Muss man familienfreundlich sein?

muss man familienfreundlich sein

Wie familienfreundlich muss man als Unternehmen heute sein?

Zwei Jahre waren wir nicht mehr im Spreewald. Es wurde Zeit, mal wieder hinzufahren. Die Osterferien eigneten sich perfekt dafür. Schließlich war es eiskalt und verregnet – super Thermenwetter also! Und so fuhren wir hin, um Tag für Tag in der Spreewaldtherme zu planschen 😉

In den vergangenen Jahren hat sich Einiges verändert. Dank reger Nachfrage ist nicht nur ein Thermenhotel entstanden, sondern auch der Thermenbereich selbst wurde vergrößert. Jetzt ist es noch schöner, denn ein zweiter Kamin wurde angebracht, an dem man sehr gemütlich sitzen kann. Überhaupt gibt es wahnsinnig viele Sitz- und Liegemöglichkeiten. Alles ist noch stylisher. Sogar eine Bar gibt es. Wow.

Was ein wegrationalisiertes Babybecken bedeutet

Allerdings ist eines nun nicht mehr vorhanden, das Babybecken nämlich. Es war ohnehin nicht groß. Ein rundes Becken eben mit einer Rutsche, daneben ein kleiner künstlicher Bachlauf. Doch es war sehr hübsch dekoriert mit Mosaikfliesen, die im Sonnenlicht glitzerten. Ich liebe Mosaikfliesen… Alles verschwunden – zugunsten des oben erwähnten Kaminzimmers.

Das hat mich zunächst nicht weiter berührt. Schließlich sind meine Kinder keine Babys mehr. Sie schwimmen in den großen Becken so wie die Erwachsenen eben. Ein wenig nachdenklich hat es mich trotzdem gemacht, denn dieses Wegrationalisieren des Babybeckens empfinde ich auch als ein Zeichen: eines gegen Familien.

Das Babybecken hätte überhaupt nicht weichen müssen, denn der neue Anbau gewährt genügend Platz für Bar, Gastronomie und Liegen. Ich glaube, man hat den Baby- und Kleinkinderbereich ganz bewusst gestrichen, um sich der eigentlichen Zielgruppe der Therme zu widmen, den kinderlosen Paaren und vor allem den Rentnern.

Rentner sind eine dankbare Klientel. Sie verfügen über das nötige Geld und die Zeit, um Anwendungen wie Massagen in Anspruch zu nehmen. Sie genießen das leckere Essen des Thermenrestaurants (statt sich heimlich geschmierte Brote mitzubringen), bezahlen auch den Extra-Eintritt für die Saunalandschaft (den Kinder i.d.R. nicht mögen). Sie verhalten sich ruhig und achten auf Hygiene, rotzen, spucken und kacken nicht ins Wasser. Bis zu einem gewissen Alter zumindest.

Als Betreiber einer Therme würde ich es genauso machen: alles auf Rentner ausrichten. Scheiß auf Kinder. Familienfreundlichkeit wird überbewertet. Die kleinen Stinker können schließlich auch ins Tropical Island gehen. Oder in irgendein anderes Erlebnisbad. Möglichkeiten gibt’s genug.

Nein, man muss nicht familienfreundlich sein, schon gar nicht als Thermenbetreiber. Doch es gibt genügend Großeltern, die vielleicht auch gerne mit ihren Enkeln die Therme besuchen und sich über einen klitzekleinen Babybereich freuen würden. Überdies sind die Eltern von heute die Rentner von morgen, deren Kinder wiederum werden auch mal alt. Irgendwie kontraproduktiv, wenn man da solch ein Zeichen setzt. Man könnte von einem leichten Imageschaden sprechen.

Überdies hätte es die Spreewaldtherme doch ein müdes Lächeln gekostet, das Babybecken zu behalten. Ich frage mich, weshalb sie es dennoch dem Erdboden gleichgemacht haben. Sind Kinder denn wirklich so schwer zu ertragen?

Wie viel Familienfreundlichkeit darf’s in deinen Augen sein? -Ich freue mich – wie immer – über dein Feedback!

LG Anne!!!


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