Die Schattenseiten der Selbstständigkeit

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Mit dem Bloggen Geld verdienen, eBooks verkaufen, Online-Kurse anbieten oder als Social-Media-BeraterIn arbeiten: Die Freiberuflichkeit boomt derzeit und wird zum Beispiel auf Pinterest stark beworben. Tipps, um als „Freelancer richtig durchzustarten“, findest du dort wie Sand am Meer. Dass die Selbstständigkeit auch Schattenseiten hat, wird allerdings gerne verschwiegen.

Sind deine Zweifel an der Selbstständigkeit berechtigt?

Kind, mach doch noch eine Ausbildung. In der Verwaltung suchen sie noch und die Bezahlung ist gut. Autsch, da war er wieder, der unterschwellige Hinweis, die Selbstständigkeit aufzugeben und mir eine „richtige“ Arbeit zu suchen. Und ja, nachdem ich seit zwei Wochen keine guten Aufträge mehr bekommen habe, verfehlt ein solcher Satz kaum seine Wirkung: Wer weiß, vielleicht sollte ich doch endlich ins Angestelltenverhältnis wechseln – schon wegen des Geldes…

Wer kennt sie nicht, die Zweifel an der Berufswahl oder nur am derzeitigen Job? -Bei mir keimen sie regelmäßig auf, obwohl ich eigentlich zufrieden bin. Klar, es könnte besser laufen. Und zugegeben, manchmal kommt auch Frust auf. Drum seien sie an dieser Stelle genannt, die Abturner, die die freiberufliche Arbeit mit sich bringt:

Nachteile der Selbstständigkeit

(in meinem Fall als Online-Redakteurin)

1. Geringer Verdienst

Okay, das kann von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein und kommt auch darauf an, wie engagiert du bist, wie viel Zeit du für deine freiberufliche Tätigkeit aufbringen kannst und vor allem >>ob du wirklich gut bist in dem, was du tust<<. Ein Quäntchen Glück darf nicht fehlen und selbstverständlich benötigst du auch einen Riecher für aktuelle Trends. Doch egal wie gut du dich anstellst, deine Einnahmen werden geringer ausfallen als das Einstiegsgehalt im Angestelltenverhältnis eines gleichwertigen Jobs.

2. Steuern, Krankenkasse, Rechnungslegung, Buchhaltung

Alles, was im Angestelltenverhältnis automatisch abläuft (weil es dafür eine extra Abteilung im Unternehmen gibt), musst du als Freiberufler selbst in die Hand nehmen. Gliederst du es aus an Steuerberater oder externe Buchhalter, so frisst das deinen Gewinn auf. Doch auch ohne eine solche Auslagerung von ungeliebten Tätigkeiten ist die Selbstständigkeit teuer, was weniger an den Steuern liegt als an der Krankenkasse:

Die legt für ihre Beitragsbemessung nämlich ein Mindesteinkommen zugrunde, das bei stolzen 2.231,25 Euro für hauptberuflich Selbstständige liegt. -Unabhängig davon, wie wenig du wirklich verdienst, darfst du monatlich mindestens 300 Euro allein für Krankenkassenbeiträge abdrücken. Bleibt zu hoffen, dass du als Freiberufler in der Künstlersozialkasse unterkommst oder dich familienversichern lassen kannst…

Nicht nur die Krankenkasse bereitet Kopfzerbrechen. Um Renten- und Pflegeversicherung musst du dich ebenfalls selber kümmern.

Was deine Steuern anbelangt, so erfährst du oft erst mit der jährlichen Steuererklärung, wie viel du nachzahlen musst. Um gewappnet zu sein, empfiehlt es sich, monatlich einen bestimmten Betrag auf ein Extra-Konto zurückzulegen.

Zu guter Letzt sei an die schwache Zahlungsmoral erinnert, die in einigen Branchen vorherrscht. Ich selbst wurde zwar noch nicht mit Zahlungsausfällen konfrontiert, muss aber immer wieder „vergesslichen“ Kunden hinterherlaufen, die erst mit großer Verspätung ihre Rechnungen begleichen. Ärgerlich.

3. fehlende Anerkennung

Mein Liebling unter den Nachteilen des Freiberufler-Daseins, seufz. Selbst wenn du folgende Kommentare nicht zu hören bekommst: Aha, du arbeitest von zu Hause aus? Und was machst du da?? Und damit verdient man Geld??? -Also, das könnt‘ ich ja nicht. Nää, da würde ich ja alles tun, bloß nicht arbeiten!

…so ist dir klar, als Homeoffice-Mensch hast du einen schlechten Stand. Eigentlich kannst du dich auch gleich „Hausfrau“ nennen, das erspart dir zumindest die Fragen.

In all den Jahren der Freiberuflichkeit, die hinter mir liegen, habe ich den Eindruck gewonnen, dass es eigentlich völlig egal ist, welcher beruflichen Tätigkeit du nachgehst. Solange du frühmorgens aufstehst, ins Auto springst und zu irgendeinem Büro fährst, bist du ein unbescholtener Arbeitnehmer – und eben als solcher anerkannt. Bleibst du zu Hause, bist du arbeitslos. Oder du kommst wahlweise in Erklärungsnöte, weil du dezidiert darstellen musst, womit du dich eigentlich den ganzen Tag beschäftigst.

