notwendige Hintergrundwissen. Ob und wie viel und was überhaupt? –Keine Ahnung. Dass zu den Auswirkungen des Umgangs mit mobilen Endgeräten wenig bekannt ist, irritiert. Oft wird der positive Effekt, den zum Beispiel Computerspiele aufs Gehirn haben, gänzlich unter den Teppich gekehrt. Im Vordergrund steht hingegen der Bewegungsmangel, den virtuelle Spiele und Handynutzung verursachen.

Zusätzlich werden immer wieder Artikel und Ratgeber veröffentlicht, die das Schlechte in der Mediennutzung hervorheben und somit Angst schüren. So wurde zum Beispiel immer wieder berichtet, dass die Amokläufer an Schulen zuvor „Ballerspiele“ gespielt hätten, so als wären die Spiele schuld am Amoklauf. Die meisten Eltern reagieren daher mit Sanktionen. Immer wieder gehört habe ich den Satz „Du darfst deinen Freund XY ruhig besuchen, aber nur wenn ihr keine Computerspiele spielt!“ Oder „Was, dein Sohn hängt immer noch an der Konsole? Wie viele Stunden macht er das denn?“

Als Mutter muss ich mich hin und wieder rechtfertigen, Sohnemann natürlich noch viel öfter. Mittlerweile lasse ich mich von den anderen Eltern jedoch nicht mehr derart runterziehen, wenn es ums virtuelle Spielen geht, denn:

Ich bin stolz darauf, dass mein Sohn so unglaublich Technik-affin ist und alle digitalen Geräte im Handumdrehen beherrscht. Ich bin außerdem stolz, dass er dank seiner Spiele immer wieder kreative Lösungen findet und bessere Strategien entwickelt als ich es je können werde. Das ist sein Talent. Wie schön, dass er Spaß daran hat, es auszuleben!

Fakt ist: Die neuen Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es ist völlig normal, ein Handy oder ein Tablet zu besitzen – und es zu benutzen. Alternativen zum Medienkonsum sind allerdings angebracht. Das eine sollte das andere nie ausschließen. Sonst kriegt man ja nur die Hälfte mit vom Leben 😉

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