Wie erzieht man Kinder antikommerziell?

„Der hauptsächliche Wandel der Kindheit im 20. Jahrhundert ist nicht der zur Reformpädagogik, sondern der zur kommerziellen Kindheit” (vgl. den Beitrag von Oelkers in „Erziehung in der Wohlstandsgesellschaft“, KAS)

 

Antikommerziell hört sich ein bisschen an wie antikapitalistisch. Das wiederum wird schnell mit einer extrem linken Einstellung assoziiert. Doch keine Angst, hier geht’s nicht um Politik, zumindest nicht vordergründig.

konsumkritische erziehung

Einmal im Jahr kann man ruhig den Kommerz zelebrieren: zu Weihnachten!

Die Blogparade von Baby-Duda, die nach der Bedeutung kommerzieller Weihnachtsgeschenke fragt, hat mich lediglich zum Nachdenken angeregt:

Natürlich gehören Geschenke zum Heiligabend, keine Frage! Wenn ich mir vorstelle, wie ich aus der Wäsche geschaut hätte, wenn meine Eltern damals gesagt hätten. „Schatz, dieses Jahr schenken wir uns mal nichts außer einer schönen Zeit zusammen.“… WTF???

Auch jetzt als Erwachsene würde ich es kränkend empfinden, keine Geschenke zu Weihnachten zu bekommen.  Weihnachten genießt demzufolge in meinen Augen einen Sonderstatus: Hier wird nicht nur viel Zeit zusammen verbracht und massig gegessen, sondern auch eine Menge Geld für Geschenke ausgegeben. Man schenkt sich ja sonst nichts.

Oder?

Ganz ehrlich, für die Kinder springt ja doch bei jedem Einkauf etwas raus: Hier mal ne kreischend pinke Zeitschrift, dort mal ein paar Päckchen neue Fußball-Sticker, Klamotten, die das Kind eigentlich nicht braucht, und natürlich Accessoires, um sich hübsch zu machen. Sohnemann findet sein Fahrrad alles andere als hip? -Na dann gibt’s halt ein Neues – Schickeres. Und so geht es immer weiter, das ganze Jahr hindurch.

Alles wollen sie haben – und ehe ich ewig herumdiskutiere und anschließend noch ein schlechtes Gewissen kriege, werden die Wünsche der Kinder erfüllt.

Eltern leben den Materialismus vor

Blöd nur, dass man damit einen nicht enden wollenden Kreislauf in Gang setzt, der den Titel trägt: Nichts ist genug, niemals! Die Zeitschrift und das Glitzerspielzeug landen in der Ecke und schon muss die nächste Aufmerksamkeit her. Die kleinen Plastikteile aus dem Playmobil-Adventskalender werden nicht einmal mehr aus der Folie befreit, da sind sie schon langweilig geworden! Selbst unangetastete Lego-Pakete finde ich immer wieder in Sohnemanns Zimmer: „Joa, baue ich noch zusammen – irgendwann.“ Oder nie.

Die Wertschätzung für ein Produkt bleibt völlig auf der Strecke.

Es ist schier unglaublich, wie schnell die Freude an einem Geschenk versiegt. Ausgepackt und schon vergessen. Denn das nächste folgt ja ohnehin sogleich. Das ist sie also, die Konsumgesellschaft at its best, wo Kinder nicht mehr Kinder sind, sondern schlicht Konsumenten. Beeinflusst von irgendeiner Marketingstrategie, die niedere Bedürfnisse anspricht.

Der Einfluss des Konsumwahns auf Kinder

Kein Kind wird mit dem Schrei nach Pampers, Playmobil oder Pokémon geboren. Ein Baby interessiert sich für Farben, Gegenstände und Bewegung, Etiketten sind ihm egal. Es grapscht nach dem Mobile genauso beherzt wie nach einem Sonnenstrahl, und erst viel später streckt es die Hand nach dem Geld seiner Eltern aus. (aus: „Erziehung in der Wohlstandsgesellschaft“, KAS)

Kinder sind eine beliebte Zielgruppe, Mütter & Väter übrigens auch. Doch wer durchschaut, dass er lediglich die Zielscheibe einer Marketingmaßnahme ist – und berichtet seinen Kinder davon? Wer von euch vermittelt Sohn und/oder Tochter, dass die Erfüllung ihrer Wünsche nicht zum Wohlbefinden beiträgt?


Warum ich mir den Kopf darüber zerbreche

Ich habe da so ein Negativbeispiel in der eigenen Verwandtschaft. Eine Kleinfamilie. Er ist Hauptverdiener, sie arbeitet in Teilzeit. Ihr Einkommen ist insgesamt durchschnittlich. Ihre Ausgaben allerdings sind extrem hoch: Das Haus in bester Lage, Design-Einbauküche, das Auto natürlich nicht irgendein Mittelklassewagen, sondern ein Mercedes, Berge von Markenklamotten und und und. Nichts davon bar bezahlt. Alles auf Kreditkarte.

Klar, das ist deren Sache und ich würde mir nicht anmaßen, sie zu kritisieren. Mich bewegt aber die Frage, wie man überhaupt so wird. Warum sind einige Menschen so statusgeil, dass sie sich derart überschulden? Und: Wie kann ich meine Kinder davor bewahren, selbst so zu werden?


Die nichtkommerzielle Erziehung: Gibt es sie überhaupt?

Geld macht nicht glücklich. Die meisten von uns können diesen Spruch bejahen – und dennoch leben wir unseren Kindern einen ausufernden Materialismus vor. Nicht nur mittels Einkäufen, sondern auch durch ein entsprechendes kommerzielles Freizeitangebot. Ohne es bewusst zu wollen. Zumindest geht es mir so.

Um mich schlau zu machen, wie man Kinder antikommerziell erzieht oder ihnen wenigstens eine unkommerzielle Einstellung vermittelt, bin ich bei Google tatsächlich auf 0 Treffer gestoßen. Hat sich denn wirklich noch niemand dazu geäußert – oder bin ich nur zu blöd zum Suchen?

Immerhin bin ich bei meiner Recherche auf die Filmrezension von „Captain Fantastic“ gestoßen. Nein, es handelt sich nicht um einen Super-Hero-Action-Film 😉 Es geht um eine Familie, die der Gesellschaft den Rücken gekehrt hat und nun völlig naturverbunden und allein in den Wäldern lebt.

Der komplette Gegenentwurf zur Wohlstandsgesellschaft ist nicht wirklich das, was ich mit einer nichtkommerziellen Einstellung meine, hüstel. Ich weiß meine Komfortzone zu schätzen und möchte sie ungern verlassen. Auch wenn ich den o.g. Film unbedingt sehen will, ein Kompromiss ist mir lieber. Anti-Materialismus light sozusagen. 😉

Die einzige Antwort darauf, die ich momentan finde, lautet: Weniger kaufen. Seltener materielle Wünsche erfüllen.

Das ist nicht gerade viel. Deshalb bin ich auf eure Kommentare angewiesen: Wie erzieht ihr eure Kinder weniger materialistisch?

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten. 🙂

LG Anne!!!

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