Ungewohnte Einblicke beim Umzug

Wer neu beginnen will, muss erst einmal Abschied nehmen

Schon mehrmals habe ich mich auf topElternblogs über den Umzug als heikles Unterfangen geäußert. Allein, dass man sich von der alten Heimat verabschieden muss, ist traurig. Klar, man würde nicht (freiwillig) umziehen, wenn der alte Wohnort einem all das bieten würde, was man sich wünscht und was man zum Leben braucht. Doch nach neun Jahren Berlin haben wir so manchen Freund gewonnen und verlässliche Netzwerke geknüpft. Sowas gibt man nicht gerne auf. Und machen wir uns nichts vor: Wenn man einmal weiter weg zieht, sieht man selbst gute Freunde nur noch sehr selten.

Kriegen zum Glück nichts mit vom Umzugsstress: die Kinder

Die größten Sorgen habe ich mir um meine Kinder gemacht. Für sie bedeutete der Umzug schließlich die größte Umstellung. Sie mussten Kita und Schule wechseln, sich neu eingewöhnen, Freunde finden. Dabei haben ihnen nicht nur unsere neuen Nachbarn geholfen, die gleichaltrige Kinder haben. Was die Eingewöhnung noch erleichtert, habe ich in einem separaten Artikel zusammengefasst>>

Den Umzug selbst haben die Kinder allerdings überhaupt nicht mitgekriegt. Wir haben den Termin nämlich auf einen Wochentag gelegt. Die Kinder waren also ganz normal in Kita und Schule untergebracht und wurden nachmittags von ihren Großeltern abgeholt. Als wir sie zu uns holten, war schon alles vorbei. Hatten sie in der alten Wohnung noch gerne mit den leeren Umzugskartons gespielt, so fanden sie die gefüllten gänzlich uninteressant. Spannender war es nun, das neue Haus zu erkunden und draußen zu spielen.

Packen und Delegieren sind unsere einzigen Tätigkeiten beim Umzug

umzugskisten

Stapelten sich bis zur Decke: unsere 70 Umzugskartons!

Zwar sind mein Mann und ich schon oft umgezogen, allerdings noch nie zu viert. Unser Haushalt hat sich  beträchtlich vergrößert. Man kriegt das ja gar nicht so mit, aber da sammelt sich über die Jahre eine Menge an. Nicht nur an Möbeln, nein, vor allem der ganze Schnickschnack hat uns beim Umzug das Packen schwer gemacht. Darunter was so Vieles, das ich zwar nicht als Müll bezeichnen möchte, aber das ich schon seit Jahren nicht mehr in den Fingern hatte. Unnützes Zeug, doch zu schade zum Wegwerfen.

Ich hätte nicht gedacht, dass wir die 70 Kartons, die uns das Umzugsunternehmen lieferte, tatsächlich alle füllen würden. Doch genau das haben wir geschafft. Fragt sich nur, ob dies Triumph oder Niederlage ist?

Hätte ich die Kartons selbst schleppen müssen, wüsste ich die Frage genau zu beantworten. Da wir dieses Mal einen weiteren Weg zurücklegen mussten, haben wir jedoch zum ersten Mal überhaupt eine externe Firma engagiert, die den Umzug professionell organisierte und durchführte.

Damit war der Umzug zwar sehr teuer, ging aber zügig über die Bühne. Um acht Uhr morgens standen die Umzugshelfer auf der Matte und am späten Nachmittag hatten sie ihre Arbeit bereits beendet. Dabei wurde unser Haushalt nicht nur von A nach B transportiert. Auch unsere Möbel wurden demontiert und im neuen Haus wieder zusammengebaut. Einige Schränke wurden zudem mehrmals umgestellt, weil wir uns noch unschlüssig waren, wohin sie sollten. Selbst das Klavier hat den Umzug unbeschadet überstanden.

Weil der Umzug so schnell vonstattenging, hatten wir umso mehr Zeit, die Kartons wieder auszupacken, Regale anzubringen und diverse andere 100.000 Dinge zu tun, die sonst noch anfielen.

Was die Arbeit des Umzugsunternehmen betrifft, so war ich also sehr zufrieden. Generell kann ich jedem empfehlen, sich professionelle Umzugshelfer zu organisieren, beispielsweise über umzugshelferinberlin.de>>*. Die sind echt Gold wert!

Ich gewann Einblick in eine andere Welt: eine schlechtere

Ein schönes Erlebnis war unser Umzug dennoch nicht. Im Gegenteil, er verursachte mir sogar ein wenig Bauchschmerzen. Was ich als Akademikerin, die sich halbtags vorm PC den Arsch plattsitzt sonst nämlich überhaupt nicht mitkriege, hat sich für einen Tag in mein Leben gedrängt: die Ungerechtigkeit in der Arbeitswelt.

Dass in Umzugsunternehmen ein ungewohnt rauher Ton herrscht, konnte ich mir denken. Doch dass sich der Chef als echter Sklaventreiber erweist, habe ich dann doch mit Befremden wahrgenommen. Zu uns war er zwar einigermaßen freundlich, seinen Mitarbeitern erlaubte er jedoch nicht einmal, etwas zu trinken, geschweige denn zu essen. Wir hatten ein paar Kleinigkeiten vorbereitet. Als einer der Jungs (die Umzugshelfer waren bis auf zwei um die 20 Jahre jung) es wagte, sich etwas zu nehmen, bekam er vom Boss aber Schelte(!) mit der Begründung „ein Mann mit vollem Magen werde träge“ und könne nicht mehr arbeiten.

Bis auf einen Mann hatten alle einen Migrationshintergrund, einige sprachen nur gebrochen Deutsch und hatten große Schwierigkeiten, uns zu verstehen. Ich nehme stark an, dass sie über das deutsche Arbeitsrecht nicht viel wussten und falls doch, so trauten sie sich nicht, davon irgendetwas einzufordern. Als einer damit beschäftigt war, unser Kinderbett zusammenzuschrauben, wurde er vom Boss gerufen, erwiederte darauf, dass er gerade nicht kann – und wurde daraufhin vor allen (und vor uns) zusammengeschissen, dass selbst ich Angst bekam!

Nach getaner Arbeit (neun Stunden inklusive einer halbstündigen Pause) wurden die Jungs zum nächsten Auftrag gehetzt. In den neun Stunden war keiner der Männer auf Toilette – sie hatten ja weder gegessen noch getrunken. Sie hatten gearbeitet wie Maschinen. Offenbar wurden sie von ihrem Unternehmen auch als solche betrachtet.

Drei Kreuze, dass ich den Umzug hinter mir habe und nicht plane, in naher Zukunft wieder umzuziehen. Dass Leute derart gegängelt werden, will ich auf keinen Fall noch mal erleben.

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