Langweilig oder spannend: Wie muss dein Familienurlaub sein?

Neulich schwärmte ein Bekannter von seinem bevorstehenden Nordseeurlaub. Ich antwortete, dass ich kein Fan der Nordsee bin – der Ostsee im Übrigen auch nicht. Daraufhin wurde er richtig stinkig und fing an, über Griechenland zu lästern, nur weil ich einmal dort Urlaub gemacht habe. Ich nickte bloß, weil ich begriff, dass es sich nicht lohnt, über Urlaubsziele zu streiten. Man kommt ohnehin nicht auf einen Nenner.

Mein ganz persönlicher Nord- und Ostsee-Blues

Nun werde ich allerdings hin und wieder von Werbeagenturen kontaktiert, die sich nette Artikel über Urlaub an der Nord-/Ostsee wünschen. Das kann ich nicht ablehnen, schließlich verdiene ich so meinen Lebensunterhalt. Also versuche ich mich zurückzuerinnern an meine bisherigen Urlaube an der Nordsee, an der deutschen und an der polnischen Ostsee, auf Usedom, Rügen und Spiekeroog. Aber außer dem Wort Langeweile fällt mir dazu nichts ein.

Dabei geht es mir weniger um die möglichen Aktivitäten vor Ort als um die das Landschaftsbild. Vergleichst du sie mit den norwegischen Fjorden, den irischen Cliffs of Moher inklusive Burgruinen am Meer, den schottischen Highlands, die direkt am Meer beginnen, den Ausläufern der andalusischen Sierra Nevada, ebenfalls in Meeresnähe, wird dir auf Anhieb klar: Es gibt keinen Vergleich.

Also gehe ich zur Online-Recherche über: Womit werben die einschlägigen Ferienziele an Nord- und Ostsee denn selbst? -Mit Sandstränden und viel frischer Luft. Ja, das trifft’s. Zugegeben, das ist auch sehr… beruhigend. Für ein bis zwei Tage. Doch wie halten es Leute dort eine ganze Woche aus – oder sogar noch länger – ohne vor Langeweile zu sterben?

Zu DDR-Zeiten mag es ja noch ganz amüsant gewesen sein, als die Leute nackt Volleyball am Strand spielten. Aber jetzt?

Wer Urlaub an Nord- und Ostsee liebt, hat entweder keinen Sinn für Ästhetik oder kennt die Welt nicht, denke ich. Auf meinen Bekannten trifft das zu. Er ist tatsächlich noch nicht viel herumgekommen. Na, immerhin Griechenland hat er gesehen, fand die vielen Olivenbäume jedoch genauso langweilig wie ich die endlosen Dünen an der Nordsee.

ostsee mit kindern

Alles, bloß nicht abwechslungsreich:

Meine Top-4-Gründe für einen eintönigen Familienurlaub 😉

1 – Du bist zu langsam, Alter!

Selbst wenn ich im Herbst für die folgenden Sommerferien einen Urlaub buchen will, heißt es oft: Leider sind wir schon voll! Manchmal sind die Leute geradezu rätselhaft schnell. Letztes Jahr wurde uns ein vielversprechender Katalog für Familienreisen zugeschickt, allesamt sensationell: Zirkusferien, Bulli-Tour, Surfkurs an der Atlantikküste,… Wir brauchten nicht einmal eine Woche Bedenkzeit, bevor wir uns entschieden haben. -Schon waren alle Ferienhäuser, -wohnungen, Touren und Hotels belegt.

Bei Flugtickets verhält es sich ähnlich. Bist du nicht früh genug am Drücker, musst du ordentlich draufzahlen, wenn du überhaupt noch Plätze für die ganze Familie ergatterst.

Da die oben erwähnten coolen Reiseziele nicht mehr verfügbar waren, fiel uns nichts Besseres ein, als den Sommerurlaub auf dem Bauernhof zu verbringen. Obwohl ich – meiner Meinung nach – kurz vor Weihnachten schon recht früh dran war, waren im Zeitraum der Sommerferien nur noch die teuersten Bauernhöfe übrig. Für den gleichen Preis, der uns letztes Jahr zwei Wochen Luxusapartment in Griechenland ermöglichte, fahren wir dieses Jahr also eine Woche nach Bayern. Zum Ponyreiten.

Ganz ehrlich? Ich kann die Leute verstehen, die ihre Kinder in der Schule krankmelden und dann außerhalb der Saison verreisen…

2 – Dir fällt nichts Besseres ein

Sonderlich kreativ war ich mit meinem Bauernhofurlaub in Bayern nicht. Leider verursacht der Familienurlaub weder bei meinem Mann noch bei mir große Gefühle der Vorfreude. Deshalb gleicht die Buchung dann auch einer Hauruckaktion: Dieses Wochenende will ich den Mist von der To-Do-Liste streichen. Urlaub: Check!

