Ich bin doch keine Reklametafel!


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Gestern habe ich mich der leider wenig originellen Jungsmode gewidmet. Dabei habe ich es tunlichst vermieden, euch zu fragen, welche Shops & Labels ihr empfehlen könnt, die richtig tolle Jungsmode im Repertoire haben.

Warum? -Ich stehe dem Markenwahn sehr skeptisch gegenüber. Noch immer hallt das Buch „No Logo“ von Naomi Klein in mir nach, das ich bereits als Teeny gelesen habe.

Übrigens, wunderbar markenkritisch ist auch der Song „Wings“ von Macklemore & Ryan Lewis: unbedingt reinhören!

Zugegeben, manchmal sind Marken auch hilfreich

Dabei können Marken auch Orientierung bieten. Ich war bspw. jahrelang davon überzeugt, dass Esprit Mode in wahnsinnig guter Qualität liefert. Warum? –Die Klamotten des internationalen Konzerns sind einfach viel teurer als die von H&M.

Damit erlag ich einem Irrtum: Noch nie sind mir so viele Klamotten innerhalb kürzester Zeit kaputtgegangen oder beim Waschen eingelaufen wie die von Esprit. Mein Fazit: Kaufe ich nie wieder.

Erst kürzlich hat uns auch der VW-Skandal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückmanövriert: „Das Auto“ hält eben doch nicht, was es verspricht. Gerade bei Autos ist so ein Skandal der absolute Supergau, denn hier spielen beim Kauf Emotionen einen große Rolle. Soll heißen, dass die Botschaft der Marke mehr zählt als das, was wirklich unter der Haube steckt.

Orientierung liefern Marken natürlich auch im positiven Sinne: Wenn ich merke, dass die Schuhe eines bestimmten Labels besonders lang halten und bequem sind, weiß ich, dass ich auch beim nächsten Schuhkauf auf diesen Hersteller zurückgreifen kann.

Darüber hinaus verleihen Marken Würde (wenn sie weder privat noch im Beruf generiert werden kann) und signalisieren die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsschicht.

Labels, Marken & Embleme treiben mir die Schamesröte ins Gesicht

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Marken erfüllen eine Funktion. Und trotzdem treiben sie mir oft die Schamesröte ins Gesicht, denn sie werden immer sichtbarer. Bei Kinderkleidung achte ich darauf, keine Marken zu kaufen. Da geht’s eher um Haltbarkeit, zum Teil auch um Nachhaltigkeit. Allerdings muss ich zugeben, dass mir Bio-Klamotten oft zu teuer sind.

Befindet sich doch mal ein gut sichtbares Label am Kleidungsstück, wird es herausgeschnitten. Ich finde die Zurschaustellung von Marken einfach peinlich.
Zu dumm, dass sich die Labels mittlerweile auch außen an den Klamotten befinden und nicht so einfach entfernt werden können. Ärgerlich: Selbst an meinen Schuhen prangt an der Seite ein ziemlich großes Logo. Früher war das unter der Sohle. Eigentlich müsste ich dafür bezahlt werden, solche Sachen zu tragen.

Richtig grauenhaft sind die Jacken, die mein Sohn regelmäßig von seinen Verwandten geschenkt bekommt. Auf denen verläuft der Markenname nämlich RIESENGROSS über der Brust. Solche Klamotten werden gleich weiterverschenkt oder auf ebay verkauft. Dort finden sie übrigens reißenden Absatz.

„My movement told me be a consumer and I consumed it“

Ich weise meine Familie oft genug darauf hin, dass sie sich das Geld für Marken sparen kann. Teurer sind die Klamotten nämlich nur, weil erhöhte Ausgaben fürs Marketing anfallen. Die Qualität ist überall gleich (schlecht), denn egal ob GAP, Benetton, Esprit oder Ernsting’s Family und Aldi: Produziert wird in denselben Sweatshops in Südostasien. Ganz zu schweigen von den verwendeten Stoffen und Garnen, die oft unter noch erbärmlicheren Bedingungen gefertigt werden. Und das tragen viele Leute tatsächlich mit Stolz!

Doch zurück zu den Kindern: Sie brauchen sich ohnehin nicht durch Marken zu profilieren. Sie verfügen noch über das nötige Selbstwertgefühl, das vielen markenaffinen Erwachsenen ganz offensichtlich fehlt: Dass man sich durch Charakter, Talent, Liebenswürdigkeit und Leistung auszeichnet, und nicht durch Bling-Bling.

Sorgen wir dafür, dass es so bleibt, indem wir mit gutem Beispiel vorangehen. Aufklären kann man die Kleinen zusätzlich, damit Kinder Markenbotschaften nicht einfach „konsumieren“ und bereitwillig glauben, sondern eine kritische Distanz bewahren.

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