Die Macht des digitalen Babysitters

Was & wie lange eigentlich? Die Mediennutzung von Kindern bleibt umstritten

Wird über die jüngste Generation berichtet, schwingt stets Besorgnis mit: Sie verbringe einfach zu viel Zeit am Smartphone. Während Kinder und Jugendliche stundenlang in sozialen Netzwerken surfen, um ihre Posts mit denen der anderen zu vergleichen, vereinsamen sie mehr und mehr, werden unsicherer und in Folge dessen möglicherweise sogar depressiv.

Insbesondere Mädchen seien davon betroffen, da sie mehr noch als die Jungs ihr äußeres Erscheinungsbild dazu nutzen, gesellschaftlich anerkannt zu werden. So sind es auch zahlenmäßig mehr Mädchen und Frauen, die zum Beispiel Selfies auf Facebook und Instagram posten, um Wertschätzung in Form von Likes zu erhalten.

Jungs seien jedoch keineswegs aus dem Schneider, wenn es um eine problematische Mediennutzung geht. Schließlich spielten sie viel zu lange viel zu brutale Computerspiele. Die Spiele selbst hätten zwar auch gute Seiten, doch sei hier die Gefahr groß, spielsüchtig zu werden. Außerdem veränderten sie das Gehirn – selbstverständlich zum Negativen.

Psychisch krank dank sozialer Medien?

Ob Jugendliche über soziale Medien kommunizieren, Onlinespiele zocken oder einfach YouTube-Videos anschauen, ihnen sei geschlechterübergreifend gemein, dass sie zu viel Zeit in der digitalen Welt verbringen, deshalb körperlich inaktiv sind und immer weniger Schlaf bekommen. Die zunehmende Bildschirmzeit gehe zudem auf Kosten echter sozialer Beziehungen und damit zulasten der psychischen Gesundheit.

Das zumindest behauptet die Psychologin Jean Twenge und mit ihr noch viele weitere Medienkritiker. Ihre Liste der schädlichen Auswirkungen des Medienkonsums ist lang.

Die „Generation Smartphone“ entwickele sich langsamer als andere Generationen vor ihr. Ob sie überhaupt jemals lebensfähig sein werde, wird bezweifelt. Zumindest liest man das so zwischen den Zeilen – und bekommt Angst, wenn man selbst Kinder hat.

Getrieben von einer unendlichen Flut an Ratgebern sind Generationen überbesorgter Eltern herangewachsen, die ihre Kinder vor allen Gefahren des Lebens schützen wollen, weil sie Angst haben, durch Versäumnisse schuld zu sein an deren zukünftigem Scheitern.

Jan Kalbitzer, sz.de

Die Verunsicherung bei den Eltern ist groß

Die Verunsicherung der Eltern spiegelt sich vor allem darin wider, wie die Bildschirmzeiten der Kinder reglementiert werden. Die einen sind wahre Smartphone-Verächter und verbieten ihren Kindern die neue Technologie so lange wie nur irgend möglich. Andere versuchen die Nutzung des Smartphones zu begrenzen oder den Zugang zu bestimmten sozialen Medien zu blockieren. Wieder andere betrachten das Smartphone ihrer Kinder ganz pragmatisch als ein Überwachungsinstrument, über das sie schnell herausfinden können, wo sich der Nachwuchs gerade aufhält (per Handy-Ortung wie über https://whatsapphacken.de/wie-kann-ich-das-handy-vom-sohn-per-handynummer-orten/) oder was er so treibt, indem sie selbst in sozialen Netzwerken mitlesen.

Die meisten Eltern werden jedoch zugeben müssen, dass sie den Erstkontakt zum Handy oder Tablet selbst hergestellt haben: Als digitale Babysitter haben die neuen Endgeräte dem Fernseher längst den Rang abgelaufen. Kinder ruhigzustellen war nie einfacher.

Wer beherrscht schon das 1×1 der Medienerziehung?

Die wenigsten Mütter und Väter versuchen allerdings, ihren Kindern den richtigen Umgang mit dem Smartphone und diverser Apps beizubringen. Vermutlich weil sie es angesichts widersprüchlicher Studien und Expertenberichte selbst nicht wissen.

Da Medien so viel Raum in unserem Leben einnehmen, wäre es mit Sicherheit von Vorteil, sich wenigstens ansatzweise mit ihnen auseinanderzusetzen. Dafür muss man kein Medienexperte sein. Es reicht ja schon, nach Alternativen zum Herkömmlichen zu suchen. So bietet YouTube auch eine App-Version namens YouTube Kids an, die kindersichere Videos verspricht. Auch bei anderen Apps für Kinder lohnt es sich, vorm Besuch des App-Stores zu recherchieren, ob sie den Ansprüchen des Kindes gerecht werden. Auf Webseiten wie dem Deutschen Jugendinstitut werden Kinder-Apps nach Kriterien wie Benutzerfreundlichekeit und Datenschutz bewertet und bieten Eltern einen guten Überblick.

Sind die Kinder schon größer und wollen selbst bestimmen, welche medialen Inhalte sie konsumieren, kann man sie zumindest anregen, darüber zu reflektieren, wie sich ebenjene Inhalte auf ihr Leben auswirken. Man könnte zum Beispiel der Frage nachgehen, wie es soziale Netzwerke schaffen, die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer immer wieder auf sich zu lenken. Oder weshalb wir bestimmte Youtuber abonniert haben und ob sich dahinter vielleicht sogar ein Geschäftsmodell verbirgt? Inwiefern uns das Internet dabei hilft, uns mit Gleichgesinnten zu vernetzen und an politischen Prozessen teilzuhaben? Und und und.


Wir leben in einer digitalen Welt – und das macht auch vor unseren Kindern nicht halt. Im Gegenteil, sie werden wahrscheinlich die Zukunft des Internets mitgestalten. Um darauf vorbereitet zu sein, müssen sie sich mit digitalen Medien beschäftigen. Eltern können sie dabei unterstützen – notfalls auch, indem sie einer ausufernden Mediennutzung Einhalt gebieten, um wieder eine Brücke zur analogen Welt zu schlagen. Diese kann nämlich auch dem jungen Menschen noch Dinge bieten, die er im Digitalen nicht findet: Unternehmungen mit Freunden zum Beispiel.

LG Anne!!!

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