Familiengerecht wohnen: Was Eltern beim Immobilienkauf beachten sollten

Was eltern beim immobilienkauf unbedingt beachten sollten
Recherche vorm Immobilienkauf, Foto von Surface

Der Immobilienkauf gehört zu den größten Finanzentscheidungen im Leben. Familien mit Kindern stehen dabei besonderen Anforderungen gegenüber, die beim klassischen Kaufprozess vielfach unterschätzt werden. Wie nah ist die nächste Kita? Passt der Grundriss zu drei Kindern in verschiedenen Altersgruppen? Und was passiert, wenn in fünf Jahren noch weiteres Familienglück hinzukommt?

Standort mit Weitblick: Schule, Kita und Alltagsinfrastruktur

Der Standort einer Immobilie ist für Familien mehr als eine Frage des persönlichen Geschmacks. Kurze Wege zu Schulen, gut erreichbare Kindertagesstätten oder Radwege ohne Gefahrenstellen prägen den Familienalltag stärker als jeder Grundriss es könnte. Ein guter Immobilienmakler kennt nicht nur den Markt, sondern auch die Eigenheiten der einzelnen Stadtteile: die Qualität umliegender Schulen, Bauprojekte, die den Charakter des Viertels in den kommenden Jahren ganz verändern können.

Konkret sollte man systematisch die folgenden Punkte überprüfen:

  • Wie weit ist es bis zur nächsten Grundschule bzw. weiterführenden Schule (ideal: unter 1,5 km oder gut mit Bus und Rad erreichbar)?
  • Wie sieht die Kita-Versorgung im Einzugsgebiet aus?
    Gibt es ausreichend Grünflächen und Spielplätze in der Umgebung und sind die Wege dorthin sicher?
  • Wie ist die ÖPNV-Anbindung? Dies ist insbesondere für ältere Kinder wichtig, die auch schon selbst unterwegs sind.

Ein Blick auf den Flächennutzungsplan der Gemeinde oder städtische Entwicklungskonzepte gibt zudem einen Hinweis darauf, wie es in der Umgebung in den nächsten Jahren weitergeht. Vielleicht wird ja ein neues Schulgebäude gebaut oder ein Spielplatz angelegt? Das alles hat langfristig auch Einfluss auf den Alltag der Familie.

Grundriss und Raumangebot: Wachstum gleich mit einplanen

Viele Familien kaufen eine Immobilie mit ihrem jetzigen Wohnbedarf im Kopf, unterschätzen jedoch, wie schnell sich der Bedarf verändert. Ein Kindergartenkind braucht andere Räume als ein Teenager. Der Grundriss sollte also nicht nur für heute, sondern auch für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre taugen.

Als Faustregel gilt in der Praxis: Pro Person werden etwa 20 bis 25 qm Wohnfläche als ausreichend angesehen. Für eine vierköpfige Familie liegt der tatsächliche Wohnflächenbedarf damit wohl bei mindestens 100 bis zu 110 Quadratmetern. Wichtiger als die Fläche ist jedoch der Grundriss. Separate Kinderzimmer, ein Arbeitszimmer für die Homeoffice-Wochen, viel Stauraum für Spielzeug, Fahrräder und alles, was zu einem aktiven Leben draußen gehört, sollte in der Planung gleich von Anfang an mitbedacht werden.

Besonders günstig wirkt sich auf die spätere Wohnqualität bei Familienimmobilien dieser Grundriss aus:

  • mindestens ein Kinderzimmer pro Kind (jeweils ab ca. 12 Quadratmetern Nutzfläche)
  • zwei Bäder oder wenigstens ein separiertes WC
  • ausreichend breite Flure und Treppenräume für Kinderwagen und Fahrräder
  • Möglichkeiten zur späteren Umnutzung von Räumen, etwa ein Gästezimmer, das später auch für ein Kinderzimmer herhalten kann

Bei Bestandsimmobilien sollte man möglichst früh überprüfen, ob sich bauliche Veränderungen ohne weiteres genehmigen lassen. Eine Wand durchzubrechen oder einen Anbau zu verwirklichen, ist nicht überall ohne weiteres möglich.

Finanzierung und Förderung: Wichtige Punkte für Familien

Neben dem Kaufpreis sind beim Immobilienerwerb aber auch noch die Nebenkosten zu zahlen. Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuchkosten, eventuell Maklerprovision summieren sich je nach Bundesland auf zehn bis fünfzehn Prozent des Kaufpreises. Wer diese Posten vergisst, gerät leicht in Finanzierungsschwierigkeiten.

Gerade für Familien gibt es zahlreiche Förderprogramme. Zinsgünstige Darlehen für Neubau oder Ersterwerb bieten Bankengruppen an. Je nach Kinderzahl und Gebäudestandard sind unterschiedliche Darlehen möglich. Viele Bundesländer haben zusätzliche eigene ergänzende Wohnbauförderprogramme, die teilweise auch kombinierbar sind.

Ein Eigenkapitalanteil von mindestens 20 Prozent des Kaufpreises gilt als stabilisierendes Fundament der Finanzierung. Wer darunter liegt, zahlt in der Regel höhere Zinsen und muss ein größeres Risiko bei sinkenden Immobilienpreisen tragen. Gerade in einem unsicheren Marktumfeld, in dem die Kaufpreise in vielen deutschen Städten in den letzten Jahren sehr stark geschwankt haben, ist eine konservative Kalkulation ratsam.

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