Schöne Bescherung.

Photo by Simon Matzinger from Pexels

Weihnachten steht vor der Tür: Und die Geschenkefrage wird jedes Jahr schwieriger zu beantworten

Statt wie eh und je umzuschalten, habe ich mir gestern mal einen ganzen Werbeblock auf Super RTL reingezogen. Er spiegelte auf grauenvolle Weise mein derzeitiges Dilemma wider. Auch ich frage mich kurz vor Weihnachten immer noch: Was schenke ich meinen Kindern nur? Sie haben doch schon alles…

Die Werbung schien es auch nicht recht zu wissen und machte deshalb besonders bizarre Vorschläge. Da war zum Beispiel ein Plüschdackel, der Ballett tanzte. Weiterhin wurde ein Gesellschaftsspiel namens „Flitzekacke“ angepriesen und zwischendurch bewegten sich befremdlich wirkende Puppen, die als „Hüter des Waldes“ promotet wurden, über den Bildschirm.

Muss man notfalls auf Absurdes zurückgreifen?

Angesichts der Absurditäten, die sich vor meinen Augen abspielten, musste ich anfangs herzlich lachen. Doch je länger die Werbepause andauerte, desto bedrückender fand sich dieses Schauspiel. Denn es sagt so viel aus über unsere (Konsum-)Gesellschaft. Wie leer muss sich ein Mensch fühlen, der einen Ballerina-Dackel kauft? -Wie leer erst das Kind, das sich über dieses Geschenk freut?

Es geht ja schon lange nicht mehr um bestimmte Produkte. Es geht nur noch ums Habenwollen und Kriegen – und das in möglichst schnellem Wechsel. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Die meisten Eltern wissen das längst – und können sich trotzdem nicht vorstellen, wie sie das Problem lösen sollen.

Auch ich bin ratlos.

Die Ratlosigkeit wird mit Pragmatismus beantwortet

In meinen Kindern rührte sich (Gott sei Dank!) wenig, als sie die Werbung über sich ergehen ließen. Kein „Das will ich haben!“, kein „Kaufst du mir das?“. Schweigen. Und danach ein deutlich vernehmbares Aufatmen, als ihre Serie weiterging. Selbstverständlich gibt es noch gutes Spielzeug, das zumindest mittelfristig Freude schenkt. Doch dessen Hersteller haben offenbar kein Geld für Werbeclips auf Super RTL. Also muss man sie suchen, sofern man den Aufwand nicht scheut.

Ich schenke meinen Kindern dieses Jahr jedenfalls etwas Praktisches zu Weihnachten. Etwas, das sie für ihre Hobbys gebrauchen können. Das hätte ich ihnen ohnehin kaufen müssen und ihre Freude wird sich mit Sicherheit in Grenzen halten. Immerhin stelle ich damit einen Bezug zu ihnen her. Die Geschenke sind also nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Übrigens, ich will ja nicht angeben, aber ich habe jetzt schon A-L-L-E Geschenke zusammen, hähä!!! Und zwar für jedes Familienmitglied, Oma und Opa und Großtante inklusive 🙂

Etwas Nützliches schenken einige (wahrscheinlich kinderlose?) Leute übrigens auch ihren Haustieren. Die sollen an Heiligabend schließlich nicht leerausgehen. Es gibt da die skurrilsten Weihnachtsgeschenkideen.

Problematisch ist hier allerdings der Sinn des Schenkens, der – psychologisch betrachtet – ja darin liegt, zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen und zu vertiefen. Das geht natürlich nur, wenn das beim Beschenkten kognitiv auch ankommt.

Nun ja, immerhin besteht kein Zwang zum Schenken. Während wir Menschen an einschlägigen Festtagen davon ausgehen, von Familie und Freunden beschenkt zu werden (und mit Enttäuschung reagieren, wenn dem nicht so ist), erwartet ein Tier nichts – und begnügt sich mit ebenso wenig. Freuen wird es sich dennoch, wenn da plötzlich ein besonders leckeres Teil im Trog liegt. Und Freude wiederum ist doch das schönste Geschenk, das wir Schenkenden zurückbekommen können.

LG Anne!!!

Das könnte dich auch interessieren...