Was macht Kinderkleidung nachhaltig?

Foto von Markus Spiske on Unsplash

Verglichen mit der „Fast Fashion“, die Kleidung sehr günstig und in Massen produzieren lässt, ist nachhaltige Mode umweltfreundlich und setzt sich darüber hinaus für gute Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern ein. 

Nachhaltige Kinderkleidung hält in der Regel viele Jahre lang und kann somit von einem Kind ans andere weitergegeben werden. Zumeist werden umweltfreundliche Stoffe verwendet, darunter biologisch angebaute oder recycelte Materialien. Viele Bekleidungshersteller, die sich auf nachhaltige Kinderkleidung spezialisiert haben, zahlen ihren ArbeiterInnen außerdem einen fairen Lohn und sorgen für menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

Umweltverträgliche Fasern: Alternativen zur Baumwolle

Was viele nicht wissen: Nicht alle natürlichen Stoffe sind umweltfreundlicher als synthetische Materialien wie Polyester. Am Beispiel der Baumwolle lässt sich dies am besten nachvollziehen. Im konventionellen Anbau werden große Mengen an Düngemitteln und Pestiziden benötigt, von denen viele hochgiftig sind. Baumwolle kann auch ohne diese Mittel angebaut werden, aber die Ernte ist dann sehr arbeitsintensiv. Und: Selbst für zertifizierte Bio-Baumwolle werden große Mengen Wasser benötigt. Um die Plantagen zu bewässern, wird entweder Grundwasser verwendet oder das Wasser aus Seen und Flüssen umgeleitet, das dann an anderer Stelle fehlt. Im Extremfall kann der Baumwollanbau zum Austrocknen ganzer Gewässer führen, wie in Zentralasien zum Verschwinden des Aralsees.

Es gibt jedoch Alternativen zur Baumwolle, also Stoffe, deren Fasern unter besseren Bedingungen angepflanzt und geerntet werden können, denn sie benötigen weniger Wasser und Energie. Darüber hinaus sind viele von ihnen recycelbar.

nachhaltige kinderkleidung
Naturfarbenes Leinen, Foto von Taisiia Shestopal on Unsplash
  • Leinen: wird aus Flachs hergestellt, der weit weniger Wasser, Dünger und Pestizide benötigt als Baumwolle. Die Herstellung erfordert wenig Energie. Das Endprodukt wiederum ist leicht zu kompostieren oder kann zu Papier recycelt werden.
  • Hanf: benötigt wenig Dünger und Pestizide. Er lässt sich in eine Vielzahl von ökologischen Stoffen verwandeln, darunter Canvas, Denim, Jersey, Fleece und Twill.
  • Bambus: hat als nachhaltige Faser sowohl Vor- als auch Nachteile. Er wächst schnell und benötigt fast keine Pestizide. Der daraus hergestellte Stoff ist weich und pflegeleicht. Bei der Verarbeitung der Fasern zu Stoffen werden jedoch häufig giftige Chemikalien eingesetzt.
  • Lyocell: Ein Stoff, der aus Holzzellstoff, in der Regel vom Eukalyptusbaum, hergestellt wird. Dieser weist ein schnelle Wachstum auf, wobei er trotzdem wenig Wasser oder Chemikalien benötigt. Der aus dem Eukalyptusbaum hergestellte Stoff ist von Natur aus knitterarm und daher leicht zu pflegen.
  • Alpaka: Alpakas sind den Lamas ähnlich und gehören zur Familie der Kamele. Sie stammen aus den Anden in Südamerika. Fell und Wolle der Alpakas sind deshalb so beliebt, weil sie durch ihre feine Struktur besonders weich sind – und trotzdem sehr gut wärmen. Alpakas sind robuste Tiere und fressen und trinken nicht viel. Sie bleiben auch ohne Antibiotika gesund. Alpakawolle ist somit umweltfreundlicher als Kaschmir.
  • Schafwolle: Auch sie hat zahlreiche Vorzüge, allerdings stammt sie oftmals aus Massentierhaltung. Damit du dir sicher sein kannst, dass weder Tier noch Umwelt unter der Schafzucht gelitten haben, solltest du auf Labels wie GOTS und KbT (kontrolliert biologische Tierhaltung) achten.
  • Seide: wird aus den Kokons der Raupen des Maulbeerspinners oder Seidenspinners gewonnen. Jeder Kokon enthält einen sehr langen Seidenfaden, der sich zu glatten Textiloberflächen verarbeiten lässt. Dieser natürliche Stoff ist luftig-leicht und weich, aber dennoch sehr fest. Da Seide allerdings recht empfindlich (und teuer) ist, eignet sie sich weniger für Kinderkleidung. Auch beim Kauf von Seide solltest du auf das GOTS- oder KbT-Siegel achten, denn die Bedingungen im konventionellen Anbau schaden der Umwelt und dem Tierwohl.

