Meine Heldin

Beitrag zur Blogparade „Es war einmal die Lernlust“ von Bob Blume

3333259091_9cf2ff6a51_m_teacherGerade bin ich auf die o.g. Blogparade von Bob Blume gestoßen. Hierzu muss ich einfach mal schnell einen Kommentar loswerden, denn zur Schule bin ich natürlich auch gegangen – mit gemischten Gefühlen…

Goldene Grundschulzeit… seufz

Als ich eingeschult wurde, brachte ich eine fast überbordende Lernlust mit, die von meiner Lehrerin noch angeheizt wurde. Frau E. war von Klasse 1-4 meine Klassenlehrerin, also die gesamte Grundschulzeit über. Sie avancierte zu meiner persönlichen Heldin.

Im Nachhinein wundert es mich, dass meine Eltern so stoisch auf ihre Konkurrentin reagiert haben. Schließlich kam ich fast jeden Tag mit einer besserwisserischen Anekdote nach Hause: „Frau E. hat dies erzählt… Frau E. hat das so erklärt… Nein, das stimmt nicht, denn Frau E. hat gesagt, das geht so und so…“

Genau erklären kann ich dieses Phänomen nicht. Wahrscheinlich machte Frau E. ihren Job einfach gern und strahlte das auch aus. Außerdem mochte sie Kinder, was man nicht von jedem Lehrer behaupten konnte. Authentisch war sie auch, also unverstellt und ehrlich. Und sie war eine Geschichtenerzählerin. Da ich gerne zuhöre, liebe ich Geschichtenerzählertypen. Sie verfügen über die Fähigkeit – so kitschig das jetzt auch klingt – den Zauber im Alltäglichen zu entdecken und so zu beschreiben, dass das Alltägliche tatsächlich zauberhaft wird.

Wie auch immer, die Grundschulzeit ging zu Ende und damit auch meine Lernlust. Eine Lehrerin wie Frau E. habe ich seither nie wieder gehabt. Schlecht waren die Lehrer auf dem Gymnasium nicht, aber sie konnten eben nicht zaubern wie Frau E.

Die Schule wurde mir verhasst

Bald versiegte mein Lern-Enthusiasmus völlig. Die Schule wurde mir verhasst. Nahezu alle Lerninhalte kamen mir absolut sinnlos vor. Wozu dies? Weshalb das? -Weil’s im Lehrplan steht. -Ahaaa. Noch ärgerlicher aber war die Tatsache, dass man nicht intelligent sein musste, um gute Noten zu schreiben, sondern fleißig. Ich muss zugeben, dass ein wenig von diesem Hass noch in mir nachhallt.

William Deresiewicz schreibt in seinem Buch „Excellent Sheep: The Miseducation of the American Elite and the Way to a Meaningful Life“, dass Studenten besser zum Denken befähigt werden sollten, anstatt wahllos Lehrstoffe in sich reinzustopfen, die sie natürlich nicht infrage stellen. Deresiewicz wurde als Träumer bezeichnet, seine Thesen gelten als veraltet und nicht vereinbar mit dem heutigen Lebensstil. Es kommt schließlich nicht aufs Zweifeln an, sondern auf das Bestehen auf dem Arbeitsmarkt.

So ein kleiner Deresiewicz steckte zu Schulzeiten aber auch in mir. Ich habe das Pauken verachtet und dauerhaft gezweifelt. Gebracht hat es nichts.

Mein Sohn tut mir unheimlich leid, dass er in diese Institution namens Schule gehen muss. Leider hat er keine Frau E., sondern eine nette alte Dame, die großen Wert auf Schönschrift legt. Letztens hockte er über seinen Hausaufgaben und murmelte: „Ich möchte lieber sterben, als in die Schule zu gehen.“ Ja, er hat einen Hang zur Theatralik.

Ob Waldorf eine Alternative wäre? -Hat jemand von euch Erfahrungen gesammelt?

Wenn mich etwas interessierte, habe ich es außerhalb der Schule gelernt. Entweder habe ich es mir selbst beigebracht oder ich habe mich für private Kurse und Vereine angemeldet. Dabei kam sie wieder zum Vorschein, die alte Lust am Lernen.

