Wie woll’n wir wohnen?

Ist das Thema Wohnen nur eine Kostenfrage?

Gestern erst habe ich ihn gehört, den altbekannten Satz: „Mit meiner Wohnung bin ich zwar sehr zufrieden, aber die Zinsen sind gerade so niedrig, dass ich das Geld, das ich für die Miete aufbringen muss, genauso gut auch in die Raten für ein Haus stecken könnte.“

Einen Lebensplan werden wohl die wenigsten für sich entworfen haben. Gerade wenn es ums Wohnen geht, wird jedoch zu viel dem Zufall überlassen. „Wo will ich eigentlich leben und vor allem wie?“ scheinen sich die wenigsten Menschen zu fragen. Die eigene Zukunft wird da lediglich auf eine Frage reduziert: die Kostenfrage. Und die will schnell beantwortet sein, denn die Niedrigzinsphase könnte ja schon morgen wieder vorbei sein…

Dabei brauche ich wohl keinem zu erzählen, dass sich das Leben auf dem Lande von dem in der Stadt unterscheidet, ja dass es einen vollkommen anderen Lebensstil mit sich bringt – mit ganz anderen (potentiellen) Freunden, Nachbarn und Bekannten. Ob das überhaupt zu einem selbst und dem Rest der Familie passt, scheint nebensächlich. Der Mensch ist schließlich anpassungsfähig, nicht wahr?

hausrate

Werbung am Straßenrand – für Bauherren mit schmalem Geldbeutel

Die Baufirmen kennen ihre Klientel und werben gezielt mit dem Spruch, die eigenen vier Wände seien günstiger als eine Mietwohnung. Wenn die Mietwohnung aber keinen Preisvorteil mehr bietet, verliert sie gegen das Einfamilien- oder Reihenhaus. Warum eigentlich?

„Wenn ich das Haus abbezahlt habe, ist es meins. Dann brauche ich keine Miete mehr zu zahlen“, lautet die Antwort – und wieder sind es die Kosten, die im Mittelpunkt stehen. Miete braucht nicht gezahlt zu werden und die Raten entfallen mit dem Eintritt in die Rente. Toll. Das ist oft das einzige Argument, das ich höre. Es scheint den Menschen so enorm wichtig zu sein, dass es einfach alles überwiegt.

Quadratisch, Praktisch, Gut

Aber was für Häuser sind das eigentlich, die man – auf Mietniveau – bis zur Rente abbezahlt hat? Schaut man sich die Kataloge der Hausbaufirmen mal an, stellt man fest, dass sich die günstigsten Varianten stets ähneln. Meistens sind es quaderförmige Anderthalbgeschosser mit Spitzdach oder Bungalows (siehe Bild). Klar, sie erfüllen alle möglichen Energiesparstandards, haben oftmals sogar eine Fußbodenheizung und einen Kamin. 08/15 sind diese Häuser trotzdem.

Jetzt mögen sie noch dem Zeitgeist entsprechen, aber in spätestens 20 Jahren werden sie ein ziemlich trostloses Bild abgeben. Warum man die Landschaft damals mit solch hässlichen Bauten verschandelt hat? -Diese Frage möchte ich mir dann nicht stellen lassen.

Ich finde, ein Haus muss auch originell sein, einen gewissen Charme versprühen. Damit meine ich keine Prachtbauten, Schlösser oder Villen. Die Leute müssen auch nicht notgedrungen mit offenen Mündern davor stehen bleiben und die Architektur bewundern. Man sollte einfach sehen können, dass eben nicht nur der Preis eine Rolle gespielt hat beim Bau, sondern auch die Lust, sich mit diesem Haus etwas Gutes zu tun. Schließlich leben die meisten ja wirklich darin, bis sie sterben – und wollen es danach bestenfalls an ihre Nachkommen weitervererben.


Wo lebt es sich denn nun am besten?

Zurück zur Frage: Stadt oder Land? Es wäre müßig, alle Vor- und Nachteile der jeweiligen Wohn- und Lebensformen aufzuzählen, miteinander zu vergleichen und womöglich gegeneinander auszuspielen. Schon für mich selbst finde ich es wahnsinnig schwierig, eine Entscheidung zu treffen. Ich wohne bereits ziemlich lange in Berlin, spiele aber mit dem Gedanken, ins Umland zu ziehen. Allerdings stelle ich es mir schwierig vor, von dort wieder wegzukommen, sollte ich doch einmal an den Punkt gelangen, mich in der neuen Gemeinde einfach nicht heimisch zu fühlen.

Alternative zu Haus UND Wohnung

Womöglich sind die Tiny Houses, also Mini- oder Mobilhäuser, die gerade medial stark promotet werden, nur ein Marketing-Gag. Vielleicht aber schließen sie hier die Lücke. Sie sind günstig und schnell zu errichten und können bei Bedarf auch wieder abgebaut werden. Will der Hauseigentümer umziehen, kann er sein Haus somit gleich mitnehmen. Die mobilen Häuser beantworten somit nicht nur die Kostenfrage, sondern bieten auch Flexibilität. Und – wichtig für mich – sie sind ästhetisch alles andere als 08/15.

Ein Haus – das habe ich auch dank meiner Umfragen zum MitmachMittwoch bestätigt bekommen – ist und bleibt der Traum vieler Familien. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und sie sollten Stadtplanern und Soziologen zu denken geben. Denn im Umkehrschluss bedeutet es nichts anderes als die Abwendung von der Stadt. Dabei soll die doch für alle gleichermaßen attraktiv sein.

Ich selbst wohne und arbeite in der Stadt, fahre aber jedes Wochenende raus aufs Land. Trotz zahlreicher Parks und einer hervorragenden Straßenbegrünung fehlt mir die Natur eben. Dichte Wälder gibt es zwar auch in Berlin, aber ehe in den anliegenden Bezirken mal eine Wohnung frei wird, kann ich lange warten. Oh.oh, Naturschützer werden jetzt bestimmt die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Meine Ökobilanz verschlechtert sich jedes Wochenende ein wenig mehr. Eigentlich ein guter Grund, rauszuziehen…


Link-Tipp:

Sarah widmet sich auf ihrem Blog Zwergenzimmerchen schon seit geraumer Zeit dem Thema „Wohntraum und hat dazu bereits viele tolle Beiträge anderer Blogger versammelt. Mein Beitrag wird auch bald erscheinen. Reinlesen lohnt sich!

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