Warum wir Mamas bloggen

Das Leben ist begrenzt. Wir alle sind dem Tod geweiht. Ich werde sterben – irgendwann. Wie jeder andere auch. Dass ich umsonst gelebt haben werde, ist meine größte Angst. Nichts zu Wege gebracht, niemandem weitergeholfen, kein Problem gelöst. Nur Ressourcen verbraucht. Ein Graus.

Wer schreibt, der bleibt

warum bloggen

Doch was ist schon eine „Leistung“? Wofür lohnt es sich zu leben? Ein Buch zu schreiben? Immerhin: Wer schreibt, der bleibt. (Nicht wenige Rentner schreiben am Ende ihres Lebens ihre Memoiren, wahrscheinlich weil sie das Gefüh haben, es so festhalten zu können: das Leben, das sie gelebt haben. Vielleicht auch Lehren weiterzugeben, die sie daraus gezogen haben?)

Doch ist damit schon der Sinn des Lebens erfüllt? Schließlich gibt es eine Menge Bücher, viele davon grottenschlecht. Und ob die Memoiren wirklich von den Nachkommen gelesen werden… Fraglich.

Wenigstens die Gene leben weiter…

Wenigstens habe ich Kinder in die Welt gesetzt, meine Gene weitergegeben. Vielleicht ist das der einzige und wahre Lebenszweck. Wozu sich also weiter den Kopf darüber zerbrechen, womöglich noch ins Metaphysische abschweifen? Die Antwort liegt doch auf der Hand!

Dass so viele Mütter (und ein paar Väter) ihre Elternzeit verbloggen, ja sogar noch darüber hinaus Einblicke in ihr Familienleben gewähren, verwundert mich mittlerweile nicht mehr. Im Gegenteil, es ist sogar ganz logisch: Schließlich vereinen sich hier gleich zwei Hoffnungen:

a) Wer schreibt, der bleibt – und

b) Genetisch leben wir weiter in unseren Kindern.

Außerdem gibt es kaum etwas so Sinnhaftes wie die Familie. Der Familienkosmos füllt alles aus: den Alltag, den Kopf, die Arbeit und den Urlaub, und er beinhaltet auch alles: die große Freude und die vielen Sorgen, diverse Rollen. Familie, das ist das pure Leben, Kinder sind unser ganzes Glück. Warum das Glück nicht in Worte fassen?

Warum Mamas bloggen, ist vielen Leuten dennoch ein Rätsel

So viel Akzeptanz habe ich den Familienblogs nicht immer entgegengebracht. Als ich vor vielen Jahren das erste Mal auf den Begriff mommy blog stieß und in ein paar dieser Exemplare schmökerte, fand ich sie eher befremdlich, diese intimen Einblicke in fremde Haushalte. Mütter, die stets über die mangelnde Vereinbarkeit von Kind und Karriere klagten, aber trotzdem Zeit zum Bloggen fanden, wirkten auf mich damals wenig authentisch, um nicht zu sagen unaufrichtig.

Ja, ein bisschen erbärmlich fand ich sie auch in ihrem Drang nach Aufmerksamkeit, der sie zu kleinen Selbstdarstellern macht, die nicht einmal davor zurückschrecken, ihre Babys vor der Kamera zu inszenieren. Und wem gilt der ganze Aufwand überhaupt? Wer liest schon Mamablogs, hm?

So viel zu meinem ersten Eindruck. Glücklicherweise zählt der erste Eindruck eben nicht. Schließlich lernt man dazu, wird flexibler im Denken. Meinungen ändern sich, manchmal gar die gesamte Weltanschauung! Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft, sich auf befremdlich wirkende Themen einzulassen. 🙂

Schreiben ist seit jeher ein beliebtes Hobby. -Nun ist das Veröffentlichen hinzugekommen!

Das tat ich mittels meines Blogverzeichnisses. Dieses gewährt mir nun immer wieder neue Eindrücke. Natürlich gibt es viele von den kommerziellen Mommyblogs, die wenig Persönlichkeit haben, dafür umso mehr Produktplatzierungen. Doch es gibt eben auch verdammt viele von den Geschichtenerzählern, die tatsächlich ihren Alltag schildern. Der mag erst einmal unprätentiös anmuten, wenn eine Mutter schildert, wie ihr im Bus der Kinderwagen kaputtging, weil der Fahrer zu abrupt bremste.

