Warum Fahrrad fahren für Kinder so wichtig ist

Man kann den Frühling mit so vielen Dingen assoziieren: erstes Grün, Wärme, Sonnenschein und länger werdende Tage… Vor allem aber ist der Frühling die Jahreszeit, in der Kinder Fahrräder geschenkt bekommen und die ganz Kleinen ihre ersten Versuche auf ihren neuen Drahteseln unternehmen. Als Mama fällt dir sowas auf…

 

warum fahrrad fahren so wichtig für kinder ist

Spätestens wenn die Freunde deines Kindes in der Kita ihre wackligen Fahrversuche zur Schau stellen, siehst du dich unter Zugzwang. Dein Kind will plötzlich auch ein Fahrrad! Aber ist es überhaupt schon fähig, das Fahradfahren zu erlernen? Und wenn ja, worauf muss ich achten? Wie wird aus meinem Kind ein guter Radfahrer im öffentlichen Straßenverkehr? Gute Fragen, über die ich mir mal ein paar Gedanken gemacht habe.

Auf die Körpergröße des Kindes kommt es an

Grundsätzlich finde ich, dass es kein bestimmtes Alter für das Fahrradfahren gibt. Manche Kinder möchten es von sich aus sehr früh und schaffen es dann auch, es schnell zu erlernen – eben, weil sie es selbst wollen. Andere brauchen eben länger und tun sich vielleicht auch bei der Koordination etwas schwerer. In jedem Fall sollte aber das Fahrrad zum Alter – oder besser noch – zur Größe des Kindes passen.

Was die Größenangabe Zoll bedeutet

Kinderfahrräder haben in der Regel standardisierte Größen, die sich vom Reifendurchmesser in Zoll ableiten. Ein 12 Zoll Kinderfahrrad ist geeignet für ein Kind von etwa einem Meter Körpergröße und einer Schrittlänge von etwa 40-43 Zentimetern. Die Schrittlänge ist die Innenbeinlänge der Kids, die man ganz einfach selbst nachmessen kann.

Wer sich bei der Wahl der Fahrradgröße unsicher ist, sollte im Fahrradladen einfach mal Probefahren. So machen es die Großen beim Autokauf ja auch 😉

In jedem Fall sollte dein Kind bequem mit beiden Füßen fest den Boden berühren können, wenn es auf dem Sattel sitzt. Das ist vor allem für das Erlernen des Fahrradfahrens sehr wichtig, denn es gibt dem Kind Sicherheit. Bezüglich Marke, Anzahl der Gänge und Ausstattung gibt es wahrscheinlich ebenso viele Meinungen wie Fahrräder im Fachmarkt. Einige gute Tipps findet ihr hier.

Das Radeln beibringen

Das Erlernen des Fahrradfahrens selbst erfolgt so unterschiedlich, dass ich es kaum wage, Tipps zu geben. Aus eigener Erfahrung weiß ich nur, dass es sehr hilfreich für meine Kids war, vorher Laufrad zu fahren. Dadurch wurde nämlich schon mal ihr Gleichgewichtssinn trainiert.

Dummerweise kam mein Sohn erst einmal überhaupt nicht mit den Fahrradpedalen klar. Da wäre ein Dreirad zum Üben vielleicht sinnvoll gewesen? Allerdings hatte meine Tochter kein Dreirad, konnte aber sofort in die Pedalen treten. Kinder sind einfach wahnsinnig unterschiedlich. Insofern lassen sich auch beim Radfahren kaum Ratschläge geben, die bei jedem Kind zum Erfolg führen. Ums Ausprobieren kommt man also nicht herum.

Vielen sind Stützräder am Fahrrad verhasst, weil sich die Kinder zu sehr darauf verlassen und später arge Probleme damit haben, ohne Stützräder Rad zu fahren.

So oder so ist das Beibringen des Fahrradfahrens für uns Erwachsene erst einmal eine anstrengende Angelegenheit: Schieben, halten, nebenher laufen, rennen, auffangen,… Und das alles in gebückter Haltung, puh!

Hat das Kind aber erst den Dreh raus, ist es unglaublich stolz auf seine Leistung. Nun hat es sich die Welt der Erwachsenen erobert – oder zumindest ein großes Stück davon. Hinzu kommt die ungeahnte Geschwindigkeit, mit der es sich plötzlich fortbewegen kann. -Das macht vielleicht Spaß!

Ob dein Kind zu den vorsichtigen Zögerern gehört oder schon ordentlich in die Pedalen tritt, es bewegt sich und hat im besten Falle auch Freude an der Bewegung. – Das ist doch die Hauptsache!

Für viele unverzichtbar, aber wirklich notwendig?: Der Fahrradhelm

Sowohl die Polizei als auch LehrerInnen und ErzieherInnen weisen immer wieder darauf hin, dass Kinder und Erwachsene beim Fahrradfahren einen Helm tragen sollten. So gibt es zum Beispiel an der Grundschule meines Sohns eine Verkehrssicherheitsprüfung für kleine Fahrradfahrer, vor der seine Klassenlehrerin darauf hingewiesen hat: Kinder, die ohne Helm erscheinen, fallen automatisch durch die Prüfung!

