Welches Gymnasium passt zum Kind?

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folgenschwere Entscheidung?: Die Wahl der richtige Schule

Entscheidungshilfen bei der Wahl des Gymnasiums

Mit Erstaunen haben wir vor einigen Jahren zur Kenntnis genommen, dass unsere Verwandten in Wales nach nur wenigen Jahren in einem beschaulichen Vorort wieder die Umzugskartons packten und in die nächstgrößere Stadt zogen. Uns gab dieses Verhalten Rätsel auf. Schließlich mussten sie sich überschulden, um sich dort niederzulassen. Doch das war es ihnen wert – um ihren Kindern den Besuch der Schule mit dem besten Ruf zu ermöglichen.

Viel stärker noch als in Deutschland beherrscht die Einteilung in Klassen das soziale Leben in Großbritannien. So viel Aufwand zu betreiben, damit das eigene Kind Zugang zu bestimmten Kreisen findet, löste bei mir nur Kopfschütteln aus. -Bis mein Sohn letztes Jahr selbst vor der Wahl der weiterführenden Schule stand.

Warum die nächstgelegene Schule am besten ist

Hier war uns eigentlich nur Eines wichtig: dass der Fahrtweg nicht zu lang ist. Schließlich sollte Sohnemann nicht den halben Tag im Schulbus sitzen. Außerdem fällt es ihm so leichter, sich auch nachmittags noch mit seinen Freunden zu verabreden. Schließlich wohnen sie alle im nahen Umkreis.

Mit dieser Denkweise standen wir ziemlich alleine da, wie sich später herausstellte. Die anderen Eltern pflegen zwar einen gesunden Lokalpatriotismus, den Schulen im Umkreis trauen sie jedoch nicht. Sie schicken ihre Kinder nun nach Potsdam zur Schule und nehmen dafür teils lange Anfahrten in Kauf.

kriterien bei der wahl des gymnasiums
Kriterien bei der Wahl des Gymnasiums

Mehr als ein Gerücht?: Der Ruf des Gymnasiums

Hakt man nach, erfährt man eigentlich nichts Überraschendes: Es handelt sich um rein emotionale Entscheidungen: Die Schulen in der Stadt hätten einen besseren Ruf, mehr Auswahl bei den Fremdsprachen (Spanisch statt Französisch, uiuiui), im Schnitt bessere Abiturnoten, seien besser ausgestattet etc.). Geht man bei den angeführten Argumenten jedoch ins Detail, erweisen sie sich schnell als haltlos, denn die Unterschiede sind viel zu gering.

Und was den Ruf angeht, bin ich ebenfalls skeptisch, denn der fußt i.d.R. nicht auf Fakten, sondern auf Gerüchten:

Helbig, selbst Vater von Kindern im Schulalter, kennt den Smalltalk unter Eltern: „Der eine erzählt dies, der andere das, und so bekommen Schulen einen Ruf.“ Einige könnten sich zudem besser vermarkten als andere. „Irgendeine Schule wird unter Eltern dann als vermeintlich beste auserkoren. Da wollen alle hin, da gibt es auch einen Herdentrieb.“

Spiegel Online

In unserem Fall färbt der gute Ruf der Stadt Potsdam offenbar auf die dort befindlichen Schulen ab: Nur weil sie in Potsdam stehen, sind sie besser als die Schulen im Umland. So einfach ist das.

Vermeintliche Schwerpunkte des Gymnasiums

Eine Freundin, selbst Mutter zweier Töchter, argumentierte schon differenzierter: Jede Schule habe einen anderen Schwerpunkt und je nach Interessenlage des Kindes sollte man danach auswählen. Aber auch das stimmt nur bedingt, denn:

Im Gegensatz zu früher gibt es bei den Gymnasien nicht mehr die Differenzierung in bestimmte Typen. Sie erinnern sich vielleicht noch an Begriffe wie «Mathematisch–Naturwissenschaftliches Gymnasium», «Humanistisches Gymnasium», «Neusprachliches Gymnasium». Eine solche Schwerpunktsetzung, die sich in der Namengebung der Schule zeigt, ist abgeschafft.

Schulpsychologie.de

Trotzdem gibt es natürlich noch einige Gymnasien, die bestimmte Fächer besonders fördern (zum Beispiel im musischen Bereich), doch das erfolgt weitaus unprätentiöser als man denkt. So nannte sich die erste Grundschule meines Sohnes zum Beispiel „Musik-Grundschule“, der Unterricht unterschied sich allerdings nicht von dem in anderen Grundschulen. Die Schüler hatten lediglich nach Unterrichtsschluss noch die Möglichkeit, sich musikalisch weiterzubilden. Diese Möglichkeit steht allerdings allen Kindern und Jugendlichen offen: Nach dem Unterricht kann einem Hobby gefrönt werden. Ist doch klar.

Mit einem kurzen Fahrtweg bleibt sogar noch mehr Zeit übrig, um ebenjenem Hobby nachzugehen. Insofern bereue ich unsere Entscheidung fürs „Dorf-Gymnasium“ überhaupt nicht.

Alles halb so wild?

Zu guter Letzt möchte ich noch den Schulpsychologischen Dienst zitieren, weil der die Bedeutung des Schulbesuchs so wunderbar relativiert:

Alle Eltern versuchen, gute Eltern zu sein. Das ist nicht einfach und gelingt selten problemlos. Fehler sind menschlich und erlaubt. Es reicht Kindern, eine relativ gute Mutter und einen relativ guten Vater zu haben. Und Kinder wünschen sich, dass ihre Eltern auch mit ihnen als einem relativ guten Kind und mit einem relativ guten Schulverlauf zufrieden sind.

Schulpsychologie.de

LG Anne!!!

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