Auslandserfahrung sammeln: 5 Möglichkeiten für SchülerInnen

auslandsaufenthalt schüler
Foto von NastyaSensei von Pexels

Ob während oder nach der Schulzeit, es gibt unzählige Wege, die ins Ausland führen. Von Sprachreisen über Auslandspraktika bis zum Schüleraustausch oder Work & Travel, jungen Menschen steht die Welt offen. Dabei sprechen die jeweiligen Programme die unterschiedlichsten Interessen an, so dass jeder, der Auslandserfahrungen sammeln möchte, fündig werden dürfte.

Auch wenn die erste längere Reise ohne Eltern und beste Freunde erst einmal Nervosität hervorruft, der Sprung ins kalte Wasser lohnt sich, verbessert ein Auslandsaufenthalt neben den Sprachkenntnissen doch die zukünftigen Berufschancen erheblich.

Was bringt der Auslandsaufenthalt überhaupt?:

  • mehr Selbstständigkeit und größeres Selbstbewusstsein
  • Weltoffenheit & Völkerverständigung
  • interkulturelle Kompetenzen & persönliche Weiterentwicklung
  • sinnvolle Überbrückung eines Gap Years, also eines “Lückenjahres”, das zwischen Schulabschluss und Beginn der Ausbildung bzw. des Studiums entstehen kann
  • erste Arbeitserfahrung, die bei der späteren Berufswahl hilft
  • abhängig vom Programm kann man sich für Menschen, Tiere oder generell die Natur einsetzen, sich also gemeinnützig engagieren

Was es zu beachten gilt:

  • Für viele Auslandsaufenthalte ist Volljährigkeit eine wichtige Voraussetzung, denn bestimmte Visumarten werden nur an Volljährige vergeben
  • in einigen Ländern wie den USA zusätzliche Einreisevoraussetzungen & Reisegenehmigungen erforderlich
  • Minderjährige müssen das Einverständnis ihrer Eltern einholen
  • Doppelbelastung Schule/Arbeit und Fremdsprache
  • je nach Programm hohe Kosten
  • eventuell Zusatzprüfungen oder Schuljahr muss wiederholt werden

Da es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt, einen Auslandsaufenthalt zu planen und in die Tat umzusetzen, sollte dir im Vorfeld klar sein:

  • welche Rahmenbedingungen du dir wünschst (selbst organisierte Reise oder Aufenthalt bei einer Familie,…)
  • wie lange du Zeit im Ausland verbringen möchtest (einige Wochen oder sogar mehrere Jahre)
  • welche Ziele du mit einem Auslandsaufenthalt verknüpfst (Arbeitserfahrung sammeln, eine neue Sprache erlernen, mehr über eine bestimmte Kultur erfahren, dich für ein Studium oder Beruf vorbereiten etc.)

Welche Möglichkeiten gibt es für minderjährige Schüler & Schulabgänger?

Noch sind etwa 95% der Austauschschüler Gymnasiasten oder AbiturientInnen, doch viele Auslandsaufenthalte kommen durchaus auch für SchülerInnen mit der Mittleren Reife in Frage. Ja, selbst für Erwachsene und SeniorInnen gibt es Programme, die über einen „normalen“ Urlaub weit hinausgehen.

1. Das Austauschjahr

Ein Austauschschüler lebt klassischerweise ein Schuljahr lang bei einer Gastfamilie im Ausland und geht auch dort zur Schule. Aus diesem Grund sind diese Programme auch unter den Begriffen High School Aufenthalt und Auslandsjahr bekannt. Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, eine Fremdsprache nahezu perfekt zu erlernen – und sich darüber hinaus in die fremde Kultur einzufügen sowie Freunde fürs Leben zu finden.

Spezielle Austauschorganisationen stellen dir die gesamten Rahmenbedingungen zur Verfügung, bringen dich mit der Gastfamilie zusammen und klären Einzelheiten mit der Schule im Ausland ab. Das hat allerdings seinen Preis: Bis zu 30.000 Euro bezahlen Schüler je nach Land und Dauer des Auslandsaufenthaltes.

Übrigens ist so ein Austauschjahr nicht nur für die SchülerInnen von Gymnasien vorgesehen, sondern auch für AbsolventInnen der Oberschulen. Damit auch jene vermehrt solche Programme in Anspruch nehmen, werden sie von einigen Stiftungen auch finanziell unterstützt. Natürlich können auch AbiturientInnen ein Austauschjahr einlegen, vorausgesetzt, sie möchten noch einmal für mehrere Monate die Schulbank drücken.

2. Freiwilligendienste

Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr, eine Form ehrenamtlicher Arbeit, gibt es nicht nur im deutschsprachigen Raum. Tatsächlich kannst du auch gemeinnützige Projekte im Ausland mit deiner Mithilfe unterstützen. Die geförderten Freiwilligendienste werden in der Regel für 6 bis 12 Monate absolviert und durch Bundesministerien oder von der EU finanziell gefördert. Dank der Zuschüsse eignen sich diese Programme sehr gut für ein Auslandsjahr. Die geförderten Freiwilligendienste werden formal wie ein FSJ oder FÖJ im Ausland anerkannt.

