Von Ehemuffeln und Fans der Märchenhochzeit

warum heiraten gründe

Auf vielen Hochzeiten war ich bislang nicht zu Gast. In meinem Freundes- und Familienkreis möchte einfach keiner mehr heiraten. Da gibt es sowohl die wenig Bindungsfreudigen als auch die langjährigen Paare, die keinen rechten Sinn im Heiraten sehen. Nicht zu vergessen die ewigen Singles, die selbst hartnäckigsten Verkupplungsversuchen widerstehen. 😉

Gibt es noch gute Gründe für die Ehe?

Ungewöhnlich ist die Abneigung gegen die Ehe nicht. Seit Jahren nimmt die Bedeutung des Heiratens ab. Um die Liebe zu untermauern, entscheiden sich wohl die wenigsten für eine Ehe. Viel eher sprechen praktische Erwägungen dafür. Da geht es zum einen um die Finanzen (Steuern, Krankenkasse, Unterhaltspflicht, Erbansprüche), zum anderen um Rechte, die unverheiratete Paar nicht in dem Maße genießen (zum Beispiel das Sorgerecht, Auskunft von Ärzten, wenn ein Partner schwer erkrankt).

Die meisten der genannten Sachverhalte lassen sich aber auch mit Hilfe von Verträgen und Vollmachten regeln, stehen damit also auch Menschen „in wilder Ehe“ zu. Insofern sind auch die praktischen Überlegungen kein echtes Argument für die Ehe mehr.

Die Ehe als Versorgungsvertrag zwischen Mann und Frau

Tatsächlich war die Institution Ehe einmal dafür gedacht, die Frau zu versorgen. Da diese mittlerweile nicht mehr ausschließlich auf die Kindererziehung und den Haushalt fixiert ist, sondern i.d.R. selbst Geld verdient, ist der eigentliche Zweck der Ehe im Laufe der Zeit verlorengegangen.

Mein Mann und ich haben „es“ trotzdem getan – nachdem wir bereits acht Jahre zusammen waren. Der Grund war alles andere als romantisch: Ich habe mich selbstständig gemacht und wollte bei ihm familienversichert sein. Das war alles. Und das hat auch geklappt. Insofern war es auch eine Art Versorgungsvertrag.

Hochzeit klein oder groß feiern?

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Die Feier haben wir ganz spontan anberaumt und nur die engsten Freunde eingeladen, (Groß-)Eltern, Geschwister und deren PartnerInnen. Eine Märchenhochzeit mit einem Prinzessinnenhochzeitskleid, edlem Ehering (bspw. auf trauring-expert.de) , emporsteigenden Täubchen und Kutsche kam uns nie in den Sinn.

Erst als die Kollegen meines Mannes etwas später heirateten, wurde uns klar, dass wir offenbar echte Paradiesvögel waren. Sie hatten ihr ganzes Erspartes in ihre Hochzeiten gesteckt. Eigentlich auch kein schlechter Grund: Heiraten, um mal richtig groß zu feiern!

Im Grunde ist eine Hochzeit ja wirklich ein schöner Anlass, mal wieder zusammenzutreffen mit der hübsch herausgeputzten Bagage. Allerdings verbinde ich sie auch mit Bedingungen:

Scheitert die Beziehung, können sich unverheiratete Paare blitzschnell und ohne jede Formalität trennen. Ehepaare dagegen müssen sich natürlich ganz offiziell von einem Gericht scheiden lassen, was bekanntlich teuer, langwierig und nervenzerfetzend sein kann. (Quelle: AKTIVonline)

Andernorts finden sich echte Alternativen zur Hochzeit

Wer hierzulande nicht heiraten will, der bleibt einfach ohne Trauschein mit Partner bzw. Partnerin zusammen. Besiegelt wird nichts. Ein wenig unpassend finde ich dabei, dass selbst Paare in fortgeschrittenem Alter ihre Partner „Freund“ und „Freundin“ nennen müssen/können/dürfen. Oder sind dir andere Begriffe geläufig?

In Frankreich hingegen findet seit 1999 eine Art Vorstufe zur Eheschließung regen Zuspruch, der Pacte Civil de Solidarité, Pacs genannt. Mittlerweile feiern auch viele Paare den Pacs wie eine richtige Hochzeit, obwohl er im Gegensatz zur Ehe vieles offen lässt. Will sich das Paar später wieder trennen, ist dies ohne eine Scheidung vor Gericht möglich. Man geht einfach wieder getrennte Wege. Komischerweise liegt die Trennungsrate bei Pacs-Paaren dennoch tiefer als bei Verheirateten!

Trotzdem ist der Pacs ein richtiger Vertrag, der Vieles regelt:

Mit dem Pacs werden sie (die Partner) gemeinsam besteuert. Sie erhalten Besuchs- und Auskunftsrecht, wenn der Partner im Krankenhaus liegt. Und eine Rente, wenn der Partner stirbt. Wer will, kann im Pacs auch ein Testament festlegen. Die Vermögen bleiben aber getrennt. (Quelle: Nido)

Im Gegensatz zur Ehe kann beim Pacs kein gemeinsamer Familienname festgelegt werden. Meiner Meinung nach ist das jedoch ohnehin nicht mehr zeitgemäß. Trotz Eheschließung habe ich meinen Familiennamen behalten – und mein Mann den seinen. Diese Möglichkeit besteht auch in Deutschland.

Deshalb frage ich mich: Weshalb legen immer noch so viele Frauen ihren „Mädchennamen“ ab, um den Familiennamen ihres Gatten anzunehmen?

Ich freue mich auf dein Feedback!

LG Anne!!!



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