„Das erste Haus baust du für deine Feinde…“

Als Bürohengst beim Hausbau selbst mitanpacken – es funktioniert!

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Fast fertig! Das dreigeschossige EFH von Christine & Familie Foto von Christine Sinterhauf

Wie kann man beim Hausbau eigentlich das meiste Geld sparen? -Indem man das Haus selber baut! Blöd nur, dass die wenigsten von uns über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Dann heißt es wohl doch lieber weiter sparen… Oder man nimmt sich ein Beispiel an Christine:

Die Wirtschaftsfachwirtin und ihr Mann haben viel recherchiert, sich Tipps von Handwerker geben lassen und massig Youtube-Anleitungen angeschaut, um beim Bau ihres Hauses Kosten einzusparen. Selbst den Bauplan haben sie selbst entworfen! Der Rohbau wurde zwar von einer Baufirma geliefert, beim Innenausbau hat das Ehepaar jedoch keine Mühen gescheut. Rückblickend würde Christine dennoch vieles anders machen. Weshalb, verrät sie im Interview:

topE: Du hast mir im Vorgespräch erzählt, dass sowohl dein Mann als auch du Laien wart, was den Hausbau angeht. Deshalb würde ich zunächst gern wissen, welche Berufe ihr gelernt habt bzw. gerade ausübt. Hattet ihr wirklich keinerlei Vorkenntnisse?

Christine: Unsere Vorkenntnisse beschränkten sich damals auf unseren gesunden Menschenverstand und eine relativ schnelle Auffassungsgabe Dinge zu erlernen, was ja auch schon etwas ist. Jeder, der sich mit einem Thema sehr intensiv beschäftigt, lernt in der Regel schnell und kann sich daher vieles selbst zutrauen. Dass die Arbeit dabei viel länger dauert als beim Profi und das Ergebnis nicht immer hundertprozentig perfekt ist, finde ich nicht schlimm. Unsere Erfahrung ist sogar, dass selbst die sogenannten Profis nicht immer gründlich genug arbeiten und unsere Arbeitsergebnisse mit denen der Gelernten durchaus mithalten konnten. Ups, jetzt habe ich doch glatt die Frage noch nicht beantwortet: Mein Mann ist Ingenieur und ich bin Wirtschaftsfachwirtin.

topE: Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, euer Haus bzw. Teile davon selbst zu bauen?

Christine: Natürlich wegen der Kostenersparnis. Glücklicherweise konnten wir von der langjährigen Erfahrung meines Schwiegervaters profitieren, der zum Zeitpunkt unseres Hausbaus schon an fünf Hausbauten beteiligt war (mein Mann hat vier Geschwister). Er wusste daher sehr genau, was die großen Kostenpakete eines Hausbaus sind und welche man unter Eigeneinsatz einsparen kann.

topE: Habt ihr einen Architekten beauftragt, euer Haus und einen dazugehörigen Bauplan zu entwerfen?

Christine: Den Bauplan haben wir selbst erstellt. Es gab damals (2007) schon recht brauchbare Computerprogramme, mit denen man einen Bauplan gut selbst erstellen kann. Als Vorlage diente uns damals der Bauplan vom Bruder meines Mannes, der ein Jahr vor uns gebaut hatte. Mit diesem gingen wir dann zu unserer Baufirma, die wir mit dem Rohbau beauftragten. Dort wurden dann (wahrscheinlich von einem Architekten) die eigentlichen Baupläne erstellt. Unser Bauplan war damals so genau, dass der Architekt kaum noch große Änderungen vornehmen musste. Lediglich einen Stahlträger mussten wir ins erste Obergeschoß einziehen lassen, der Statik wegen. Hier und da ein paar kleinen Änderungen gab es noch, aber alles in allem benötigte der Architekt viel weniger Zeit, als wenn wir die Pläne komplett in Auftrag gegeben hätten. Wer weiß, was eine Architektenstunde kostet, kann hier schon einmal viel Geld einsparen. Das war auch die einzige Arbeit, für die wir einen Architekten benötigt haben.

topE: Was genau habt ihr selbst in die Hand genommen?

Christine: Eigentlich gar nicht so wahnsinnig viel. Eben das, was man als Laie gut selbst machen kann. Vor den Vertragsunterzeichnungen haben wir mit unserem Rohbauer und allen anderen Handwerksmeistern gesprochen und darüber verhandelt, welche Arbeiten wir bei den einzelnen Gewerken gut selbst übernehmen können. Bei fast allen Gewerken kann man als Laie Handlangerarbeiten erledigen, z.B. aufwändige Spachtelarbeiten beim Verputzer oder Bodenisolierungen verlegen beim Heizungsbauer usw. Diese Eigenleistungen senkten deutlich die Arbeitsstunden der Handwerker, die ja auch nicht immer billig sind. Bei einigen Handwerkern konnten wir komplette Leistungen aus den Verträgen streichen und selbst übernehmen z.B. die Abdichtung der Duschwanne oder der Einbau der Badewanne. Und manche Handwerkerarbeiten übernahmen wir komplett selbst, wie das Fliesen. Das Gewerk des Fliesenlegers kostet im Verhältnis zum Arbeitsaufwand viel Geld und diese Arbeit ist mit ein bisschen Übung wirklich nicht schwer.