Was fällt dir also ein, wenn du mal nicht in den Urlaub fliegen willst?: -Richtig, Nord-/Ostsee oder Alpen.

Dass Deutschland sehr viel mehr zu bieten hat, kommt dir im entscheidenden Augenblick überhaupt nicht in den Sinn. Ein Roadtrip durch die Heimat wäre sogar für uns Eltern lehrreich gewesen. Spannender als Ponyreiten in Bayern auf jeden Fall. (Wobei ich Bayern echt nicht abwerten möchte: Interessanter als Nord-/Ostsee ist es allemale!)

3 – Du willst nichts organisieren

Wer etwas erleben will, muss seinen Urlaub planen. Welche Sehenswürdigkeiten gibt es wo, und wie sind sie zu erreichen? In welchen Etappen besichtige ich was? Kein Wunder, dass es so viele Fans von All-Inclusive-Hotels gibt, wo man bei Bedarf als Busladung an irgendeinen Ort der Welt gekarrt wird. Die meisten sind wahrscheinlich zu blöd zu faul, sich um einen Mietwagen zu kümmern, denn das würde erfordern, mit den Einheimischen zu kommunizieren. Das erwünschte Ziel muss man dann auch noch selbst erreichen (was ein Studium des Kartenmaterials nach sich zieht, wenn man sich teure Roaming-Gebühren für Google-Maps ersparen will).

Ein spannender Urlaub kann stressig werden, wenn du ihn selbst organisieren musst. Vom täglichen Motivieren deiner Kinder mal ganz abgesehen… Hinzu kommt, dass die Meinungen auch darüber auseinandergehen, was einen erholsamen Urlaub ausmacht. Die einen brauchen täglich Action. Die anderen können es gar nicht erwarten, sich täglich ausgiebig zu langweilen 😉

4 – Deine Kinder verweigern sich

Da möchte man stundenlang durch Paris schlendern und schon nach einer halben Stunde klagen die Kleinen über angebliche Blasen an den Füßen und lehnen jeden Museumsbesuch kategorisch ab. Ins Restaurant traust du dich erst gar nicht, weil die Gäste immer so komisch reagieren, wenn die Kids nicht mucksmäuschenstill auf ihren Stühlchen sitzen. Auf Kultur musst du wohl verzichten, bis die Kinder größer geworden oder bestenfalls ganz ausgezogen sind.

Wenn es nach meinen Kindern geht, genügt ein Urlaubsziel ihren Ansprüchen völlig, wenn es durchgehend heiß und sonnig ist, so dass sie täglich stundenlang schwimmen gehen können. Wenn es am Ende des Tages auch noch etwas Leckeres zu essen gibt, sind sie die zufriedensten kleinen Menschen auf der ganzen Welt. Nein, spannend ist das nicht. Eher das Gegenteil davon. Mittlerweile kann ich verstehen, dass es so viele Familien jedes Jahr an Nord- und Ostsee zieht, wenngleich ich mich frage, wo deren Kinder baden gehen. Mit Neoprenanzug im Meer? Na ja, besser als zu Hause zu bleiben, ist es auf jeden Fall!

Wo machst du Urlaub? Und warum?

LG Anne!!!



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2 Antworten

  1. Patrick sagt:

    Hallo Anne,

    Wir machen Urlaub, um was anderes von der Welt zu sehen, uns an tollen Landschaften zu ergötzen sowie Land und Leute kennenzulernen. Erholung gehört für uns gleichermaßen zum Urlaub wie das Kulturprogramm.

    Mit unseren Kindern nehmen wir uns genug Zeit, dass alle auf ihre Kosten kommen. Meine Frau Evelin ist eher der Typ fürs Kennenlernen anderer Menschen und Kulturen sowie für Bade- und Erholungsurlaub. Ich will einfach nur sehen, wie reichhaltig und vielfältig unsere Erde ist.

    Unsere Kinder genießen es, mit uns zu reisen, egal wohin. Egal ob es nun die Ostsee ist oder Ägypten. 😉

    Liebe Grüße
    Patrick

    • Anne sagt:

      Stimmt, Kinder freuen sich aufs Verreisen, egal welches Ziel angesteuert wird. Mir ging es auch nicht darum, zu sagen, man muss ganz weit weg fahren, um etwas zu erleben. Mich wundert lediglich der anhaltende Nord- und Ostsee-Hype. Viele fahren ja jedes Jahr hin. Da frage ich mich halt, was die daran reizt. Ich habe mich spätestens nach zwei Tagen sattgesehen. Keine Ahnung, warum, aber ich bin der Meinung, ein Urlaub muss auch was fürs Auge sein, ein ästhetischer Tapetenwechsel 😉
      LG Anne

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