Interview mit „Einer schreit immer“

1. Dezember 2014

„Das Bloggen sollte immer eine Herzensangelegenheit sein“

Anneliese Attersee, Gründerin des Blogs „Einer schreit immer“ im Interview

einer-schreit-immerEin Mamablog ist es. Vielleicht kein ganz typisches, doch immerhin schreibt hier eine Mutter, genauer gesagt eine Zwillingsmutter. Denn Anneliese Attersee, die das Blog „Einer schreit immer“ im Juli diesen Jahres ins Leben rief, hat selbst Zwillinge, weiß also ganz genau, wovon sie „selbsttherapeutisch“ berichtet.

Ja, so ein aufreibender Alltag will verarbeitet werden. Dass dabei unheimlich lustige Texte entstehen, und vor allem auch sehr abwechslungsreiche Themen bearbeitet werden, verwundert da kaum. Doch „Einer schreit immer“ soll, wenn es nach Anneliese geht, nicht nur unterhaltsam sein, sondern auch informativ. Anneliese will hochwertige Antworten geben auf alles, was Zwillingsmütter bewegt. Dabei greift sie nicht nur auf ihre eigenen Erfahrungen zurück, sondern interviewt immer wieder Gleichgesinnte, stellt andere BloggerInnen vor und fragt auch mal ihre LeserInnen um Rat.

Humor und praktische Informationen schließen sich auf „Einer schreit immer“ nicht aus – ein Rezept, das das Blog schon nach einem knappen halben Jahr nach seiner Gründung zu einem sehr erfolgreichen Mom Blog macht.


 

topE: Wann hast du deinen Blog ins Leben gerufen und welche Maßnahmen hast du als erstes ergriffen?

Anneliese: Der Blog ist relativ neu – er wurde im Juli 2014 aufgesetzt. Eigentlich war es eine Notfallaktion: Man hat mich Anfang des Jahres gefragt, ob ich für GMX und WEB.de eine Zwillings-Kolumne machen möchte. Das habe ich getan. Und die war gleich von Beginn an ziemlich erfolgreich. So musste ich dann eigentlich einen Blog aufsetzen, um meinen LeserInnen noch mehr Inhalte und noch mehr Unterhaltung zu bieten. Der Blog hat sich eigentlich so nebenbei ergeben. Ich bin sehr dankbar, dass ihn einige Leute gerne lesen.

topE: Dein Mann betreut deinen Blog, heißt es auf deiner Website. Er liest also auch fleißig mit?

Anneliese: Lesen ist so eine Sache – er bietet mir oft Stoff für Blog-Texte. Männer eben…. Und er ist immer wieder überrascht, was ich aus unserem Alltag mache.

topE: Deine Texte wirken auf mich sehr professionell. Welchen beruflichen Hintergrund hast du?

Anneliese: Ich bin klassische Germanistin. Hatte mit Online nur sehr wenig am Hut und lerne jeden Tag Neues. Ich wusste bis vor kurzem ja nicht einmal, was eine Blogparade ist…. Schräg, oder? Das Bloggen ist eigentlich wie der Alltag als Zwillingsmutter: Man lernt nie aus….

topE: Du hast dich innerhalb kürzester Zeit in der Blogosphäre erfolgreich etabliert: Wie hast du das angestellt?

Anneliese: Das war einfach Glück. Ich hatte ja in Wirklichkeit keine Ahnung von dem, was ich tue. Geholfen hat sicher, dass die Zwillingsmamas meine Texte mögen. Ich glaube, ich kenne einfach ihre Probleme. Wir sitzen ja alle in einem Boot und ich weiß, was Zwillingsmütter Tag für Tag erleben. Darüber schreibe ich – manchmal sogar witzig. Es ist doch schön, wenn der Alltag aufgelockert wird, oder?

topE: Welche Stolpersteine hält das Bloggen bereit, vor denen du Neublogger nur warnen kannst?

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der Facebook-Auftritt von „Einer schreit immer“

Anneliese: Pfuh – ich bin bisher noch nicht gestolpert. Ich kann jedenfalls empfehlen, dass sich Blogger auf Twitter und Facebook tummeln. Ich hatte bisher wenig Erfahrung mit Twitter, aber schön langsam kippe ich da hinein. Man kann sich dort toll vernetzen und lernt viele andere spannende Blogs kennen. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen und bin sehr dankbar für die Tipps, die mir Kollegen dort gegeben haben. Ohne diese Tipps wäre alles viel schwieriger. Blogger sind tolle und offene Menschen. Ich sage an dieser Stelle ein herzliches „Danke“!

topE: Welche Meilensteine willst du noch mit deinem Blog erreichen?

Anneliese: Ich überlege T-Shirts mit dem Logo von „Einer schreit immer“ zu verkaufen. Es wäre lustig, wenn ich jemanden damit auf der Straße antreffen würde. Das wäre ein Meilenstein für mich. 🙂

topE: Dein Blog läuft völlig werbefrei. Welche Gründe gibt es hierfür?

Anneliese: Naja… Ich möchte mich nicht verkaufen. Wenn ich ein Produkt anpreise, dann muss ich völlig dahinter stehen. Es muss praktisch und hochwertig sein und für Zwillingsmütter einen Sinn machen. Wenn ich Werbung schalte, dann muss es für mich passen. Das bin ich meinen LeserInnen schuldig. Nachdem ich keinen Zeitdruck mit der Monetarisierung habe, lote ich noch verschiedene Möglichkeiten aus und prüfe Kooperationen genau.

topE: Hast du gewisse Pläne für deinen Blog?

Anneliese: Ich habe kürzlich eine Umfrage gemacht, welchem Beruf meine Blog-Leserinnen vor der Elternzeit nachgegangen sind. Und whow – das sind alles wahnsinnig tolle Frauen! Erzieherinnen, Kinderärztinnen, Trageberaterinnen, Pädagoginnen – ich möchte dieses Netzwerk für den Blog nutzen. Und beispielsweise eine Rubrik: Fragen Sie Kinderärztin XYZ einrichten. Der Blog soll ja nicht nur unterhaltend sein, sondern auch hochwertige Antworten auf häufige Fragen geben, die Zwillingsmütter eben bewegen. „Einer schreit immer“ ist eine Mischung aus praktischen Informationen und satirischen Überlebenstipps für Zwillingseltern.

topE: Blogs kommen und gehen. Was rätst du Bloggern, denen die Puste auszugehen droht?

Anneliese: Das Bloggen muss Spaß machen – sonst hat es keinen Sinn. Ich sehe es als Selbsttherapie, damit ich den Alltag als Zwillingsmama verarbeiten kann. Wer das Bloggen als MUSS sieht, wird nicht erfolgreich sein. Es sollte immer eine Herzensangelegenheit sein….