Ohne geht’s nicht mehr: Kinder und digitale Medien

digitale-medienNachdem unser iPad nach intensiven Jahren der Dauernutzung durch meinen Mann und meinen Sohn endlich den Geist aufgegeben hatte, haben wir uns kein neues Tablet angeschafft. Papa begnügt sich nun mit seinem Smartphone. Mich haben Spiele-Apps nie wirklich interessiert.

Sohnemann ist folglich der einzige, der den Verlust bedauert. Schon mit drei Jahren hat er „sein“ iPad zum Lieblingsspielzeug erklärt. Die meisten der Tablet-Funktionen hat sich das Kleinkind damals selbst beigebracht, im App-Store neue Spiele heruntergeladen und bei zu voller Festplatte wieder gelöscht. Am Ende beherrschte er das Gerät tatsächlich besser als wir Erwachsenen. Bei den digitalen Spielen konnten wir ihm ohnehin nie das Wasser reichen.

Nutzen Eltern Medien gern und oft, begeistert sich auch ihr Nachwuchs dafür

Unsere Tochter hingegen beachtete das Tablet überhaupt nicht. Wollte man ihr eine besonders gelungene Spiele-App zeigen, interessierte sie sich nie länger als eine halbe Stunde dafür. Dann legte sie das iPad freiwillig beiseite, um sich wieder der „analogen Welt“ zuzuwenden.

Offenbar haben sich unsere Kinder unbewusst nach ihren Vorbildern orientiert: Papa ist medienaffin – Sohnemann begeisterte sich folglich auch für alles Digitale. Mich hingegen beschäftigen Medien lediglich beruflich. Privat will ich nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Meine Tochter ebensowenig.

Für eines ist die Vierjährige allerdings immer zu haben: Fotos! Da ich nur noch mit meinem Smartphone fotografiere, hat sie schnell begriffen, dass man mit dem kleinen Ding nicht nur Fotos aufnehmen, sondern auch anschauen kann. Überlasse ich meiner Tochter mal mein Handy, portraitiert sie alles, was ihr vor die Linse kommt. Im seltensten Falle sind es Menschen.

Mit Spaß dabei: Oma und Enkelin probieren sich gemeinsam am Smartphone

Übrigens wurde auch Omas neues Smartphone schon in Beschlag genommen: Schließlich musste die Enkelin ihr zeigen, wie das geht mit dem Fotografieren. Nun braucht Oma uns nicht mehr um Enkel-Fotos zu bitten, sie kann sie selber schießen! Durch die Bildbearbeitung haben sich die beiden auch gemeinsam gefuchst. Gänzlich ohne App kann man auf Omas Smartphone nämlich Fotos zurechtschneiden, mit einem Filter verzerren oder mit Schrift versehen.

Dabei kompensieren sie gegenseitig ihre Schwächen: Immer wenn Oma zögert, weil sie glaubt, sie könne etwas „kaputtmachen“, drückt das Kind ganz ohne Scheu am liebsten alle Buttons. 😉

Ein Smartphone als Kinderspielzeug: okay oder unangemessen?

Das Resultat solcher „Handy-Spielereien“ besteht oft darin, dass entweder bei meinem oder bei Omas Handy irgendwelche grundlegenden Einstellungen verändert wurden. Leider. Denn ich brauche immer ewig, um den Originalzustand wiederherzustellen. Richtig technisch begabt bin ich nämlich nicht.

Bevor das eigene (teure) Handy kaputtgefummelt wird, überlege ich nun, den Kindern eigene Smartphones zu schenken. Eines, mit dem Sohnemann auf die Jagd nach Pokemon gehen kann, und eines, das Töchterlein zur Bildbearbeitung nutzt. Doch irgendwie erscheint mir der Gedanke vermessen, wo ein Smartphone doch ganz schön teuer ist. -Verglichen mit einer Puppe oder einem Gesellschaftsspiel.

Hinzu kommt das schlechte Gewissen, heißt es doch stets, Kinder seien erst ab dem Teenager-Alter bereit für ein eigenes kleines Technikspielzeug. Bereit im Sinne von medienkompetent.

Doch was ist Medienkompetenz überhaupt?

Überall hört und liest man davon, dass Eltern ihren Kindern unbedingt „Medienkompetenz“ anerziehen sollen, bevor die Kleinen damit beginnen, Tablets und Co. zu nutzen. Dabei ist der Begriff Medienkompetenz gar nicht so eindeutig definiert.

Wenn in Bezug auf Kinder von Medienkompetenz gesprochen wird, dann ist oft der selbstbestimmte und kritische Umgang mit den Medieninhalten gemeint:

Ähnlich wie beim Erlernen einer Sprache geht es bei der Vermittlung von Medienkompetenz nicht darum, einfach eine Reihe von technischen Fertigkeiten zu lernen, um z. B. einen Computer oder ein Handy verwenden zu können. Es geht vielmehr auch darum, das Lernen zu lernen, um sich neue Fähigkeiten und neues Wissen im Bereich Medien selbst zu erschließen. Zu den weiteren Zielen gehört es, die eigene Mediennutzung zu reflektieren und die Entwicklungen im Bereich Medien kritisch zu verfolgen. (aus: Medienkompetenzportal NRW)

Dummerweise mangelt es auch vielen Eltern an Medienkompetenz. Kürzlich hat zum Beispiel der Fußballtrainer meines Sohnes per WhatsApp über die Stränge geschlagen. Und es gibt mehr Mütter als gedacht, die Castingshows und Dokusoaps für ein Abbild der Realität halten…

Die Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder ist daher alles andere als einfach. Eines ist aber auch Oma klar: Auf Medien verzichten, das funktioniert nicht (mehr), denn sie spielen in der Bildung des Menschen eine viel zu große Rolle. Was wir Großen von unseren Kindern dabei lernen können, ist die uneingeschränkte Freude am Lernen. 🙂


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