Günstig bauen mit Holz: Taugen Blockhäuser für die Bauwende?

Im Rahmen der Bauwende rückt der Baustoff Holz wieder verstärkt in den Fokus. Häuser aus Holz stehen für nachhaltiges, naturnahes Wohnen, für ein behagliches Raumklima und für eine Bauweise, die auf einen der ältesten und zugleich modernsten Baustoffe der Welt setzt. Was lange vor allem mit Ferienhäusern oder skandinavischem Charme verbunden wurde, wird heute neu gedacht – technisch ausgereift, energieeffizient geplant und architektonisch vielseitig. In Zeiten steigender Baukosten und einer dringend notwendigen Bauwende lohnt sich daher ein genauer Blick. Können Holzhäuser nicht nur Atmosphäre schaffen, sondern auch wirtschaftlich und baurechtlich überzeugen? Und entwickeln sie sich womöglich zu einer ernsthaften Alternative zum klassischen Massivhaus?
Was macht ein Blockhaus aus?
Das Grundprinzip eines Blockhauses ist einfach – und jahrhundertealt: Die tragenden Außenwände bestehen aus waagerecht aufeinandergeschichteten Holzbohlen. Je nach System kommen massive oder mehrschichtig verleimte Bohlen zum Einsatz, meist aus Fichte, Tanne oder Lärche. Die Wand übernimmt dabei mehrere Funktionen zugleich: Sie trägt, trennt Räume, schützt vor Witterung und prägt das Erscheinungsbild.
Im Unterschied zum Holzrahmenbau kommt das Blockhaus ohne zusätzliche tragende Konstruktionen in den Außenwänden aus. Fenster, Türen und Decken werden direkt in die Bohlen integriert. Das sorgt für eine klare Bauweise – und für ein Raumklima, das viele Bewohner als besonders angenehm empfinden.
Energieeffizienz: Warum ein Holzhaus mehr braucht als dicke Bohlen
So viel Holz verbaut wird: Energieeffizient ist ein Holzhaus nicht automatisch. Zwar dämmt Holz besser als Beton oder Ziegel, doch eine klassische Blockbohlenwand mit 20 bis 24 Zentimetern Stärke genügt heute meist nicht, um die gesetzlichen Anforderungen an den Wärmeschutz zu erfüllen.

Das bedeutet jedoch nicht das Aus für diese Bauweise. Vielmehr zeigt sich hier, dass ein modernes Holzhaus sorgfältige Planung braucht – und die Bereitschaft, traditionelle Konstruktion mit zeitgemäßer Technik zu kombinieren.
Richtig dämmen: So wird das Holzhaus zukunftsfähig
In der Praxis wird ein Holzhaus häufig zusätzlich von außen gedämmt. Die Blockbohlen bleiben innen sichtbar, während außen eine Dämmebene ergänzt wird – oft aus Holzfaser, Zellulose oder Mineralwolle. Eine hinterlüftete Fassade schützt die Konstruktion vor Feuchtigkeit und ermöglicht verschiedene Gestaltungsvarianten, etwa mit Holzverschalung oder Putz.
Alternativ gibt es Systeme mit besonders dicken oder mehrschichtig aufgebauten Bohlen, die bessere Dämmwerte erreichen. Diese Lösungen sind jedoch materialintensiver und teurer. Entscheidend ist bei jedem Blockhaus bzw. Holzhaus eine präzise Detailplanung: Setzungsverhalten des Holzes, Luftdichtheit und saubere Anschlüsse spielen eine größere Rolle als bei vielen Massivbauten.
Kostenvergleich: Spart ein Holzhaus wirklich Geld?
Holzhäuser gelten als günstige Alternative zum Massivhaus – ein Versprechen, das sich nur teilweise einlöst. Tatsächlich können die Baukosten niedriger ausfallen, insbesondere bei einfachen Grundrissen, hohem Vorfertigungsgrad und Eigenleistungen. Einsparungen von etwa 10 bis 20 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Massivhaus sind realistisch.
Gleichzeitig relativiert sich der Kostenvorteil, sobald höhere Energiestandards, zusätzliche Dämmmaßnahmen oder individuelle Architektur gewünscht sind. Grundstück, Haustechnik und Innenausbau unterscheiden sich beim Blockhaus bzw. Holzhaus kaum von anderen Bauweisen. Das Holzhaus ist also kein Selbstläufer beim Sparen – aber eine interessante Option für kostenbewusstes Bauen mit klaren Prioritäten.
Baugenehmigung: Dürfen Blockhäuser und Holzhäuser überall gebaut werden?
Die Sorge ist weit verbreitet: Erhält ein Blockhaus bzw. Holzhaus überhaupt eine Baugenehmigung? Grundsätzlich ja. Baurechtlich gelten sie als normale Wohngebäude und unterliegen denselben Landesbauordnungen und Bebauungsplänen wie Massivhäuser.
Schwierigkeiten entstehen eher bei Details: etwa durch Gestaltungsvorgaben, Dachformen oder den Nachweis der energetischen Anforderungen. Wer sein Blockhaus bzw. Holzhaus frühzeitig mit Architekten, Energieberatern und dem Bauamt abstimmt, kann diese Hürden meist vermeiden. Entscheidend ist nicht das Material, sondern die planerische Qualität.
Fazit: Das Holzhaus zwischen Nische und Bauwende
Holzhäuser sind weder nostalgische Spielerei noch der alleinige Schlüssel zur Bauwende. Sie können jedoch ein sinnvoller Baustein sein: nachhaltig, ressourcenschonend und bei guter Planung wirtschaftlich. Ihr Potenzial entfalten sie dort, wo Einfachheit, Standardisierung und bewusster Verzicht gefragt sind.
Vielleicht braucht die Bauwende nicht immer neue Hightech-Materialien, sondern ein intelligentes Weiterdenken bewährter Konzepte. Das Holzhaus zeigt, dass Holz nicht nur ein dekorativer Baustoff ist – sondern wieder zur tragenden Idee werden kann.