Recycling sorgt für Nachhaltigkeit

Nachhaltig ist Mode vor allem dann, wenn sie nach ihrem eigentlichen „Lebenszyklus“ nicht in der Müllverbrennungsanlage landet, sondern anderweitig Verwendung findet. So kann neues Polyestergewebe durch das Recycling alter Polyesterkleidung hergestellt werden. Dabei wird weniger Energie benötigt als für die Herstellung von neuen Stoffen aus Erdöl. (Polyester ist eine Art Plastik – und Plastik wird aus Erdöl hergestellt.)

Auch Kinderkleidung lässt sich aus recycelten Stoffen und anderen Materialien produzieren. Fleece zum Beispiel wird oft aus recycelten Plastikflaschen (PET) hergestellt. Auf diese Weise wird ein Abfallprodukt in etwas Nützliches verwandelt und der Verbrauch von nicht erneuerbarem Erdöl verringert.

Und was ist mit Second-Hand-Kleidung?

Recycling reduziert den Abfall und den Energieverbrauch, aber die Wiederverwendung von Kleidung reduziert beides auf fast nichts. Insofern ist es am umweltfreundlichsten, den Lebenszyklus der Kinderkleidung einfach zu verlängern.

Familien mit Geschwisterkindern praktizieren diesen Weg ohnehin meistens: Gut erhaltene Kleidung vom älteren Kind wird ans jüngere weitergegeben. Doch die Kleidung muss nicht unbedingt in der Familie bleiben: Du kannst sie auch online oder auf Flohmärkten verkaufen. In größeren Städten gibt es darüber hinaus Second-Hand-Läden, die auch Kindermode in ihr Repertoire aufnehmen. Darüber hinaus bieten einige Läden und Labels ihre Mode zur Miete an. Die Kleidung wird also für eine bestimmte Frist verliehen – und steht somit mehreren NutzerInnen zur Verfügung.

Das geht natürlich nur, wenn die Kleidung so hochwertig verarbeitet ist, dass sie möglichst lange hält – und dabei bestenfalls nicht abgetragen aussieht.

Weniger ist mehr: Warum nachhaltige Mode teuer ist

Wenn du Kindermode gebraucht kaufst, sparst du darüber hinaus viel Geld, denn Öko-Mode ist i.d.R. teurer als konventionelle Kleidung oder gar Fast Fashion. Oft liegt das nicht nur an den nachhaltigen Stoffen, sondern auch daran, dass geringere Stückzahlen produziert werden. Denn obwohl sich viele VerbraucherInnen wünschen, dass Mode fair produziert wird, sind die meisten nicht bereit, tiefer dafür in die Tasche zu greifen – und bleiben den günstigen Modemarken treu:

Eine Umfrage vom April ergab, dass 67 Prozent der KonsumentInnen die Verwendung nachhaltiger Materialien beim Kauf von Kleidung für wichtig erachten, während 63 Prozent außerdem wichtig ist, wie eine Marke Nachhaltigkeit fördert. Das Problem? Laut einem Bericht ist weniger als ein Drittel der KäuferInnen bereit, für umweltfreundliche Produkte mehr auszugeben.

Vogue

Kein Wunder, sind die Preise für Mode doch seit Jahrzehnten immer weiter gefallen: Wir VerbraucherInnen haben uns an die Schnäppchen längst gewöhnt. Zudem verkaufen Branchen-Riesen wie H&M oder C&A ihre eigenen nachhaltigen Kollektionen – zu durchaus erschwinglichen Preisen. Da fällt es schwer, kleineren (und teureren) Labels eine Chance zu geben. Dabei wäre es aus Sicht der Umwelt am besten, man würde sich auf einige wenige Kleidungsstücke beschränken. Und wer statt drei Pullovern nur einen kauft, kann (theoretisch) auch das Dreifache dafür zahlen.


Zertifizierungen für Kinderkleidung: Welche Labels sind vertrauenswürdig?

Woran erkennst du qualitativ hochwertige Kinderkleidung, die nachhaltig produziert wurde?

Gerade wenn es um nachhaltige Kleidung geht, gibt es viele verwirrende Labels und Siegel. Teils werden sie von den Marken selbst herausgegeben und deshalb auch nicht extern auf Einhaltung überwacht. Umso wichtiger ist es, auf anerkannte Gütesiegel zu achten. Diese werden auf der Webseite der Verbraucherzentrale gelistet und ausführlich beschrieben.

LG Anne!!!

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