Schicksalhafte Entscheidung: die Wahl des Namens

Kriterien bei der Namenswahl

kriterien bei der namenswahl

Über die Folgen eines falschen Namens

Vor einigen Jahren wurde von Satirikern der Begriff Kevinismus (bzw. Chantalismus) ersonnen und von Journalisten aufgegriffen. Er bezeichnet das Klischee, dass vor allem Menschen aus unteren Einkommensschichten ihren Kindern exotische oder anglo-amerikanische Vornamen geben.

Ob das Klischee nah an der Wahrheit ist, wurde nie anhand offizieller Statistiken nachgewiesen. Eines jedoch steht fest: Namen rufen in uns bestimmte Assoziationen hervor. Die sind nicht nur durch persönliche Erfahrungen geprägt, sondern auch von der Gesellschaft.

Ein Name kann auch Schicksal sein

So ergab eine Umfrage unter Grundschullehrern, dass Kinder mit Namen wie Justin, Marvin, Cedric, Mandy, Angelina, Chantal, Maurice oder Kevin automatisch leistungsschwächer eingeordnet werden als solche mit Vornamen wie Charlotte, Sophie, Hannah, Alexander oder Jakob. Letztere werden auch wohlwollender benotet, weil die Lehrer sie für leistungsstärker halten.

Nicht nur das, je moderner ein Name klingt, desto jünger, attraktiver und intelligenter wird die Person auch eingeschätzt. Unbeliebte Vornamen hingegen können Lebenschancen schmälern – und sich sogar negativ auf das Selbstbewusstsein eines Menschen auswirken.

„Dabei haben es Männer und Frauen mit außergewöhnlichen Vornamen nachweislich schwerer als die Mehrheit. Sie landen häufiger in psychiatrischen Kliniken und in Gefängnissen.“, schreibt die Zeit.

Wen wundert’s also, dass sich viele Eltern über Monate den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihren Nachwuchs nennen sollen. Sie bestimmen, mit welchem Namen ihr Kind einmal durchs Leben gehen wird – welch große Verantwortung!

Schließlich reicht oft schon der Name, um einen Menschen in eine Schublade zu stecken.

Welche Kriterien bei der Namenswahl von Eltern berücksichtigt werden

Wenn man unter Eltern herumfragt, welche Kriterien bei der Namenswahl sie für ausschlaggebend halten, so scheinen die wenigsten die (Un-)Beliebtheit des Namens zu bedenken. Wie man bspw. der Namenshitliste von kindername.de entnehmen kann, sind die von Eltern vergebenen Namen eher ein Spiegel unserer Zeit.

Entscheidender ist für viele:

  • Der Klang des Namens
  • Dass die Geschwisternamen zusammenpassen (Klang, Anfangsbuchstabe, Länge)
  • Dass der Name zum Nachnamen bzw. Zweitnamen passt
  • Eine einfache Aussprache > klassische, bekannte Namen
  • Seltenheit
  • Dass man die Herkunft des Kindes aus dem Namen heraushören kann (deutsche Namen)
  • Bedeutung des Namens
  • Eine Story zum Namen > besonderer Tag/Ereignis, bestimmter Mensch
  • blöde Spitznamen sollen vermieden werden, ebenso Reime auf den Namen

Vorteile eines gewöhnlichen Namens

Für mich selbst war wichtig, dass mein Sohn einen Namen trägt, den nicht jeder hat. Dieser Name brauchte nicht außergewöhnlich sein, jedoch selten. Damals – während der Schwangerschaft – war mir niemand bekannt, der Jonathan hieß. Überhaupt sind Männernamen, die mit J anfangen, in meiner Generation fast nicht existent.

Umso bedauerlicher fand ich es, als ich feststellte, dass ich offenbar auf einer Welle mitschwamm: Plötzlich gab es ganz viele Jonathans auf dem Spielplatz!

Aus psychologischer Sicht allerdings ist es von Vorteil, viele Namensvetter zu haben. Menschen hegen nämlich positive Gefühle gegenüber sich selbst und allem, was sie als zu sich gehörig empfinden – das betrifft natürlich auch den Namen. Deshalb helfen sie zum Beispiel bereitwilliger anderen Menschen, wenn sie erfahren, dass diese denselben Namen tragen wie sie.

Selbst der Anfangsbuchstaben des Vor- oder Nachnamens kann schon Signalwirkung haben. So schreibt die SZ, dass „im Wahlkampf 2000 jene Amerikaner, deren Nachname mit B anfing, überproportional häufig für George W. Bush, Al Gore konnte dagegen auf Landsleute mit G am Namensbeginn bauen.“ (Psychologie: Wie der Name unser Schicksal prägt)

Assoziationen ändern sich zum Glück

Früher habe ich in mich hineingelacht, wenn ich Mütter hörte, die ihre Jungs „Justin“ riefen. Heute lauten die Namen der beiden besten Freunde meines Sohns Maddox und Jason. Beide Jungen sind umgänglich und klug. Sie entsprechen in keinster Weise dem o.g. Klischee. Dummheit oder Verhaltensauffälligkeit verbinde ich schon lange nicht mehr mit diesen Namen.

Glücklicherweise werden wir alle geprägt von unseren persönlichen Erfahrungen, die wir im Laufe des Lebens sammeln. Die wiederum können Vorurteile revidieren.

Und – wer weiß? – vielleicht erleben wir unter den zahlreichen so seriös klingenden Marias, die es momentan gibt, auch eine, die sich wie eine Chantal benimmt… Das wird unsere Assoziation mit diesem Namen auf jeden Fall beeinflussen 😉

LG Anne!!!

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