Mir zuliebe: Warum ich meinen Kids einen vollen Terminkalender zumute

Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich zu diesen hyperaktiven Mamis gehöre, die gern die ganze Woche verplanen.

  • Montags Schwimmunterricht
  • Dienstags musikalische Früherziehung
  • Mittwochs noch mal Schwimmen
  • Donnerstags Bambini-Fußball
  • Freitags Handball.
  • Am Wochenende stehen noch Familienunternehmungen an. Zoo, Indoor-Spielplatz, Spazierengehen etc.

Ist ja nicht so, dass diese Aktivitäten den ganzen Nachmittag einnehmen. Aber sie fressen Zeit. Und das ist gut so. Ich verbringe meine Nachmittage einfach ungern zu Hause – allein mit den Kindern. Da müsste ich sie ja erziehen. Dabei setze ich gerade in Sachen Erziehung gern auf externe Kräfte. Die sind darin ohnehin geschulter. Outsourcing ist angesagt!

Mit Karriereplanung hat meine Unternehmungslust erstmal gar nichts zu tun. Ich möchte meinen Kindern eher zeigen, dass die Welt so viel mehr zu bieten hat als Glotze und Konsole. Im Hinterkopf behalte ich natürlich trotzdem ein paar Wünsche: Dass sie sich ein bisschen besser kennen lernen, um einschätzen zu können: Was kann ich? Was geht hingegen überhaupt nicht? Was liegt mir und bereitet mir darüber hinaus noch Freude? Damit das mit der Selbstfindung nicht erst mit 20 losgeht. Ihr wisst, was ich meine…

Ich vor einem Jahr.

stress bei kindern


Mit dem Umzug kommt die Flaute

Mittlerweile sind wir aus Berlin weggezogen und das Angebot für Kleinkinder am neuen Wohnort ist – sagen wir – überschaubar. Jetzt muss ich mir die Nachmittage also doch Memory-spielend um die Ohren schlagen. 🙁 Bald werde ich wohl auch nicht mehr um die Kuscheltier-Rollenspiele herumkommen, für die eigentlich mein Mann zuständig ist…

Kurz, mir ist langweilig. Den Kindern gar nicht mal sooo. Sie wirken sogar ziemlich zufrieden nichts tuend.

Ich geb’s ja zu: All die Freizeitaktivitäten habe ich vorwiegend mir zuliebe etabliert. Dass aus Sohnemann kein Profi-Handballer wird und auch Töchterlein kaum eine Gesangskarriere bevorsteht, war mir schon klar, bevor ich sie bei den jeweiligen Vereinen anmeldete.

Neueste wissenschaftliche(?) Erkenntnisse geben mir sogar recht: Kindern geht es dann besonders gut, wenn auch ihre Eltern gut drauf sind. Mamis und Papis sollten sich also erst einmal um die eigenen Bedürfnisse kümmern. Basta.

Stress bei Kindern?

-Fehlanzeige. Ich verplane die Nachmittage ja nur deshalb, weil ich generell gern viel unternehme. Was ich auf gar keinen Fall von meinen Kindern verlange, ist Leistung!

In erster Linie sollen sie Freude daran haben, zum Beispiel eine neue Sportart zu erlernen. Wird der Druck seitens Trainer oder Lehrer zu groß oder meine Kids haben schlicht keinen Spaß mehr an der Sache, werden sie ohne Wenn und Aber wieder abgemeldet:

So zum Beispiel beim Fußball.

Um wenigstens EINMAL die Woche etwas zu unternehmen, habe ich Töchterlein nämlich beim Bambini-Fußball im Nachbardorf angemeldet. Das Probetraining hat sie tatsächlich genossen. Noch ging der Trainer sanft mit ihr um.

Die darauffolgenden Trainingseinheiten verliefen dann schon frustrierender: Irgendwie wollte sich kein Ballgefühl bei ihr einstellen. Die anderen Vier- und Fünfjährigen reagierten immer genervter. Irgendwann gab Töchterlein auf.

Ich hätte mir lieber auf die Zunge gebissen, als zu sagen „Mach‘ doch weiter – das lernst du bestimmt noch!“. Zwang wird ihr ohnehin noch seitens der Schule begegnen. Später dann auch im Arbeitsleben.

Einfach mal auf sich selbst schauen

Vor ein paar Jahren wurde mir von allen Seiten Yoga empfohlen. Es mache Spaß, sei gut für Körper und Geist und was nicht alles. Also habe ich mich beim Yoga-Kurs angemeldet und ein paar Einheiten versucht mitzumachen. Es war einfach nur schrecklich. Von Wohlbefinden keine Spur. Logisch, dass ich irgendwann nicht mehr hingegangen bin. Wozu sollte ich mich quälen?

Richtig blöd finde ich es, wenn Eltern trotz eigenen Unvermögens auf ihren Kindern herumreiten: Stehen am Spielfeldrand und kommentieren jede Bewegung. Dabei sieht man ihnen an, dass sie schon seit Jahren, vielleicht gar Jahrzehnten keinen Sport mehr gemacht haben.

Alternativen gesucht

Auch wenn Töchterlein keine Lust mehr auf Fußball hat, heißt das noch lange nicht, dass wir gar nichts mehr machen sollten.

Also, was gibt’s denn noch auf’m Lande?

  • Reiten. Sauteuer.
  • Tischtennis. Da ist die Platte noch zu hoch.
  • Kinderturnen. Nur mit Warteliste. Wir wurden auf den kommenden August vertröstet.
  • Cheerleading. Hm, interessant, aber irgendwie auch gefährlich-akrobatisch…

Letzte Option: Ballett.

ballett

Ich schaue mir gerne mal ein Ballett an und bin hingerissen von der Darbietung der TänzerInnen. Trotzdem wollte ich mein Kind niemals zum Ballettunterricht schicken. Besser gesagt, ich bin nicht einmal auf den Gedanken gekommen, Töchterlein diesen Vorschlag zu machen. Ballett, das erschien mir immer so rückwärts gewandt, überholt und typisch weiblich. Elitär dazu.

Nicht einmal als Kind verspürte ich das Verlangen, eine Ballerina zu sein. Vermutlich weil ich schon immer stocksteif war. Wie man so ungelenkig sein kann, ist mir selbst ein Rätsel.

Als ich mit Töchterlein zum Probetraining fuhr, klärte ich sie deswegen nur halb auf. Ich nannte es „so eine Art Kinderturnen“, und hoffte, sie würde keinen Unterschied erkennen.

Gott sei Dank gefiel ihr das Training. Ach was, sie liebte es – von Anfang an! Sie war sofort bei der Sache, musste nie aufgefordert werden. Ich traute meinen Augen kaum. Wow!

Die Musik, die Bewegungen, die anderen Mädchen, all das stimmte sie zufrieden und glücklich. Besonders toll fand sie ihre Lehrerin, eine wunderschöne ehemalige Ballerina, die ihre Eleven auch gern mal „Zuckerschweinchen“ nennt.

Und ihr wisst ja, wenn’s Kind zufrieden ist, dann ist es Mama erstrecht. Der Vertrag wurde sogleich unterschrieben. Einziger Wermutstropfen: Die monatlichen Kosten sind genauso hoch wie die Jahresgebühr beim Bambini-Fußball. So viel zum Thema elitär. Na ja, immer noch günstiger als Reiten. Seufz.

LG Anne!!!

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