Wir haben den Rohbau an eine Baufirma vergeben (mit Dach – nicht isoliert), hatten einen Installateur für Heizung und Sanitär, einen Elektriker, einen Verputzer (für innen und außen), einen Türen- und Fensterbauer, einen Spengler und eine Firma für den Estrich. Für die Außenanlage benötigten wir noch einmal einen Baggerfahrer für größere Erdbewegungen und einen Handwerker für Pflasterarbeiten, bei denen wir ebenfalls mithalfen. Alles andere haben wir selbst in die Hand genommen inkl. Bauleitung. Nur für den Rohbau hatten wir einen Bauleiter.

Zwischen Bodenplatte und Einzug lagen genau 6 Monate (viel zu kurz nach meiner Meinung) und zum Einzug waren zwei Stockwerke fast einzugsfertig (da der Estrich leider nicht planmäßig trocknete, mussten wir zwei Monate mit Kunstrasen in einigen Wohnräumen leben).

Das Dach (unser heutiges Elternschlafzimmer) wurde in den folgenden zwei Jahren von uns selbst ausgebaut und den Keller (mit Einliegerwohnung) nehmen wir in diesem Jahr (acht Jahre nach Einzug) in Angriff.

topE: Habt ihr euch zeigen lassen, wie man das macht, oder im Internet/in Fachbüchern nachgelesen?

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Foto von Christine Sinterhauf

Christine: Wie schon erwähnt, kann man vieles erlernen, wenn man sich für etwas interessiert und sich intensiv damit beschäftigt. Dank Internet (vor allem Youtube) haben wir uns viele Arbeitsschritte bis ins Detail zeigen und erklären lassen. Vor jeder neuen Aufgabe waren wir stundenlang im Internet unterwegs. Aber auch die Handwerker selbst gaben uns oft hilfreiche Tipps. Natürlich profitierten wir auch von den Geschwistern meines Mannes, die alle schon vor uns gebaut hatten und Selbstbauerfahrung vorweisen konnten.

topE: Viele interessiert ja besonders die Kostenersparnis, wenn man ein Haus selber baut. Hast du mal nachgerechnet, wie viel Geld ihr unter Einsatz eurer Muskelhypothek gespart habt?

Christine: Konkret nachgerechnet habe ich es nicht, da wir ja nur die tatsächlichen Materialkosten hatten und die nicht angefallenen Arbeitsstunden der Handwerker und die des Rohbauers nur grob gerechnet werden können. Alles in Allem schätzen wir die Kostenersparnis bei unserem Hausbau jedoch auf 20 bis 25 Prozent zum schlüsselfertigen Bau. Bei schlüsselfertigen Häusern muss man mindestens mit 20 Prozent Aufschlag bei den Baufirmen rechnen, die ja auch von etwas leben wollen, und der Architekt, der dann die Bauleitung übernimmt, ist hierbei sicherlich der höchste Kostenpunkt.

topE: Waren eure Kinder mit auf der Baustelle? Wie haben sie die Zeit des Hausbaus erlebt?

Christine: Unsere Kinder waren während der Bauphase 3 und 5 Jahre alt. Die Bauzeit ging an den Kleinen eigentlich gänzlich vorbei. Die meiste Zeit haben die beiden im Hort und bei meiner Mutter verbracht und somit recht wenig vom eigentlichen Baugeschehen mitbekommen. Auf die Baustelle haben wir sie sehr selten mitgenommen, da sie zum Verstehen der Sache eigentlich noch viel zu klein waren. Erst zum Schluss, als man schon ein wenig mehr sehen konnte, haben wir ihnen ihre zukünftigen Kinderzimmer gezeigt, worauf unser Sohn sofort meckerte, dass sein Zimmer so hässlich sei – zu diesem Zeitpunkt war das Zimmer noch komplett kahl – und warum er denn keine Möbel bekäme.

topE: Hat der durch den Hausbau verursachte Stress eure Partnerschaft eher gestärkt oder geschwächt?

Christine: Auf jeden Fall gestärkt. Schon vor diesem Projekt durften wir einen nicht ganz gewöhnlichen Lebensabschnitt zusammen erleben (wir waren mit unseren beiden kleinen Kindern ein Jahr lang auf Weltreise), der unseren Familienzusammenhalt enorm, und Gott sei Dank positiv, beeinflusst hat. Ich finde, gerade in nicht ganz einfachen oder gewöhnlichen Lebensabschnitten zeigt sich die Qualität einer Beziehung.

topE: Wenn du heute zurückblickst, würdest du etwas anders machen?

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Foto von Christine Sinterhauf

Christine: Sehr vieles sogar. Auch wenn sich meine bisherigen Baubeschreibungen ganz locker und easy anhören, so war dies bei Leibe überhaupt nicht so. Im Nachhinein würde ich ganz sicher vieles anders machen, angefangen bei der Größe des Hauses, über das Heizungssystem bis hin zum Innenausbau. Unsere Hütte hat zudem einige Schönheitsfehler und sogar richtige Mängel, zum einen aus eigener Unwissenheit und Unvermögen heraus, und zum anderen aufgrund von Fehlern der Baufirma und Handwerker.

