Kindererziehung? -Nebensache.

Welche Priorität messt ihr eigentlich der Erziehung bei?

Ich gestehe es am besten gleich: Ich bin keine Erzieherin. Weder gelernte noch angelesene. Erziehen, womöglich gar maßregeln empfand ich schon immer als Freiheitsberaubung – und anstrengend obendrein.

kindererziehungMeine Kinder habe ich daher partnerschaftlich erzogen. Mit ganz viel Liebe gewürzt. Und bin dann irgendwie an meine Grenzen gestoßen. Zumindest fühle ich mich beinahe täglich davon genervt, dass meine Worte kackfrech ignoriert werden. Alternativ wird jeder Kleinkram ausdiskutiert. Das ist nicht nur zeitintensiv, sondern auch – ja – anstrengend.

Darüber, wie man Kinder erzieht, habe ich mir nie den Kopf zerbrochen – nach dem Motto „das kommt schon von allein, rein intuitiv“. Viel lieber habe ich mich mit dem Entwicklungskalender befasst oder mit der Kinderzimmereinrichtung.

Kinder zu erziehen, ist alles andere als leicht

Das war wohl ein Fehler. Nicht dass ich gänzlich unzufrieden bin mit dem Resultat meiner Nicht-Erziehung. Doch neulich hat mir ein Radiointerview die Augen geöffnet. Der Kinderpsychiator Michael Winterhoff sprach eine Stunde lang nicht nur über sein neuestes Buch, sondern auch über seine vergangenen Bestseller.

„Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, ist einer davon. Keine Angst: Hier handelt es sich nicht um Product Placement. Ich habe das Buch nie gelesen, weil ich den Titel zu reißerisch finde. Das hat mich bislang vom Kauf abgehalten. Wobei Winterhoff ansonsten ganz bescheiden klingt:

Meine Aufgabe als Psychiater ist es, Menschen einen Spiegel vorzuhalten, in dem sie ihr Verhalten erkennen können, um darüber nachzudenken.

Nach fast neunjähriger Mutterschaft ist nun doch die Zeit für den ersten Erziehungsratgeber gekommen. Das Radio-Interview mit Winterhoff motiviert mich zumindest stark dazu, denn hier wurden eklatante Erziehungsfehler aufgezeigt. Fehler, die ich Tag für Tag mache und die einen entscheidenden (negativen) Einfluss auf meine Kinder haben können. Nun will ich Antworten auf die Frage: „Wie kann ich’s besser machen?“

Angst, mich bei meinem Kind unbeliebt zu machen, habe ich nicht. Mit Unbehagen erfüllt mich allerdings der Gedanke, wie ich ihm das glaubwürdig verkaufen soll. Leicht wird der Erziehungskurs mit Sicherheit nicht.

Das Stöhnen einer befreundeten Mutter habe ich noch immer im Ohr: „Den ganzen Tag muss ich meckern. Ich meckere und meckere. Boah, ich habe einfach keine Lust mehr zu meckern.“ Tja, wenn’s den Nachwuchs voranbringt, muss man da wohl durch.

Ansonsten droht, was Winterhoff einmal in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung preisgab:

Als Säugling muss man nur quaken, dann kommt die Brust. Wenn man Kindern aber auch über das Säuglingsalter hinaus permanent die Brust reicht – ihnen also sofort jeden Wunsch erfüllt -, so bleiben diese Kinder in der oralen Phase stecken. Sie werden später sehr leicht nach anderen Dingen süchtig: nach Videospielen, Flatratesaufen, Fastfood.

Sie sind nicht zu bändigen – und Schuld daran sind wir

Aufgefallen ist mir schon lange, dass die heutigen Kinder uns Erwachsenen ganz schön auf der Nase herumtanzen. Das liegt laut Winterhoff an der partnerschaftlichen Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Ja, ich fühle mich schon wieder ertappt…, aber ich hab’s doch nur gut gemeint mit Sohnemann. Er sollte sich gleichwertig fühlen, nicht herabgestuft! Und auf das ewige Meckern (siehe oben) hatte ich auch keine Lust.

Zu dumm, dass ich ihm damit seiner Kinderrolle beraubt habe. Auch wenn Kinder darin kaum Mitsprache haben, so erweist sich die echte Kinderrolle doch als Segen. Hier darf Kind mal wirklich Kind sein – und muss keine Entscheidungen treffen.

So jedenfalls lauten einige Thesen Winterhoffs. Über Weihnachten werde ich sie mir mal genauer anschauen. Obwohl ich bezweifle, dass es mir gelingen wird, eine echte Erzieherin zu werden, muss ich wenigstens endlich mal die Richtung wechseln – und die klare Rollenverteilung einführen.

Das wird schwer, sage ich euch… Am schwersten wird’s wahrscheinlich, durchzuhalten!


Wie seht ihr das?

Winterhoffs Bücher sind umstritten – wie es sich für Familienthemen gehört 😉 Darum möchte ich den Fokus gar nicht so sehr auf den Autor und seine Werke lenken.

Vielmehr erstaunt und erschreckt mich eine seiner Erkenntnisse, die mir auch von einer befreudeten Erzieherin bestätigt wurde: Ein großer Teil der deutschen Eltern ist aus der Erziehung ausgestiegen. Wenn es die Eltern allerdings nicht mehr schaffen, müssen Lehrer und Erzieher eben stärker ihr Übriges tun.

Das klingt dramatisch: Sind wir Eltern wirklich so unfähig (geworden), dass sich öffentliche Institutionen nun mehr um unseren Nachwuchs kümmern müssen?

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