Ich liebe meinen Speck!

#MitmachMittwoch No. 8: #zuDick

„Sie hat sich gehenlassen“

Diese Antwort bekam ich neulich, als ich einen Freund nach dem Grund für seine Trennung fragte. Er war erst seit einem Jahr mit seiner Freundin zusammen, als er – für mich überraschend – den Schlussstrich zog.

Ich verstand sofort, worauf er anspielte: Sie hatte im Laufe der Monate ein paar Kilos zugelegt. Dick war seine Ex-Freundin deshalb noch lange nicht, aber eben dicker als es das Ideal heutzutage vorgibt. In Kleidergröße 36 passte sie demnach nicht mehr hinein. Mit Sicherheit war ihr Leibesumfang nicht der einzige Trennungsgrund – und doch war er offenbar das Zünglein an der Waage.

Dick = Hässlich?

Nun möchte ich mich ungern zum Richter über die Beweggründe für das Ende dieser Beziehung aufschwingen. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Wenn sich mein Freund eher von zierlichen Frauen angezogen fühlt – bitte sehr, soll er sich doch genau so eine suchen.

Unschöne Bemerkungen über Gewicht bzw. Körperfülle, die (vermeintlich) schlanke Leute über „Dicke“ äußern, finde ich allerdings verletzend und völlig unangebracht. Sich über Religion und Hautfarbe zu echauffieren, ist ein (absolut gerechtfertigtes) Tabu, an dem sich unsere Political Correctness die Zähne ausbeißt. Über die Dickleibigkeit der anderen hingegen lässt sich hervorragend lästern. Dicke sind Abweichler, sie entsprechen nicht dem Durchschnitt. Sie leben ungesund. Sie sind schwach, schließlich haben sie nicht die Stärke, an sich selbst zu arbeiten – mittels Diät und Sport zum Beispiel.

Schon Kinder können sich zu dick fühlen, obwohl sie es oftmals gar nicht sind. Denn Dicksein liegt im Auge des Betrachters. Auch Normalgewichtige weisen das eine oder andere Speckröllchen auf – und fühlen sich gleich fett und hässlich.

Aber weshalb spielt der Leibesumfang überhaupt eine so große Rolle für uns– gerade jetzt, wo es doch mehr Übergewichtige gibt als je zuvor? Daran gewöhnen können sich viele scheinbar trotzdem nicht. Die Speckröllchen sind immer wieder Thema.

Sind die Medien schuld?

Kann man den Medien dafür die Schuld geben? Oder schieben wir den Schwarzen Peter doch der Kosmetikbranche unter? –Zweifellos prägen Medien und Industrie unser Schönheitsideal. Dass man sich nie richtig wohlfühlt in seiner Haut – sei es weil man zu viele Pickel hat, zu viele Falten oder eben zu viel Speck auf den Rippen – daran haben sie einen großen Anteil.

Doch aus welchen Gründen fühlen sich dünne Männer & Frauen den dickeren eigentlich überlegen? Denn hinter den abfälligen Bemerkungen muss doch eine Art Überlegenheitsgefühl stecken, nicht wahr? Ist es etwa ein Verdienst, schlank zu sein und – wenn ja – weshalb?

Übrigens: Ein schwaches Licht am Ende des Tunnels blitzt hier und da auf: Momentan huldigen HipHop-Musiker den wohlgeformten Hinterteilen ihrer Angebeteten. Dass diese nicht allzu mager sind, brauche ich wohl nicht zu sagen. Vielleicht kommen weibliche Rundungen ja auch bei uns wieder in Mode.


Am heutigen MitmachMittwoch möchte ich einmal keine klassische Umfrage schalten, sondern euch dazu ermuntern – per Kommentar oder Social Media – so viele Gründe wie möglich zusammenzutragen,

warum eure Speckröllchen SCHÖN sind!!!

speckroellchen

Euer Feedback

Auf Twitter haben viele Mamablogger ihre Meinung zum Thema kundgegeben und schnell wurde klar, dass sich viele von euch mit Diäten bestens auskennen. Nur wenige haben sich positiv über ihren eigenen Körper geäußert. Viele Kommentare hingegen klangen geradezu frustriert. Fast alle Mütter, die sich zu Wort gemeldet haben, können ein Liedchen von (verhassten) Schwangerschaftspfunden singen, die einfach nicht schwinden wollen. Dicksein berührt nach wie vor einen Nerv – einen sehr persönlichen dazu.

 

Die hier abgebildeten Tweets sind nur ein Ausschnitt. Getwittert wurde den ganzen Mittwoch über und dabei wurden wirklich viele Meinungen zusammengetragen.

Leider ist niemand außer Saskia (siehe unten, Kommentar) auf die Frage eingegangen, weshalb wir Dicksein nicht als schön begreifen und wie wir dem Einfluss von Medien und Kultur begegnen könnten. Demnach komme ich zu dem Schluss, dass Dicksein von den meisten tatsächlich nicht mit „schön“ assoziiert wird.

Aber jetzt mal ehrlich: Spielt denn die Figur wirklich eine Rolle? Sind es nicht vielmehr Schimären, denen wir nachhängen, wenn wir glauben, dass wir schöner, begehrenswerter und erfolgreicher wären, wenn wir nur ein wenig schlanker wären?

Sich in seinem Körper zu Hause fühlen, nennt es Saskia in ihrem Kommentar: das Gefühl, mit sich und seinem Körper Frieden zu schließen.

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