So ist es auch heute noch, zum Beispiel mit dem Bloggen, dem Online Marketing, neuen Sportarten und und und. Der Dokumentarfilm „Alphabet“ hat mir übrigens sehr aus der Seele gesprochen. Hier geht es teilweise auch um die Lust am Lernen. Der Film kritisiert unser Bildungssystem und stellt Alternativen vor.


Auf Twitter ist es daraufhin zu einer Diskussion über die Waldorfpädagogik gekommen.

Die eingebundenen Tweets geben euch einen kleinen Einblick:

Photo by George Eastman House

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10 Responses

  1. Ich selber war von der 8. Klasse bis zum Abi an der Waldorfschule und es war das Beste was mir schulisch gesehen passiert ist.
    Die Waldorfpädagogik ist vorallem etwas für Kinder, die gerne kreativ sind und einfach nicht in das starre System der Regelschule passen.
    Da man von der 1. bis einschließlich 8. Klasse den selben Lehrer hat, kennt der seine Schüler sehr genau und kann sie meist sehr exakt einschätzen. Der Epochenunterricht ermöglicht es einem sich intensiv mit einem neuen Lernstoff auseinander zu setzten ohne den Druck zu haben gleichzeitig noch für 5 andere wichtige Fächer lernen zu müssen. Das fand ich sehr angenehm. Außerdem bot das dem Lehrer sich nach dem schwächsten Schüler zu richten und notfalls nicht verstandenen Stoff nochmal genauer zu erklären. Überhaupt sahen die Lehrer vieles entspannter als an der Regelschule, weil sie einem Zeit zum entwickeln gaben. So entscheidet man ja erst ab der 9. Klasse welchen Abschluss man anstrebt. Bei uns war es möglich ab der 9. Klasse einen Realschulabschluss anzustreben. Genauso konnte man den aber auch erst nach der 12. Klasse machen oder eben nach dem Realschulabschluss weiter machen und das Abitur ablegen. Und eigentlich hat jeder, der sich für das Abi entschied es auch bestanden (in meinem Jahrgang ist keiner durchgefallen z.B.).
    Es gibt aber auch durchaus Schüler, die sich nicht genug gefordert fühlen und dann auf die Regelschule gewechselt habe, aber das war dann eben auch die Entscheidung des Schülers und nicht von den Eltern oder den Lehrern.
    Man muss als Eltern sich halt mit der Waldorfpädagogik vertraut machen und dahinter stehen. Eurythmie und solche Dinge gehören eben dazu, auch wenn man als „Waldi“ damit immer verarscht wird.
    So lange meine Tochter später mal nicht super ehrgeizig ist und schon in der 1. Klasse den festgeschriebenen Lebensplan hat, ist die Waldorfschule meine 1. Wahl für sie.

    PS: leider kann es natürlich auch an einer Waldorfschule bescheuerte Lehrer geben. Am besten hingehen und anschauen, meist ist einmal im Quartal an einem Samstag Unterricht, der dann besucht werden kann.

    • Anne sagt:

      Wow. Ich danke dir für deinen detaillierten Einblick! Bislang habe ich mich noch gar nicht mit der Waldorf-Pädagogik auseinandergesetzt, weil ich einfach alle Schulen ausgeschlossen haben, die Geld kosten. Muss man eigentlich reich sein, um sein Kind auf eine Waldorfschule zu schicken?
      Soweit ich weiß, gibt es auf Waldorfschulen keine Noten – stimmt’s?
      Das wäre für mich der größte Anreiz, mein Kind auf eine solche Schule zu schicken. Denn Noten können in meinen Augen nicht wirklich die Leistung eines Kindes abbilden. Lehrer sind auch nur Menschen, urteilen also nicht 100%ig objektiv. Ein Kind kann auch mal einen schlechten Tag haben – oder ist schlicht faul. All das kann man jedoch von einem Zeugnis nicht ablesen.
      LG Anne!!!

  2. Nein Noten gab es nicht. Natürlich kriegt man trotzdem ein Feedback, wo das Kind steht, aber eben viel ausführlicher.

    Die Kosten werden an Hand des Einkommens der Eltern errechnet. Wie genau weiß ich leider nicht.