Doch allzu oft erkennt man sich gerade in den banalen Situationen und Reaktionen wieder – und in den anderen Mamis da draußen. Auch wenn man nicht immer einer Meinung ist. Es sind Geschichten, die nicht nur unterhalten, sondern auch berühren – und zum Dialog einladen. Trotzdem schaffen sie es in kein Buch, in keine Zeitschrift. Kein Feuilletonist lobt diese Stories, sie gewinnen keine Preise.

Nun, immerhin werden sie gelesen. Ja, sie werden gelesen, Leute!!! Und kommentiert und bei Google in den Suchergebnissen angezeigt. Diese – unsere – Texte existieren in der Öffentlichkeit und werden von einer Öffentlichkeit wahrgenommen. Es gibt niemanden, der sie redigiert oder aussortiert, keine Instanz, die sie auf irgendeine Weise (negativ) bewertet. Das ist herrlich und dafür schätze ich das Internet so sehr.

Die Familie ist das Thema, das unsere Blogs beherrscht, weil es eben die Familie ist, die unser Leben beherrscht. Wir bloggen, weil wir gerne schreiben. –Öffentlich, um in Kontakt zu treten mit Gleichgesinnten und Reaktionen zu provozieren. Und weil wir es können. Dank des Internets hat JEDER die Option, zum Publizisten zu avancieren. Soweit verständlich.

Doch warum bequatschen wir diese Themen nicht unter Freunden, sondern schreiben darüber?, fragt ihr euch jetzt womöglich.

Bloggen, um den Alltag zu reflektieren

-Ganz einfach: Das Schreiben hilft dabei, die eigenen Gedanken zu sortieren. Im Grunde reflektieren wir unser Handeln, unsere alltäglichen Kleinkriege, unsere Zweifel, unsere Fortschritte, unsere Träume und Ängste und und und.

Nicht jeder schafft das. Nicht jeder nimmt sich überhaupt die Zeit zur Selbstreflexion. Natürlich ist es um Einiges leichter, sich abends vor die Glotze zu setzen und mit einem Glas Wein den Abend ausklingen zu lassen. Wer schaut schon in sich hinein? Tja, WIR tun es.

Am Ende möchte ich noch auf den Vorwurf eingehen, man nutze den Blog und andere Soziale Medien nur deshalb, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Es liegt auf der Hand, dass die Kritiker hier richtig liegen. Wollte ich keine Aufmerksamkeit, würde ich ganz klassisch ein Tagebuch schreiben, das nur ich selbst lese und sonst niemand.

Indem man ein Blog ins Leben ruft, entscheidet man sich für die Öffentlichkeit. Ist doch ganz logisch. Ich aber behaupte, dass Aufmerksamkeit eben nicht das oberste Ziel der Mamablogger ist. Vielmehr gieren wir nach Wertschätzung.

Blogs eröffnen uns die Möglichkeit, miteinander in den Austausch zu gehen. Frauen können nicht miteinander? –Von wegen! Wir wertschätzen uns gegenseitig in unserer Rolle als Mutter, als Hausfrau, als Köchin, als Putze, als Partnerin und Freundin. Und darum geht es doch im Leben: Akzeptanz und Wertschätzung. Zumindest in der Blogosphäre 😉


Warum bloggen wir eigentlich? –Was sind eure Gründe? -Raus mit der Sprache! Ich freue mich auf euer Feedback 🙂

LG Anne

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3 Antworten

  1. Eva sagt:

    Hallo Anne,

    ein schöner Artikel, der zum Nachdenken und Antworten anregt.

    Ich habe mit dem Bloggen angefangen:
    – aus Lust an der Sprache
    – als kleine Herausforderung, mit dem Netz umzugehen
    – aus dem Verlangen, über ein Thema nachzudenken, zu verarbeiten. Wohlüberlegt, denn es könnte sich jemand auf die Seite verirren
    – ich möchte von Gleichgesinnten lesen und gelesen werden. Das gibt Kraft.

    Lieben Gruß
    Eva

    • Anne sagt:

      Lieben Dank für dein Feedback, liebe Eva! Stimmt, dass das Bloggen Kraft gibt, ist auch ein logischer Schluss. Gut, dass du darauf hingewiesen hast! Hoffentlich gibt dir das Bloggen noch lange Kraft.
      LG Anne

  1. 6. September 2016

    […] Mama-Bloggerin Anne (top-elternblogs) sind Kinder das Glück. Die logische Konsequenz daraus: Warum das Glück nicht in Worte fassen? Doch bei aller Banalität des Alltags: „Es sind Geschichten, die nicht nur unterhalten, […]

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