Willkommen im Internet: Wo fängt Cyber-Mobbing an?

Ich bin ein echter Blitzmerker: Trends schnappe ich auf, wenn sie wieder abklingen und Diskussionen in den sozialen Netzwerken bekomme ich erst dann mit, wenn jemand Wochen später eine Zusammenfassung darüber schreibt. -Und selbst dann erst, wenn ich sie per PN auf Facebook erhalte, seufz.

Vielen Dank auch an Tanja von Krümel & Chaos, dass du dir die Mühe gemacht hast, mir eben diese Nachricht zu schreiben. Darin enthalten ein Link zur Blogparade vom Familienblog Essential Unfairness und Mamablog Glucke & so, die sich dem Thema Mobbing widmet.

Von Hate-Speech, Shitstorms und Trollen

Ums Mobben ging es also vor einigen Wochen im Elternblog-Kosmos und das vor allem auf Twitter. Nicht nur ums klassische Mobbing, sondern auch um Cyber-Mobbing. Was mich dabei schockiert hat: Ein Großteil der Familienblogger ist bereits zur Zielscheibe verbaler Attacken geworden.

Cyber-Mobbing, da denke ich gleich an Beleidigungen, die in sozialen Netzwerken ausgetauscht werden, auf Neudeutsch auch Hate-Speech genannt, die zum Shitstorm anwachsen kann.

Doch das Cyber-Mobbing, das kürzlich die Familienblogger-Szene aus der Fassung brachte, funktioniert viel subtiler – und trägt daher wohl auch einen so niedlichen Namen: Internettrolle. Wie es sich für einen echten Blitzmerker gehört, kannte ich auch Online-Trolle bislang nicht. Daher bin ich froh, dass Frida Mercury von 2Kindchaos Trolle in ihrem Blog-Post so gut beschrieben hat:

Ein Troll ist eine Person, die im Internet andere Personen auf destruktive Weise stört und die Community durcheinander bringen möchte. Meist ist er in Foren anzutreffen, oft aber auch auf Blogs in den Kommentaren oder auf Twitter und Facebook. Ein Troll geilt sich daran auf, andere zu beleidigen, ohne richtig beleidigend zu werden – er versucht erst subtil, die Party zu crashen, damit er nicht gleich enttarnt wird, bevor er zu härteren Waffen greift. Ein Troll möchte so lange wie möglich Schaden anrichten und Konflikte innerhalb der Community schüren. Was steckt dahinter? Meist Langeweile, Gier nach Aufmerksamkeit, Rachegelüste und oft auch ein sadistischer Charakter.

Ein Beispiel für grenzverletzendes Verhalten

Nicht nur in der Theorie klingt das beunruhigend. Wie ein Troll vorgeht, habe ich euch mal auf Twitter herausgesucht. Hier möchte ich allerdings gleich einwenden, dass ich mir unsicher bin, ob man im folgenden Fall von einem Troll sprechen kann – oder es sich hierbei um eine Form der Kritik handelt.

Zum Hintergrund:

Der Twitterer Caspar zitiert zunächst aus dem Papablog „Mannufaktur“. Damit trifft er genau den Nerv seiner Follower. Also werden seine Tweets auf Kosten des Papabloggers immer dreister. (Um den gesamten Verlauf zu lesen, bitte auf den Tweet klicken.)

Wie Frida in ihrer oben erwähnten Beschreibung von Internettrollen sagt: Von Hate-Speech ist Caspar Welten entfernt. Ich würde es nicht einmal Cyber-Mobbing nennen. Und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass da jemand auf Kosten eines anderen um Aufmerksamkeit buhlt. Er lästert und seine Follower genießen die Schadenfreude. Aber ist das bereits Mobbing?

Caspar nennt es anders. Er spricht von Kritik. Auf Facebook wird er später vom Papablogger Patrick zur Rede gestellt und rechtfertigt sich damit, dass seine Tweets nur scherzhaft gemeint waren. Alles halb so wild. Ach ja, willkommen im Internet übrigens.

Willkommen im Internet. Willkommen im rechtsfreien Raum?

Warum zeige ich euch diesen doch eher harmlosen Verlauf eines Tweets auf? -Weil er mich zum Nachdenken anregte. Darüber, wo Mobbing anfängt. Was muss man hinnehmen? Als Kritik. Als Scherz. Als Spöttelei.

Vielleicht dient dieses Zitat von der EU-Initiative klicksafe.de als Denkanstoß:

Medial ausgetragene Konflikte und Beleidigungen betreffen im Kern die ethische Frage nach unserer Werte- und Lebensorientierung: Wie wollen wir miteinander umgehen? Wie wollen wir zusammen leben? Sind Beleidigungen, Provokationen, Schamverletzung und Grenzüberschreitung an der Tagesordnung muss man sich auch fragen, welchen Einfluss dieses öffentliche Miteinander auf die Wahrnehmung und Meinungsbildung vor allem von Heranwachsenden hat.


Tja, wie wollen wir miteinander umgehen?: Wie im „wahren Leben“, oder? -Höflich und respektvoll (auch gegenüber jenen, die wir nicht sonderlich gut leiden können). Hätte Caspar in einem persönlichen Gespräch mit Patrick dieselben Worte gewählt wie auf Twitter?

Andererseits lacht jeder von uns gern über Witze, die auf Kosten anderer gehen. Sonst hätten Satiriker wie Jan Böhmermann und Olli Schulz keine so große Fan-Gemeinde. Bloß, selbst will natürlich keiner zur Zielscheibe werden. Da hört der Spaß aber auf!

Heulen oder Mitlachen: Wie reagieren, wenn man zur Zielscheibe wird?

Hätte Patrick, der Papablogger, nicht einfach mitlachen können? -Womöglich wäre er in der Gunst von Caspar und dessen Followern gestiegen und hätte noch davon profitieren können?

Meine Güte, ich bin so unschlüssig, was das angeht…, hach. Versuchen wir’s doch mal mit Empathie:

Wäre ich der Adressat von Caspars verbalen Attacken gewesen – ganz ehrlich – mir wäre schlecht geworden. Seine Worte wären mir noch tagelang durch den Kopf gegeistert und hätten mich jedes Mal aufs Neue runtergezogen. Am Ende hätte ich vermutlich die Schuld auf mich genommen: Wer weiß, vielleicht ist mein Blog ja wirklich scheiße. Ich hab’s einfach nicht drauf. Fuck.

Den Mut, mich wie Patrick zur Wehr zu setzen, hätte ich nicht gehabt. Was hat es ihm auch gebracht? -Im besten Sinne Publicity.


Also am besten gar nicht erst auf das reagieren, was Trolle so von sich geben, empfiehlt Frida von 2Kindchaos. Es bringt ja doch nichts, macht die Sache womöglich schlimmer.

Immerhin: Das Netz vergisst verdammt schnell. Nichts ist älter als der Tweet von vor einer Stunde, nicht wahr? 😉

In diesem Sinne, viel Freude beim Twittern und
liebe Grüße,
Anne!!!

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1 Reaktion

  1. 16. November 2016

    […] Top-Elternblogs macht sich Anne Gedanken über das Thema Cybermobbing. Hier findet man ein gute Beispiel für das […]

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