Das Kinderzimmer als Wohlfühlort

kinderzimmer einrichten

Praktisch, aber nicht besonders anheimelnd: So stellen sich Möbelhäuser ein Kinderzimmer vor.

Vor einem Jahr sind wir umgezogen. Daraufhin wurden auch die Kinderzimmer meiner beiden Kinder eingerichtet. Teils haben wir dafür neue Möbel gekauft, teils gebrauchte geschenkt bekommen und alte Möbelstücke wiederverwendet. Mit dem Ergebnis war ich zufrieden: Die Räume gefielen mir ästhetisch – und auch die Kinder beschwerten sich nicht.

Nach einem Jahr in den neuen Zimmern fällt unser Resümee nun doch gespalten aus: Hielten sich meine Kinder in der alten Wohnung noch recht häufig in ihren eigenen Zimmern auf, um dort zu spielen, verbringen sie jetzt deutlich weniger Zeit darin.

Wenn das Kinderzimmer nur noch zum Schlafen dient…

Viel lieber spielen sie stattdessen im Wohnzimmer oder in unserer Küche. Bislang wusste ich das sogar zu schätzen. Schließlich muss ich mich nicht extra nach oben begeben (wo die Kinderzimmer sind), um die Hausaufgaben zu kontrollieren oder Memory zu spielen.

Außerdem erinnert mich dieses Verhalten auch irgendwie an mich selbst: Schließlich hielt ich mich als Kind auch lieber in der Küche auf als in meinem eigenen Zimmer. Am großen Küchentisch fand ich es viel gemütlicher und angenehmer.

Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch, dass meine Kinder ihre eigenen Zimmer deutlich unattraktiver finden als unsere familiären Gemeinschaftsräume. Selbst um ein Buch zu lesen, geht mein Sohn lieber ins Arbeitszimmer als in sein Kinderzimmer. Möglich, dass das völlig normal ist. Doch offensichtlich fühlen sich die Kinder in ihren eigenen Zimmern nicht sonderlich wohl.

Woran könnte das liegen?

Pädagogische Gedanken zum Kinderzimmer

Zugegeben, ich habe beide Kinderzimmer nach meinen eigenen Vorstellungen gestaltet. Da ich es gerne ordentlich habe, liebe ich Schränke, in denen ich nach Möglichkeit ALLES verstauen kann.

Die Kinderzimmer wurden nach den falschen Kriterien eingerichtet: Ordnung & Aussehen standen bei mir an erster Stelle. Alles andere spielte eine untergeordnete Rolle.

Meine Kinder durften zwar die Farbe ihrer Wände selbst bestimmen und auch helfen, sie zu streichen, doch die Möbel habe ich ausgesucht. Auch wo wir sie letztlich hinstellen, habe ich bestimmt. -Alles nach ästhetischen Gesichtspunkten, nicht nach kindlichen Ansprüchen.

Nehmen wir Sohnemanns Schreibtisch: Der ist zwar durch seine Verstellbarkeit superpraktisch und ergonomisch, erinnert vom Aussehen aber stark an eine Schulbank. Kein Wunder, dass er sich nie daransetzt. Stattdessen legt er sich auf den Boden und verrichtet seine Hausaufgaben dort.

Auch seine Schränke nutzt er nie: Viel lieber legt er alles auf dem (ungenutzten) Schreibtisch und auf den Fensterbrettern ab. Was tatsächlich im Schrank landet, könnte auch gleich auf den Dachboden wandern: Es wird nie wieder benutzt.

Auch wenn nur Kleinigkeiten auf dem Boden herumliegen, habe ich immer das Gefühl, es herrsche Chaos in seinem Zimmer. Irgendwie scheint nichts an seinem Platz und auch nichts wirklich zusammenzupassen.