Ein Großteil der Kosten (Anreise, Unterkunft usw.) wird bei staatlich geförderten Freiwilligendiensten von der Entsendeorganisation übernommen. Der Rest muss von den Teilnehmenden aufgebracht werden. Je nach Programm sind dies bis zu 3.600 Euro für 12 Monate. Lediglich der Europäische Freiwilligendienst wird vollständig von der EU gefördert.

Eine flexible Freiwilligenarbeit (wie Volunteer Work, Volunteer Travel) hingegen wird selbst organisiert. Deshalb kann auch über die Dauer eigens entschieden werden. Diese Freiwilligendienste sind weltweit möglich, die meisten zieht es jedoch zu von NGO’s durchgeführten sozialen Projekten in Afrika oder Asien. Untergebracht werden die Freiwilligen dort oft in Gastfamilien, was einen intensiven Kontakt ermöglicht. Trotzdem kostet der Flexible Freiwilligendienst Geld:

Der Freiwillige muss die kompletten Kosten des Auslandsaufenthaltes selbst tragen. Je nach Dauer und Reiseland sind die Kosten unterschiedlich hoch. So ist es nicht selten, dass pro Monat 1000 Euro und mehr anfallen. Der Freiwillige schließt mit der Entsendeorganisation einen Vertrag, der direkt zur Zahlung an die Entsendeorganisation verpflichtet.

Freiwilligendienst im Ausland

3. Workcamps

Eine kurzzeitige Alternative (2-4 Wochen) zur Freiwilligenarbeit sind internationale Workcamps, denn auch hier engagierst du dich ehrenamtlich für ein gemeinnütziges Projekt. Dabei kommen junge Menschen aus aller Welt zusammen, um in die Freiwilligenarbeit hineinzuschnuppern. Zudem werden in der Freizeit Gruppenaktivitäten organisiert, um das Team und die Region besser kennen zu lernen. Schließlich möchtest du ja auch das Gastland erleben.

Workcamps sind weltweit möglich, zum Teil auch schon für TeilnehmerInnen unter 18 Jahren. In vielen Fällen erhalten Workcamp-Teilnehmer freie Unterkunft und Verpflegung. Es entfällt lediglich eine vergleichsweise geringe Teilnahmegebühr an die Veranstalter. Darüber hinaus müssen die Kosten für An- und Abreise sowie Versicherungen selbst getragen werden.

4. Auslandspraktikum mit Sprachkurs

Auch Auslandspraktika innerhalb Europas sind bereits für 16- und 17-Jährige möglich. Praktikaprogramme werden von verschiedenen Organisationen angeboten, die einen Praktikumsplatz sowie in vielen Fällen auch eine Unterkunft im Gastland vermitteln und bei der Reiseplanung behilflich sind. In der Regel handelt es sich um Schnupperpraktika für wenige Wochen, in denen Praktikanten erste Einblicke in die Arbeitswelt erhalten. Dies eignet sich insbesondere für Azubis, das seitens des Arbeitgebers eher kurzen Auszeiten stattgegeben wird als einem langen Auslandsaufenthalt.

In vielen Fällen finden Programme für Auslandspraktika auch in Kombination mit einem Sprachkurs statt.

5. College und Berufsorientierung im Ausland

Wenn du dich zwischen Schule und Studium oder Ausbildung im Ausland beruflich orientieren willst, kannst du über einen Collegebesuch im Ausland nachdenken. Möglich sind diese z.B. in den USA an Community Colleges, in Neuseeland an Polytechnics oder Intitutes of Technology, in Australien an TAFE-Institutionen (Technical and Further Education) und in Großbritannien an Sixth Form Colleges.

Vergleichbar sind diese Institutionen mit Berufsfachschulen und Fachhochschulen hierzulande. Mit einem sehr praxisnahen Schnupperstudium ermöglichen sie dir erste Einblicke in ein mögliches Berufsfeld. Knackpunkt sind einzig die möglichen Kosten, da gerade in englischsprachigen Ländern Studiengebühren üblich sind.

Mit mehreren hundert bis tausend Euro sind sogenannte Summersessions ebenfalls recht teuer, aber immerhin beschränkt sich der Aufenthalt im Ausland auf 5-10 Wochen. Das komprimierte Auslandssemester passt also durchaus in die Sommer- bzw. Semesterferien. Du belegst i.d.R. zwei bis drei Kurse und erhältst als Abschluss einen „Grade Report“, der deine Leistungen auflistet.


Du siehst, Auslandserfahrung kann man schon in jungen Jahren sammeln – während der Schule, nach dem Abitur oder der Mittleren Reife. Oben aufgelistet habe ich einige, jedoch nicht alle Möglichkeiten, die SchülerInnen offenstehen. Auf Bildungsmessen und im Internet wirst du mit Sicherheit noch einige andere Optionen finden. Jetzt heißt es nur noch, den inneren Schweinehund zu überwinden…!

LG Anne!!!

Das könnte dich auch interessieren …