Was mich beispielsweise bis heute sehr ärgert sind die dunkelbraunen Fliesen, die wir in Küche und dem kompletten Treppenhaus gelegt haben. Damals waren diese kaffeebraunen Fliesen sehr gefragt und ich fand sie superschick. Leider sieht man auf solchen Fliesen jedes einzelne Staubkorn und somit sieht unser Treppenhaus bis heute immer irgendwie schmuddelig aus. Da kommt man mit dem Wischen gar nicht hinterher und ich habe es bereits aufgegeben. Wie gesagt, darüber könnte ich mich bis heute schwarz – oder sozusagen kaffeebraun – ärgern.

Es gibt eine schöne Hausbauer-Weisheit, der ich nach unserem eigenen Hausbau nur zustimmen kann:

„Das erste Haus baust du für deine Feinde, das zweite für deine Freunde und das dritte für dich selbst.“

topE: Was empfiehlst du Leuten, die ebenfalls planen, den Hausbau selbst in die Hand zu nehmen, obwohl sie keine gelernten Handwerker sind?

Christine: Es ist sehr vieles selber machbar, wenn man seine eigenen Ansprüche nicht zu hoch ansetzt. Wer allerdings zum Perfektionismus tendiert und einen Prachtbau als Statusobjekt braucht, der sollte dafür auch das nötige Geld in die Hand nehmen, damit es den gehobenen Ansprüchen genügt (aber auch dann – verspreche ich – wird nicht alles perfekt sein!). Doch wozu braucht man das?

Wir haben es in unserer unmittelbaren Umgebung mehr als einmal erlebt, dass junge Familien Prachtvillen hingestellt haben und kaum war das Schloss fertig, haben sich die Eltern getrennt, zum Leidwesen der meist noch jungen Kinder. Die meisten Menschen stecken in einen Hausbau meiner Meinung nach viel zu viele Emotionen. Es soll etwas für die Ewigkeit geschaffen werden, das einem selbst gehört und das man auch noch bewundernswert herzeigen kann. Meistens gehört das Objekt jedoch über viele, viele Jahre der Bank und genau das belastet viele Hausbesitzer enorm. Kein Haus der Welt ist es wert, dass man sich sein halbes Leben lang bis über beide Ohren verschuldet. Was bringt mir die schönste Hütte, wenn ich mich über viele Jahre finanziell in eine Zwangsjacke stecke, aus der ich nicht mehr herauskomme? Das Eigenkapital und die Finanzierung müssen aus meiner Sicht so gestaltet sein, dass man nach allerspätestens zwanzig Jahren (besser 12-15 Jahren) wieder schuldenfrei ist. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema, über das man stundenlang reden könnte.

Wir haben ein kleines, einfaches und eher bescheidenes Haus gebaut, das keinesfalls perfekt ist, uns aber ein behagliches Heim bietet. Wir haben einiges selbst gemacht und dadurch ein bisschen Geld gespart, das wir so nicht finanzieren mussten und welches uns heute nicht mehr belastet.

Da sicher nur solche Häuslebauer auf den Gedanken kommen selbst Hand anzulegen, die von Haus aus ein gewisses handwerkliches Geschick mitbringen, muss man denen eigentlich keine konkreten Tipps an die Hand geben. Mit Eigeninteresse und viel Beharrlichkeit erzielt man sicherlich ein akzeptables Ergebnis, auch wenn man kein Handwerker ist. Beim Fliesen zum Beispiel kann man ja zum Üben im Keller anfangen und bis man mit viel Ruhe, Zeit und Genauigkeit im Dach angekommen ist, kann man am Ende fast das gleiche Ergebnis vorweisen wie ein gelernter Fliesenleger…


…Das nötige Selbstvertrauen verausgesetzt! Um ehrlich zu sein, kann ich mir nämlich immer noch nicht vorstellen, selbst Fliesen zu verlegen. Deshalb habe ich allerallergrößten Respekt vor deiner Leistung, Christine! Vielen lieben Dank für Interview!!!

Eine Anleitung zum Selberbauen kann ich zwar nicht liefern, aber vielleicht habe ich dem einen oder anderen eine Anregung gegeben, beim Hausbau mehr zu tun, als nur das Geld hinzublättern.

Das Projekt eigener Hausbau wird nämlich erst dann zur lebensbereichernden Erfahrung, wenn man sich selber daran beteiligt hat. Klar, das kostet Schweiß und möglicherweise auch Blut, aber man weiß hinterher, was man gemacht hat!

Meine Buchempfehlung:


Das 1×1 des Hausbaus

Das erste eigene Haus zu bauen ist immer ein spannendes Abenteuer, bei dem es viel zu beachten gibt: Für welches Haus entscheiden wir uns? Welche Dachform bietet welche Vor- und Nachteile, welches Heizsystem ist für uns das geeignetste?…

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