  3. Vadder sagt:

    Ich sehe Waldorfschulen insgesamt eher kritisch und denke, das man es sich sehr genau überlegen sollte, ob so eine Schule wirklich das richtige für Kinder ist. Warum ich das so sehe habe ich in meinem eigenem Blog geschrieben, weil es die Kommentarspalte wohl etwas sprengen würde:

    http://vadders-blog.de/sind-waldorfschulen-die-besseren-schulen

    • Anne sagt:

      Siehst du, all das wusste ich gar nicht! Ich danke dir deshalb ganz herzlich für den Einblick in die Waldorfpädagogik.
      Ich hätte nie angezweifelt, dass die Lehrer an Waldorfschulen die gleiche Ausbildung haben wie die Lehrer an staatlichen Schulen. Dass Waldorf esoterisch ist, wusste ich auch nicht.
      Insofern kommt Waldorf als Alternative zur normalen Schule wohl doch nicht in Betracht. Schade. ich dachte, Waldorf wäre das „Allheilmittel“, wenn man unzufrieden ist mit Leistungsdruck und Noten.
      Nun ja, dann muss ich wohl noch weiter recherchieren, welche Bildungskonzepte es noch gibt…
      LG Anne

  4. Ostseemama sagt:

    Ich habe mit dem Thema zum Glück noch ein wenig Zeit, aber wenn ich die staatlichen Schulen hier bei mir sehe, würde ich den Zwerg am liebsten zu Hause unterrichten. Aber das geht ja nicht.
    Bei der Walddorfschule habe ich durch meinen Bruder aber schon einen guten Einblick. Er wechselte von der 3 in die 4 . Klasse von der staatlichen auf die Walddorfschule. Und es tat ihm gut. Gerade weil er für manches länger braucht um es zu verstehen. Dort wird sich für die Schüler auch Zeit genommen. Haben sie etwas nicht verstanden werden extra Übstunden genutzt um das zu festigen. Ohne Schulbücher und alles war es am Anfang ungewohnt. Auch das viele Handwerkliche war eine Umstellung. Häkeln, stricken, malen und Co. waren bis dahin nichts, was er gern machte. Aber mittlerweile hat er Spaß daran. Er ist nun 5. Klasse und macht sich dort sehr gut.
    Da es aber eine „Sonderpädagogik“ ist, sollte man das ein wenig verstehen können. Aber man muss es nicht. Bis er auf die Schule ging, hatte sich keiner in der Familie mit der Thematik auseinander gesetzt. Am Ende waren aber alle beteiligten zufrieden mit der Entscheidung.
    ich persönlich finde es recht gut, das die Kinder solange einen Lehrer haben, da sie so die Stärken und Schwächen besser einschätzen können und besser auf die Schüler eingehen können. Auf welcher Staatlichen Schule ist das schon so. Da ist es ja oft eher der Fall, wenn man nicht mitkommt hat man Pech gehabt. Das ist hier halt nicht der Fall.

    Daher wird diese Schulform für mich am Ende vielleicht auch in betracht gezogen. Mal schauen.

  5. Anne sagt:

    Ich danke dir, dass du deine Erfahrungen bzw. die deines Bruders mit mir teilst!
    Ich denke, ich werde demnächst intensiv recherchieren und selbst mal einen Artikel über die Waldorf-Pädagogik verfassen, denn das Thema ist spannend und interessiert mich selbst brennend. Vielleicht spreche ich dich dann noch mal drauf an!
    Dass das Handwerkliche in den Fokus rückt, habe ich auch mal gehört. Es stimmt also?! Finde ich gut. Sehr gut sogar. Denn ich bin der Meinung, dass die Welt „begriffen“ werden muss – so lernt man doch. Nicht nur durch bloße Theorie.
    LG Anne

    • Ostseemama sagt:

      Ja es ist am Ende ein wirklich großes Thema, mit dem man sich vorher wirklich gut auseinandersetzen sollte.
      Das mit dem Handwerklichen finde ich auch gut. Welches Kind kann schon sagen, das es sowas mal gelernt hat 🙂
      Darfst dann auch gern nochmal auf mich zu kommen, bin da ja noch ganz gut drin im Thema 🙂
      LG Jessy

  1. 1. Februar 2015

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  2. 25. Februar 2015

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