Nach einem Jahr im neuen Haus weiß ich also, dass mir zumindest bei der Gestaltung von Sohnemanns Kinderzimmer Fehler unterlaufen sind – und aus Fehlern lernt man bekanntlich 😉

Vielleicht erwartest du nun eine konkrete Auflistung, nach welchen Kriterien du nun das Kinderzimmer einrichten sollst. Darauf verzichte ich in meinem Artikel bewusst, denn: Jedes Kind ist anders! Folglich hat jedes Kind auch andere Bedürfnisse und Wünsche. Vielleicht praktizierst du es einfach so wie ich: Erstmal einrichten und nach einer gewissen Zeitspanne resümieren: Was sollte ich anders machen? Welche Hinweise geben mir meine Kinder?

Kinderzimmer einrichten: Dem Kind Mitsprache einräumen

Ich weiß auch schon, was ich jetzt anders machen würde. Statt aber sofort nach meinen Vorstellungen zu agieren, warte ich erst einmal ab, was mein Sohn dazu sagt. Diesmal räume ich ihm mehr Mitsprache ein…

Schulunterricht in großen, hellen Räumen, Foto mit freundlicher Genehmigung von ass.de

Mehr Mitsprache fordern übrigens auch Pädagogen! Sie verbringen schließlich sehr viel Zeit in hiesigen Bildungseinrichtungen mit Kindern und Jugendlichen. An deren Gestaltung haben sie allerdings wenig Anteil. Diese wird immer noch von Architekten und Raumausstattern übernommen, also Leuten, die eher wenig mit Kindern zu tun haben.

Wie wichtig jedoch gerade die Gestaltung von Kitas und Schulen ist, wird zum Beispiel vom Berliner Bildungsprogramm beschreiben. Dort heißt es: „Ein anregungsreicher Raum wird deshalb zu Recht als der „dritte Erzieher“ benannt.“

Räume beeinflussen die Bildung. Die Bedeutung ihrer Gestaltung ist folglich ungemein hoch. Wen wundert’s da, dass sich schon viele bekannte Pädagogen (u.a. Maria Montessori) mit der Raumgestaltung befasst haben.

Auch im Kita-Handbuch heißt es zu den Wechselwirkungen zwischen Erziehung, Kind und Raum: „So erinnern Kitas oft stärker an ein Bild aus einem Möbelkatalog als an einen Lebensraum für Kinder. Räume sind „Erzieher“ und „Bewirker“. Wir brauchen keine Schau- oder Ausstellungsräume in der Kita, aber Spielräume für die freie Gestaltung der Nutzer, der Kinder.“

Das Kinderzimmer soll das Kind wiederspiegeln

Selbstverständlich sollen weder das Kinderzimmer meines Sohnes noch das meiner Tochter in Bildungsräume verwandelt werden. Doch gerade die Lektüre des Kita-Handbuchs (siehe oben) hat mich gelehrt, dass ich der Rolle des Aussehens lieber weniger Wert beimessen sollte als dem Wohlfühlfaktor für die Kinder.

Räume strahlen schließlich eine bestimmte Atmosphäre aus: Sie können dafür sorgen, dass Kinder angeregt werden oder zur Ruhe kommen. Sie können aber auch Enge und Chaos ausstrahlen, ja, dem Kind sogar Angst machen!

Dass sich meine Kids noch nicht sonderlich wohlfühlen in ihren Zimmern, haben sie mir ja durch ihr Verhalten gezeigt. Jetzt bin ich wirklich gespannt, in welche Richtung sie ihre Zimmer verändern – mit so wenig mütterlichem Einfluss wie möglich. Schließlich sollen die Kinderzimmer ihre „Bewohner“ widerspiegeln.

Vorher-Nachher-Bilder kann ich euch leider noch nicht präsentieren. Noch haben wir das Problem erst identifiziert. Nun müssen wir (gemeinsam) herausfinden, was wir anders bzw. besser machen können.

Aber vielleicht habt ihr ja bereits entsprechende Erfahrungen gesammelt?

Kinderzimmer einrichten: Durften eure Kinder mit entscheiden? Wie seid ihr vorgegangen? -Ich freue mich auf euer Feedback!

LG Anne!!!

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