Artikel aktualisiert am 23.06.2026
Alternativen zur Erschließung eines Grundstücks finden
Die Gründe, weshalb ein Grundstück nicht erschlossen werden kann, sind vielfältig. Der eine möchte schlicht Erschließungskosten sparen, der andere will autark leben – und wieder andere erwerben ein Grundstück, das nicht erschlossen werden kann, zum Beispiel weil es im Außenbereich einer Gemeinde liegt.
Gerade wenn man ein Wochenendgrundstück nur in den warmen Monaten nutzt, das Häuschen oder der Bauwagen also nicht geheizt werden muss und man seine Ansprüche auch sonst herunterschraubt, gibt es durchaus brauchbare Alternativen zur Erschließung mit den Medien Gas, Wasser/Abwasser, Strom und Telefon/Internet. Die Kosten für die Erschließung können sich nämlich leicht auf bis zu 10.000 Euro summieren.
Wasser/Abwasser
Bewässerung mit Hilfe von Gartenpumpen oder Regenwasser
Ich gehe davon aus, dass man sein Wochenendgrundstück bzw. das Ferienhaus darauf nicht dauerhaft nutzt. Tatsächlich ist das Wohnen im Außenbereich bzw. auf einem Erholungsgrundstück untersagt. Insofern kann man für den Eigenverbrauch übers Wochenende Trinkwasser auch in Form von Mineralwasser mitbringen. Für längere Aufenthalte ist dies allerdings nciht praktikabel. Hier bieten sich eher Trinkwasserfilter, eine UV-Aufbereitung oder größere Frischwassertanks an.
Zur Bewässerung des Gartens oder das Füllen eines Planschbeckens werden ebenfalls größere Mengen Wasser benötigt. Ohne Wasseranschluss auf dem Grundstück hast du folgende Alternativen:
- Brunnen errichten: Pumpe/Brunnenförderpumpe setzen lassen
- Regenwasser sammeln
Die Preisspanne bei allen Varianten ist enorm, denn die Angebote reichen von manuell betrieben bis hochautomatisiert.
Für mein (geplantes) Kleingartenprojekt reichen allerdings die „primitiven“ Methoden, weshalb ich mich hier auf ebendiese beschränke.
Brunnen errichten für Gartenpumpe
Zunächst sei erwähnt, dass das Errichten eines Brunnens einer Anzeige bedarf. Das heißt, die Wasserbehörde möchte über das Vorhaben informiert werden, um zu prüfen, ob eine wasserbehördliche Genehmigung erforderlich ist. Das entsprechende Formular gibt es bei der Stadtverwaltung bzw. kann dort erfragt werden. Insbesondere in Trinkwasserschutzgebeiten ist die Wasserentnahme streng reglementiert – und häufig sogar verboten.
Ist der Brunnen von der Brunnenbaufachfirma mit Hilfe eines Bohrturms errichtet worden, so ragt als Ergebnis ein Wasserhahn aus dem Rasen. Mit einem klassischen Brunnen hat das wenig zu tun, zur Wasserentnahme ist es aber optimal.
Die Kosten beginnen bei rund 1000€ – je nach Bohrtiefe und Bundesgebiet bzw. den Bodenmerkmalen (sandig, lehmig) gibt es preislich allerdings erhebliche Unterschiede. Diese Zahlen können Stand 2026 je nach Region deutlich höher liegen.
Zu den laufenden Kosten sei gesagt: Die Wasserpumpe verbraucht Strom. Da das Wasser nicht einfach so aus dem Boden sprudelt, bedarf es zusätzlich einer Gartenpumpe, die einen Motor enthält. Hier sind etwa 200€ Anschaffungskosten einzuplanen. Außerdem soll die Menge des privat gezapften Wassers den Wasserbetrieben per Wasseruhr angezeigt werden, damit die Abwasserkosten in Rechnung gestellt werden können. Wird Brunnenwasser ausschließlich zur Gartenbewässerung genutzt, fallen vielerorts jedoch keine Schmutzwassergebühren an.
Zum Vergleich: Die Kosten für einen Wasseranschluss (Wasser/Abwasser), der von einem Wasserbetrieb hergestellt wird, liegen ebenfalls bei etwa 2000€. Hier kommen aber noch die Meterkosten für die Leitungen u.a. hinzu, sodass Gesamtkosten von über 5000€ anfallen können. Auch diese Zahlen können heute je nach Region deutlich höher liegen.
Fällt genug Regen?
…muss man sich fragen, wenn man erwägt, statt einer Wasserpumpe einfach Regenwasser zur Bewässerung einzusetzen. Regenwasser lässt sich über Dachflächen sammeln und in Tanks speichern. Moderne Filtersysteme und automatische Pumpen erleichtern die Nutzung des Wassers für Gartenbewässerung, Reinigung oder andere Zwecke erheblich. Dennoch sollte beachtet werden, dass Regenwasser ohne entsprechende Aufbereitung in der Regel nicht als Trinkwasser geeignet ist.
Viele Regentonnen sind direkt mit dem Fallrohr des Hausdachs verbunden. Wer kein Haus auf dem Grundstück hat, kann sie deshalb nicht nutzen.
Für Insekten, die ihre Larven(-eier) gern ins Wasser legen, sind Wassertonnen natürlich eine hervorragende Brutstätte: An Schutzvorkehrungen denken!
