Die Hürden auf dem Weg zum Elektroauto

elektroauto reichweite

Ohne Auto bist du auf dem Lande aufgeschmissen. Es gibt keine U-Bahnen, sondern nur Busse, die einmal in der Stunde vorbeizuckeln. Carsharing wird leider gar nicht angeboten. Und mit dem Fahrrad fährst du gefährlich, denn Fahrradwege sind Mangelware.

E-Mobilität tritt immer stärker in den Fokus. Auch ich hätte gern ein Elektroauto.

Um die Umwelt trotzdem nicht zu belasten, kannst du immerhin auf ein Elektroauto zurückgreifen. Von Vorteil sind E-Autos vor allem deshalb, weil sie die Luft nicht verschmutzen. Tankfüllungen entfallen, stattdessen wird das Auto mit Strom aufgeladen. Das entlastet zudem deinen Geldbeutel, weil eine solche Stromladung billiger ist:

Dafür fährt die ZOE auf 100 Kilometern mit Strom für 4,50 Euro und ist für zehn Jahre Steuerbefreit.“, schreibt etwa Jana Höffner über ihren elektrischen Renault ZEO. Und weiter: „Der Clio Luxe TCe 120 EDC eco hat einen NEFZ-Verbrauch im Mix von 5,2 Litern auf 100 Kilometer. Real darf man also gerne mit mindestens 6,2 Litern rechnen. Bei einem Benzinpreis von 1,40 Euro kosten 100 Kilometer 8,68 Euro nur für Benzin. (Quelle: http://zoepionierin.de/elektroauto-ist-guenstiger-als-ein-verbrenner/)

Einige Arbeitgeber subventionieren den Strom für die Elektrofahrzeuge ihrer Mitarbeiter sogar. Ebay zum Beispiel stellt eine Lademöglichkeit zur Verfügung, die Mitarbeiter völlig kostenlos nutzen können. Wer mit dem E-Auto zur Arbeit pendelt, fährt folglich gratis.

Was spricht da eigentlich noch gegen ein Elektroauto? Da unser Benziner bald ausgedient hat, denke ich über die Anschaffung eines Elektroautos nach. Allerdings gibt es da noch so einige Hürden zu überwinden:

Elektroautos sind teuer in der Anschaffung

Mir ist die Kinnlade runtergeklappt, als ich mir die Preise für E-Autos angeschaut habe! Selbst Kleinwagen sind – inklusive Akku – unter 20.000 Euro nicht zu haben. Die meisten Rechenbeispiele, die ich online gefunden habe, beziehen allerdings schon den Umweltbonus der Bundesregierung mit ein: Bis zu 4000 Euro können sich Käufer erstatten lassen. Somit sind einige Elektroautos „schon“ ab 16.000 Euro zu haben.

Einige Automobilhersteller wie Renault verkaufen ihre E-Autos sogar noch günstiger. Hier müssen Kunden jedoch die Batterie des Autos für monatlich 100 Euro extra mieten.

Das kommt für mich nicht in Frage. Mehr als 10.000 Euro will ich für unser Auto nicht ausgeben – und auch nicht monatlich irgendwas draufzahlen. Für dieses Geld kriegt man schon ganz nette gebrauchte Benziner – gebrauchte E-Autos hingegen nicht. (Oder nur mit Abstrichen, zum Beispiel wenn sie schon weit über 100.000 Kilometer runter haben und die Batterie somit ausgedient hat…)

Batterie hält länger als gedacht

Befürchtungen, ein E-Auto sei nach acht Jahren schrottreif, weil dann seine Batterie nicht mehr funktioniere, haben sich bislang nicht bewahrheitet:

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Batterien heutiger Bauart nach ca. acht Jahren das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben. Nach diesem Zeitraum stellen Batterien aber nicht einfach ihren Dienst ein. Mit Ende des Lebenszyklus ist in der Regel erst einmal die Reduzierung der Leistungsfähigkeit auf 70-80% der ursprünglich verfügbaren Batteriekapazität gemeint. (Quelle: ecomento.de)

Das Auto kann folglich weiterhin ganz normal genutzt werden, hat dann aber eine geringere Reichweite. Die Reichweite ist bei den aktuellen E-Autos jedoch ohnehin schon problematisch…

Eine hohe Reichweite gibt’s bei Elektroautos nur gegen Aufpreis

Wenn du dir nicht gerade einen Tesla leisten kannst, musst du in Kauf nehmen, öfter mal an der Ladestation halten zu müssen. Günstige Elektroautos sind nämlich nur deshalb für weniger Geld zu haben, weil sie kleinere Batterien verbauen. Deren Reichweite ist folglich geringer.

Gerade mal 150 Kilometer weit kommt man mit dem wohl günstigsten Elektroauto, dem Citroën C-Zero. Etwas mehr, nämlich 250 Kilometer schafft der momentan meistverkaufte Nissan Leaf. Auch dieser zählt zu den billigen E-Autos. Wenn es draußen kalt ist und die Klimaanlage im Auto läuft, kannst du bei der Reichweite noch einmal Anstriche machen.