Mich bringt es auf die Palme, wie somit schulischer und sozialer Druck erzeugt wird, einen Helm zu tragen, obwohl dies rechtlich nicht verpflichtend ist. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) tritt sogar gegen die Helmpflicht ein.

Logisch, dass ich ohne Helm unterwegs bin – und auch meine Kinder nicht zwinge, einen Fahrradhelm zu tragen. Die meisten Eltern sehen das anders. Der Helm als Schutz bei (Verkehrs-)Unfällen hat natürlich auch seine Berechtigung. Ob du dich für oder gegen den Helm entscheidest, bleibt jedenfalls dir überlassen. So viel Freiheit muss sein.

Vor allem in Städten ist auch ein Fahrradschloss sinnvoll. Leider schrecken viele Diebe nicht davor zurück, Kindern ihre Fahrräder zu stehlen. (Uns wurden zum Beispiel in Berlin gleich mehrfach Laufräder geklaut, teils auch aus dem Treppenhaus.) Mit einem qualitativ hochwertigen Fahrradschloss verfügt man zumindest über einen gewissen Diebstahlschutz.

Macht eure Kids fit für den Straßenverkehr

Ich persönlich schätze die umwelt- und körperbewusste Art des Fahrradfahrens sehr. Glücklicherweise sind Kita und Schule auch nur einen Kilometer entfernt, so dass ich meine Kinder stets mit dem Fahrrad hinbringen und abholen kann. Den Kleinen soll schließlich bewusst werden, dass Fahrradfahren nicht bloß Hobby oder Sport ist, sondern dass der Drahtesel ein ganz normales Fortbewegungsmittel darstellt.

Ein weiterer Vorteil des täglichen Radelns besteht darin, dass meine Kids unmittelbar mitbekommen, wie man sich in bestimmten Verkehrssituationen Straßenverkehr verhält. Denn Kinder sind nicht automatisch fit für den Straßenverkehr, nur weil sie halbwegs selbstständig fahren können. Vor allem in städtischen Regionen gehört mehr dazu als nur in die Pedale treten und das Gleichgewicht halten.

Kürzlich ist mir aufgefallen, dass mein 10-jähriger Sohn die Rechts-vor-Links-Regel überhaupt nicht kennt, aber schon munter auf der Straße fährt, oje.

Sprich also mit deinem Kind über die Verkehrsregeln und das richtige Verhalten – am besten, wenn ihr zusammen unterwegs seid. Dabei wird euch mit Sicherheit auch auffallen, dass ihr immer auch auf einige gedankenverlorene oder sogar rücksichtslose Verkehrsteilnehmer trefft. Fußgänger, die auf dem Radweg laufen, Autofahrer, die auf dem Fußweg parken, Radler, die bei Rot über die Ampel fahren und und und. Hier gilt es dann, die Achtsamkeit beim Kind zu schulen.

Lass dein Kind erst dann allein draußen fahren, wenn du dir sicher bist, dass es begriffen hat, was es bedeutet, als Fahrradfahrer selbst Verkehrsteilnehmer zu sein. Vielleicht klinge ich ja gerade überängstlich, aber lieber heute zu vorsichtig als den Rest des Lebens Schuldgefühle zu haben. Gute Tipps gibt übrigens der ADAC dazu.

Pflege und Reparatur sind eine gute Beschäftigung

So ein Fahrrad geht ja auch gerne mal kaputt oder muss zumindest geschmiert oder einfach nur gewaschen werden. Ich finde, das muss gar keine lästige Notwendigkeit sein, sondern kann auch zu einer schönen Aktivität werden, wenn man sie gemeinsam mit den Kids durchführt. So lernen die Kinder, ihre Fahrräder wertzuschätzen – anders als bei so vielen anderen Dingen, leider.

Außerdem erfüllt es sie mit Stolz, wenn sie an ihrem Fahrrad selbst etwas geklebt, geschraubt oder ausgewechselt haben. Übrigens: Das mit dem Reparieren ist keine reine Männer-/Jungs-Sache. Ein Fahrrad pflegen und warten kann ich auch als Frau – und natürlich auch mit meiner Tochter.

LG Anne!!!

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2 Antworten

  1. Maren sagt:

    Hallo Anne, super Artikel, wir probieren uns auch gerade am Radfahren lernen!
    Zum Thema Verkehrssicherheit habe ich vor einiger Zeit einen Artikel geschrieben, inkl. Buchtipp.
    http://brabbelblog.de/verkehrserziehung/
    Mit diesem Buch kannte unsere Tochter von Anfang an die Verkehrsregeln und forderte sie auch aktiv ein. Kann ich nur empfehlen!
    Viele Grüße vom Brabbelblog-Team, Maren

    • Anne sagt:

      Hey Maren,
      besten Dank für deinen Buch-Tipp. Das ist genau das richtige für meine Tochter, die sich zwar schon im Straßenverkehr bewegt, die damit verbundenen Regeln jedoch noch lange nicht durchschaut hat.
      LG Anne

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