Notdurft verrichten: auf der Toilette ohne Wasser (-anschluss)
Es gibt mehrere Alternativen zur klassischen Wasserspülung. Eine Toilette muss also nicht notgedrungen einen Zugang zur Kanalisation haben.
- Plumpsklo
- Chemietoilette
- Trockentoilette
- Komposttoilette
Ich möchte auf die letzten beiden Toiletten ohne Abfluss / Wasseranschluss näher eingehen, da sie mir am komfortabelsten erscheinen:
Tatsächlich haben sich gleich mehrere Firmen auf Kompost- oder Trockentoiletten spezialisiert. Zumeist kommen sie aus Skandinavien, wo die Nutzung von Toiletten ohne Wasser offenbar zum Standard gehört. Die Preise reichen von knapp 100€ bis weit über 1000€. Als Käufer hat man also die Qual der Wahl.
Um sich im Dschungel der Angebote besser zurechtzufinden, lautet eine Faustregel:
- Trockentoiletten/Streutoiletten benötigen keinen Strom
- Komposttoiletten werden oft mit Strom betrieben
Beide Varianten werden ohne Wasserspülung betrieben. Stattdessen werden die Fäkalien bspw. mit Rindenmulch bedeckt und kompostiert. Später können sie dann auf dem Kompost oder als Dünger entsorgt werden.
Komposttoiletten benötigen oftmals Strom, weil sie der besseren Kompostierbarkeit halber beheizbar sind. Darüber hinaus verfügen sie über eine Ventilator betriebene Entlüftung, die bei täglichem und kontinuierlichem Gebrauch ziemlich viel Strom zieht.
Weiterhin sollten Interessenten in ihre Kalkulation einplanen, dass sowohl Kompost- als auch Trockentoiletten laufende Kosten verursachen (Strom, Mulch).
Zwar sind beide Toilettenarten umweltfreundlich, ihr eindeutiger Nachteil gegenüber dem klassischen Wasserklo besteht allerdings darin, dass sie regelmäßig entleert werden müssen – egal wie teuer sie in ihrer Anschaffung gewesen sind und wie modern sie arbeiten.
Dennoch steht hiermit fest: auf eine komfortable Toilette im Garten muss dank der o.g. Alternativen nicht verzichtet werden.
Übrigens: Wer auch im Garten nicht auf die Körperhygiene verzichten will, es gibt auch Außenduschen/Gartenduschen. Diese sind schon ab unter 100€ zu haben und werden teils sogar mit Solarstrom betrieben.
Stromversorgung: Autark dank Photovoltaik
Wer heute ein Wochenendgrundstück möglichst unabhängig nutzen möchte, hat deutlich mehr Möglichkeiten als noch vor einigen Jahren. Besonders im Bereich der Energieversorgung haben sich die technischen Möglichkeiten stark weiterentwickelt. Kleine Photovoltaikanlagen mit Batteriespeicher ermöglichen es inzwischen, Beleuchtung, Kühlgeräte, Ladegeräte oder kleinere Elektrogeräte zuverlässig mit selbst erzeugtem Strom zu versorgen. Dadurch kann in vielen Fällen auf einen teuren Stromanschluss verzichtet werden.
Siehe: Wie gewinnt man eigentlich Strom – ohne Stromanschluss?>>
Bereits Anlagen mit einer Leistung von etwa 300 bis 800 Watt und einem Batteriespeicher zwischen 1 und 3 Kilowattstunden reichen für die typische Nutzung eines Wochenendgrundstücks oft aus. Solche Systeme können je nach Ausstattung zwischen etwa 800 und 3.000 Euro kosten. Für einen höheren Strombedarf, beispielsweise bei mehreren Kühlgeräten, Wasserpumpen oder häufig genutzten Elektrogeräten, sind entsprechend größere Anlagen erforderlich.
Typische PV-Inselanlagen für Wochenendgrundstücke
- 300–500 Watt Modulleistung: ausreichend für LED-Beleuchtung, Smartphone-Ladung, Radio und kleine Verbraucher.
- 600–800 Watt Modulleistung: zusätzlich geeignet für Kühlschrank, Laptop und gelegentliche Nutzung kleiner Elektrogeräte.
- Batteriespeicher 1–3 kWh: typische Größe für Wochenendnutzung.
- Kosten: etwa 800–3.000 Euro für Komplettsysteme.
- Montage: häufig in Eigenleistung möglich.
- Genehmigungen: meist unkompliziert, sofern keine Verbindung zum öffentlichen Stromnetz besteht.
Fazit
Vor dem Kauf eines Grundstücks empfiehlt es sich außerdem, die rechtlichen Rahmenbedingungen genau zu prüfen. Nicht jedes Wochenendgrundstück darf dauerhaft bewohnt oder beliebig bebaut werden. Bebauungspläne, Naturschutzbestimmungen und kommunale Vorschriften können die Nutzungsmöglichkeiten einschränken. Wer beispielsweise den Aufbau eines Tiny Houses oder eine längere Nutzung als Wohnsitz plant, sollte sich frühzeitig bei der zuständigen Behörde über die geltenden Regelungen informieren.
Mit einer sorgfältigen Planung und der Kombination verschiedener Versorgungslösungen lässt sich heute ein hoher Grad an Unabhängigkeit erreichen, ohne auf grundlegenden Komfort verzichten zu müssen.