Das kann schon demotivieren, ein Punkt, den ich eigentlich noch extra aufführen könnte. Motivieren musst du dich als Freiberufler nämlich selbst. Es gibt keinen Chef, der dir anerkennend auf die Schulter klopft, aber immerhin öfter nette Kunden, die das übernehmen 😉

4. Eigenverantwortung

Oh, das ist ein ganz bedeutender Punkt, den ich zu Beginn meiner Selbstständigkeit nicht ausreichend berücksichtigt habe. Gerade wenn du „was mit Medien“ machst, zum Beispiel Inhalte veröffentlichst oder in einem Onlineshop Waren verkaufst, dann bist du für deine Arbeit verantwortlich und kannst dafür haftbar gemacht werden.

Sorgfältig zu arbeiten, bedeutet bei Freiberuflern also nicht nur, ordentlich zu sein, sondern auch die Gesetzeslage im Blick zu behalten. Sonst drohen u.U. teure Abmahnungen, Anzeigen oder sogar Anklagen. Verbloggt habe ich diesen eklatanten Makel der Selbstständigkeit hier>>

Weil sich gerade in Bezug aufs Internet (Datenschutz, Urheberrechte usw.) die Rechtslage ständig ändert, ist es alles andere als leicht, immer auf dem Laufenden zu sein. Eine professionelle Rechtsberatung wiederum kostet Geld. Also AGB und Widerrufsbelehrung selber schreiben? Hach, die Katze beißt sich in den Schwanz…


Freiberufler sind weitestgehend schutzlos

Ich möchte ehrlich sein, die vier genannten Nachteile der freiberuflichen Arbeit sind lediglich die erstbesten, die mir eingefallen sind. Vermutlich gibt es noch viele weitere. Meine Schwiegermutter bspw. bemitleidet mich um meine mangelnden sozialen Kontakte. Schließlich habe ich keine Kollegen. Ich jedoch begrüße diesen Umstand. Das ist halt typabhängig.

Nicht zu vergessen die vielen Arbeitnehmer, die in die Freiberuflichkeit gezwungen werden, weil niemand sie fest anstellen will. Gerade in der Medienbranche erfreut sich das Arbeiten auf Honorarbasis großer Beliebtheit – auf der Arbeitgeberseite. Schließlich muss der sich um nichts kümmern. Und will er seinen Mitarbeiter nicht weiter beschäftigen, so muss er ihn nicht einmal kündigen. Es genügt, ihm keine weiteren Aufträge mehr zu geben.

Vorteile der Selbstständigkeit? -Es gibt nur einen…

Trotz der oben genannten Schwierigkeiten und Schattenseiten arbeite ich freiberuflich. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass das alles ja nicht so schlimm sei. So einfach gestaltet sich die Argumentation aber nicht. Im Gegenteil, diese Nachteile wiegen sogar so schwer, dass ich immer wieder an meiner Berufswahl zweifle.

Und doch gibt es einen entscheidenden Vorteil der Selbstständigkeit, der mich immer wieder von meinen Zweifeln befreit:

Angestellt zu arbeiten, ist einfach 1000 mal schlimmer.


Ich brauche überhaupt kein Plädoyer für die Selbstständigkeit zu schreiben, wenn ich mir klarmache, wie furchtbar es ist, angestellt zu sein:

  • zunächst der Kampf um den Arbeitsplatz: zig Bewerbungen schreiben, dich durch Assessment Center quälen, Vorstellungsgespräche absolvieren, um dann doch abgelehnt zu werden – oder erstmal zum Probearbeiten eingeladen zu werden – unentgeltlich, versteht sich
  • befristete Arbeitsverträge, Zeitarbeit, generell prekäre Beschäftigungsverhältnisse
  • anspruchslose Aufgaben, die deinen Geist peu à peu degenerieren – oder im Gegensatz
  • zu anspruchsvolle Aufgaben, die dich überfordern
  • zu viel Arbeit, die du in deiner regulären Arbeitszeit nicht schaffst
  • wenn du dich unwohl fühlst, musst du dich krankmelden und brauchst dafür eine Bescheinigung vom Arzt
  • wenn du Urlaub willst, musst du erst welchen beantragen (spontan Tennis spielen, weil das Wetter schön ist? -Nicht als Angestellter.)
  • du kannst nicht früher das Büro verlassen, obwohl du all deine Arbeiten bereits erledigt hast, denn im Arbeitsvertrag ist die Anzahl der Stunden, die du absitzen musst, genau festgelegt
  • dein Gehalt ist i.d.R. nicht leistungsabhängig
  • u.U. erlebst du den Supergau und hast sowohl unsympathische Kollegen als auch unfähige Chefs

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Fast alle der genannten Punkte lassen sich als Mangel an Flexibilität deuten. In meinen Augen bewegt man sich als Angestellter in einem festgesteckten Rahmen, der (zu) wenige Freiräume lässt. Dafür allerdings erhält man eine nicht unerhebliche finanzielle Entschädigung, den Lohn.

Das reicht mir nicht. Nicht nur deshalb arbeite ich freiberuflich. Im Grunde wusste ich schon immer, dass es für mich die einzige Art zu arbeiten ist. So richtig sicher war ich allerdings erst, nachdem ich mehrere Berufe ausprobiert hatte.

All jenen, die noch nicht so recht wissen, wohin sie ihr Berufsweg führen soll, empfehle ich genau das: Probieren, geht über studieren 😉

LG Anne!!!

Noch Fragen?

Krankenkassenbeiträge für Selbstständige im Überblick>>

Hafawo (Happy Work, Happy Life) für mehr Motivation bei der Arbeit>>

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Über Weiterempfehlungen freue ich mich!

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