Wie lautet euer Beitrag zur Integration?

Im Zuge des Attentats auf die Redaktion des französischen Satiremagazin Charlie Hebdo wurde in den Medien viel gemahnt, man dürfe Muslime nun nicht generell verteufeln. Stattdessen sollte man sie besser in unsere Gesellschaft integrieren, um das Miteinander zwischen den Anhängern aller Religionen zu fördern.

muslime-berlinAll das klingt natürlich völlig plausibel und unterstützenswert. Denn trotz aller Gemeinsamkeiten sehen wir oft nur die Unterschiede – unüberbrückbare Differenzen – und unser Verständnis stößt an seine Grenzen. Manchmal frage ich mich auch, wie man so ein Miteinander im Alltag überhaupt zustandebringen soll.

Was kann ich schon tun, um die Integration der Muslime voranzutreiben?

Mein Sohn besucht eine ganz normale Berliner Grundschule. Viele der Kinder in seiner Klasse haben Eltern, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind. Einige sehen asiatisch aus, andere afrikanisch, sehr viele haben polnische Eltern und ein paar eben auch türkische oder arabische. Bei letzteren habe ich immer Probleme zu unterscheiden: Wer ist türkisch und wer arabisch – und wo liegt da überhaupt der Unterschied? Danach zu fragen, traue ich mir nicht, weil ich mir dumm vorkomme. Wahrscheinlich würde aber schon so eine „dumme“ Frage dabei helfen, miteinder ins Gespräch zu kommen.

Gerade mit den türkischen bzw. arabischen Eltern komme ich nämlich nie ins Gespräch. Dabei scheinen sie durchaus angenehm zu sein. Zumindest sind sie es, die im Gegensatz zu den afrikanischen Eltern, stets pünktlich zur Elternversammlung kommen und – im Gegensatz zu den polnischen Eltern in der Klasse – ihren Mund halten, wenn die Lehrerin spricht.

Für Kinder zählen andere Dinge als Religion, Hautfarbe, Kultur

In der Schule spielt mein Sohn mit allen Kindern, die seine Interessen teilen, d.h. die Unterschiede bezüglich Kultur und Religion spielen für die Kleinen noch keine Rolle. Einer seiner besten Freunde heißt Mohammed. Wahrscheinlich ist er Araber – oder Türke.

Mehrmals wollte er sich schon mit Mohammed außerhalb der Schule verabreden. „Na klar, dann verabredet euch mal“, habe ich bloß gesagt. Mir ist es gleich, wer zu uns kommt, solange die Kinder nicht hyperaktiv die Möbel zerlegen oder in der Wohnung Fußball spielen.

Mohammed kam aber nie, denn seine Mutter hat es ihm nicht erlaubt. Aus welchem Grund sie das Verbot ausgesprochen hat, weiß ich nicht, denn ich habe mich wieder einmal nicht getraut, sie danach zu fragen. -Und ehrlich gesagt, weiß ich auch gar nicht genau, wer Mohammeds Mutter ist, denn mit ihren Kopftüchern und den langen Mänteln sehen sie einander so ähnlich, die arabischen oder türkischen Mütter.

Es fällt mir wahnsinnig schwer, über meinen Schatten zu springen und sie einfach mal nach ihrer Telefonnummer – oder bloß nach ihrem Namen zu fragen. Mit den deutschen und polnischen Müttern wechselt man fast automatisch ein paar Worte, tauscht Handynummern aus und empfiehlt sich gegenseitig Sportvereine und Musiklehrer.

Außerhalb der Schule spielt er nur mit deutschen Kindern

Somit verabredet sich mein Sohn fast nur mit den Kindern deutscher Eltern. Nur einer seiner Kumpels kommt aus Syrien. Er spielt sogar in der gleichen Handballmannschaft und kommt stets gern zu Besuch. Allerdings ist der Kleine kein Moslem, sondern Christ, genau wie der Rest seiner Familie, die im Übrigen bestens integriert ist.

Manchmal frage ich mich, ob das nicht auch an mir liegt – an meiner Schüchternheit, aber auch an meinen Vorbehalten den Muslimen und Türken gegenüber. Eigentlich hätte ich Mohammed und meinem Sohn nur sagen müssen: „Wir warten jetzt, bis Mohammeds Mutter kommt, um ihn abzuholen, und dann frage ich sie persönlich, ob und wann ihr euch mal verabreden könnt.“

Das tu ich – und was tut ihr?

Dafür ist es auch jetzt nicht zu spät. Ja, das werde ich tun. Das wird mein bescheidener Beitrag zur Integration.

Ich weiß, es ist nur ein winzig kleiner Schritt und ich bin auch nicht wahnsinnig stolz darauf, ebenso wenig auf mich selbst. Denn da lebe ich schon fast ein Jahrzehnt in Berlin und bin trotzdem so gut wie nie in Kontakt mit Moslems gekommen.


Habt ihr Ideen oder Vorschläge, wie man als Mutter oder Vater zur Integration der Muslime in Deutschland beitragen kann? Was habt ihr vielleicht sogar schon selbst umgesetzt?

Foto: Shazron

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