Anonym Bloggen: (Wie) Ist das möglich?

anonym bloggen

Ein komisches Gefühl beschleicht bestimmt viele, die ein neues Blog ins Leben rufen und zum ersten Mal ihren Namen inklusive der persönlichen Adresse angeben und damit öffentlich zugänglich machen.

Diese Angaben sind laut Telemediengesetz nämlich unbedingt erforderlich, wenn man „zur Meinungsbildung“ beiträgt und hierfür Veröffentlichungen vornimmt – zum Beispiel auf einem Blog.

Der Grund: Falls es zu einem Gesetzesverstoß kommt, braucht der Gesetzgeber eine „ladungsfähige Adresse“. Wer hingegen nichts im Impressum angibt, riskiert eine Abmahnung! Und glaub‘ mir, es gibt garantiert unzählige Anwälte, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben…

Warum überhaupt anonym bloggen?

Auf topElternblogs verblogge ich selten mein Privatleben. Insofern finde ich es es auch überhaupt nicht schlimm, dass jeder im Impressum sehen kann, wer für meine Inhalte verantwortlich ist (nämlich ich). Anders sieht es da bei Leuten aus, die vornehmlich über ihr Familienleben schreiben, Erlebnisse mit Freunden und Bekannten und öffentlichen Institutionen verbloggen – oder sogar private Fotos posten.

Wieder andere bewegen sich in Nischen des Internets, die nicht von allen Mitmenschen toleriert werden, produzieren bissige Satire, geben Sextipps oder oder oder 🙂

Dass sie ungern ihre Identität preisgeben, kann ich bestens nachvollziehen. Deshalb habe ich mich gefragt, ob es nicht trotzdem möglich ist, (halbwegs) anonym zu bloggen. Autoren dürfen schließlich auch anonym schreiben, indem sie bspw. unter Pseudonym veröffentlichen.

1) Einbindung des Impressums als Grafik

Dies bietet sich für Leute an, die nicht über Suchmaschinen gefunden werden wollen. Möglicherweise haben sie verschwiegen, dass sie bloggen, eben weil sie nicht möchten, dass ihr soziales Umfeld davon weiß. Dieses soll aber nicht per Zufall auf dem privaten Blog landen (Wer googelt denn bitte nicht seine Nachbarn? 😛 ).

Du erstellst also eine Grafik (ganz simpel zum Beispiel mit Hilfe eines Screenshots der Textangaben) und bindest diese im Impressum ein.

Hier sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass diese Methode umstritten ist! Ich habe in diversen Foren und bei den unterschiedlichsten Rechtsberatern recherchiert mit dem Ergebnis: Zu diesem Thema gibt es noch kein Urteil, also keine klare Haltung. Juristen raten von einer Impressumsgrafik ab, weil sie z.B. von Blinden nicht „ausgelesen“ werden kann. Insofern ist das Impressum nicht barrierefrei verfügbar.

Andere wiederum behaupten, dass Grafiken nicht immer geladen und angezeigt werden können. Der Seitenbetreiber sei folglich nicht immer erreichbar. Ich persönlich denke, dass man dies durch das Einbinden eines Kontaktformulars ins Impressum lösen kann. Aber ich bin ja keine Juristin…

2) Impressum mittels robots.txt schützen

Hierfür fügst du einfach den Meta-Tag <meta name=„robots“ content=„noindex“> in dein Impressum ein. Das hält Suchmaschinen davon ab, dein Impressum zu scannen.

Ist dein Impressum allerdings schon registriert, kann es eine Weile dauern, bis Suchmaschinen dein Blog erneut crawlen und den „noindex“-Hinweis registrieren. Bis dahin bleibt dein Impressum im Cache der Suchmaschinen sichtbar.

3) Alias verwenden

Dass du im Impressum keine falschen Angaben machen darfst, ist klar. Doch immerhin kannst du unter einem Alias-Namen bloggen, dir also einen anderen „Spitznamen“/Nickname geben.

Vornehmen kannst du die Änderung bei WordPress unter „Nutzer“ > „Dein Profil“ > „Öffentlicher Name“

4) kostenlose Blog-Software verwenden

Wenn du tatsächlich darüber nachdenkst, auf ein Impressum zu verzichten, solltest du konsequenterweise auch auf einen Freehoster zurückgreifen. Damit verwendest du einen Blog unter zum Beispiel wordpress.com-Adresse oder blogspot-Domain.

Damit hast du den Vorteil, dass du nicht als Seitenbetreiber bei der Denic gelistet bist – und somit auch nicht über eine WhoIs-Abfrage gefunden wirst.

5) Auf Bilder verzichten – oder anonymisieren

Eigene Aufnahmen verraten viel über den Urheber – insbesondere Fotos von Familienmitgliedern, Freunden, nicht zu vergessen Selfies… Willst du wirklich anonym bloggen, verzichte daher unbedingt auf die Veröffentlichung solcher Bilder!

Aber auch unpersönliche Fotos enthalten Daten, die Rückschlüsse auf dich zulassen. Es ist deshalb ratsam, diese Daten zu löschen bzw. das Bild anderweitig zu verschlüsseln. Wie du dabei vorgehst, wird in diesem Artikel beschrieben>>


Pficht ist Pflicht

Alles in allem sind das alles natürlich nur Tricks, um die knallharten Fakten ein wenig zu verschleiern. Leider kommt man um die Impressumspflicht nicht herum. So leid es mir wirklich tut, Name und Adresse gehören folglich auf dein Blog. Immerhin deine Telefonnummer ist nicht zwingend erforderlich (siehe hier>>).

Generell solltest du stets mit Bedacht an Veröffentlichungen privater Inhalte gehen. Das bezieht sich nicht nur auf dein Blog, sondern auch auf deine Accounts bei Sozialen Netzwerken oder die Weitergabe deiner eMail-Adresse(n). Sein Blog-Impressum geheimzuhalten, aber im Gegenzug keinen Gedanken an sonstige Datenschutzmaßnahmen zu verschwenden, wird deiner Privatsphäre nicht zuträglich sein.

Um zu erkennen, ob eine Anonymisierung deiner Daten überhaupt erforderlich ist, solltest du dich fragen, ob dir irgendwelche Nachteile daraus erwachsen, wenn du unter deiner wahren Identität bloggst. Wirst du verfolgt oder riskierst du durch deine Veröffentlichungen eine Bedrohung privater oder beruflicher Natur?

Offen gesagt, die wenigsten von uns sind Kriegsreporter, obwohl sich einige an der Familienfront bestimmt so fühlen… 😉 Lass echte Gefühle sprechen – unter wahrer Identität. Das kommt immer noch am besten an. Und am Ende heimst du dafür auch noch die Lorbeeren ein!

LG Anne!!!

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