Nun ja, zum Pendeln reicht’s. In den Urlaub kann man mit einem solchen E-Auto wohl nicht fahren, denn:

Das Laden dauert

Momentan ist das Aufladen des Akkus das größte Ärgernis, das Elektroautos bereithalten. Zwar werden immer mehr Schnellladestationen geplant und sicherlich auch demnächst irgendwann gebaut. Noch sind sie allerdings Mangelware, so dass fürs Laden etwas mehr Zeit eingeplant werden muss.

Genau genommen, handelt es sich um Stunden, viele Stunden. Und nun stell‘ dir mal vor, du kommst mit leerem Akku endlich an einer der wenigen kompatiblen Ladestationen an – und die ist schon besetzt…

Die Stationen der deutschen Autobauer sollen für CCS-Stecker („Combined Charging System“) ausgelegt sein und eine Leistung von 350 Kilowatt unterstützen. E-Auto-Batterien sollen dort binnen weniger Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden können. Zum Vergleich: An einer Steckdose in der eigenen Garage dauert das Laden einer herkömmlichen Elektroauto-Batterie sieben bis acht Stunden. Schreibt der Spiegel>>

Hinzu kommt die verwirrende Bezahlstruktur an den Ladestationen. Einfach bar oder mit deiner EC-Karte zu zahlen, wie an einer herkömmlichen Tankstellen, ist schier unmöglich. Stattdessen soll der Fahrer eines Elektroautos zunächst einen Vertrag mit einem Stromanbieter abschließen:

Für die etwa 4.800 Ladestationen in Deutschland benötigen die Besitzer eines strombetriebenen Fahrzeugs verschiedene Zugangsberechtigungen. Diese können in Form von Verträgen, Spezial-Schlüsseln, Karten oder auch Smartphone-Apps vorliegen, schreibt toptarif.de>>

Und weiter:

Bis sich ein einheitliches Bezahlsystem etabliert hat, werden sich Fahrer von Elektroautos noch eine Zeit lang auf längere Wege zur nächsten kompatiblen Ladestation einstellen müssen.

Immerhin: Die Barrieren verschwinden nach und nach

Kundenfreundlich ist das nicht. Fest steht jedoch, dass diese Mängel in den nächsten Jahren beseitigt werden sollen. Die Ladeinfrastruktur wird nach und nach verbessert, das Bezahlsystem soll vereinheitlicht werden.

Ab 2020 soll sich das Fahren eines Elektroautos deutlich einfacher gestalten. Vorher scheint ein E-Fahrzeug auf dem Lande noch keine zufriedenstellende Alternative zum stinkenden Verbrennungsmotor zu sein.

lohnt sich ein elektroauto

Lohnt sich eine Elektroauto?

Was mich vom Kauf eines Elektroautos (noch) abhält:

Da wäre zunächst der Preis: Mein Gehalt ist niedrig. Eine (lange) Finanzierung schreckt mich ab, ebenso ein Leasingvertrag. Mehr als 10.000 Euro will ich für ein Auto nicht ausgeben. Der Gebrauchtwagenmarkt hat da an adäquaten E-Autos einfach nichts zu bieten.

Ja, es gibt die günstigen E-Fahrzeuge für rund 20.000 Euro, aber seien wir ehrlich: Aus rein ästhetischen Gründen wäre mir das Geld dafür zu schade. Wenn ich mal eben 40.000 Euro auf dem Konto liegen hätte, würde ich aber sofort ein Elektroauto kaufen. In dieser Preiskategorie gibt es wirklich attraktive Modelle.

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass gleichwertige Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor nahezu genauso viel Geld in der Anschaffung kosten. Das mag sein, wenn man die vielen Rabattaktionen und Eigenzulassungen der Autohändler unberücksichtigt lässt.

Bei dieser Argumentation wird allerdings vergessen, dass es verdammt viele Leute wie mich gibt, die sich keinen Neuwagen leisten können oder wollen, sondern auf semi-alte Gebrauchte zurückgreifen, um mobil zu sein.

Noch sind Elektroautos etwas für Besserverdiener mit grünem Gewissen.

Wann werden Elektroautos günstiger in der Anschaffung?

Die Antwort liegt auf der Hand: Wenn die Batterien für E-Fahrzeuge billiger hergestellt werden können. Das allerdings wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Experten gehen davon aus, dass es im Jahre 2030 soweit sein könnte.

Auch wenn der Text es nicht vermuten lässt, bin ich ein großer Fan der Elektromobilität. Wie gesagt, für 10.000 Euro hätte ich sofort ein Elektroauto gekauft. Ehrlich!

So aber warte ich bis 2030 damit, sofern dann nicht weitere Optionen auf dem Lande angekommen sind. Uber zum Beispiel. Oder ein tolles Fahrradwegenetz mit E-Bikes zum Ausleihen! Autofahren macht dank zahlreicher Baustellen und verstopfter Straßen ohnehin keinen Spaß mehr. Ja, schön wäre es, wenn klassische Autos mehr und mehr zurückgedrängt würden, um echten Alternativen Platz zu machen. Aber das ist reine Utopie im Autoland Deutschland.

LG Anne!!!


Linkliste zum Thema Elektroautos

Hier findest du weitere wissens- und lesenswerte Artikel, die sich mit der Elektromobilität auseinandersetzen:


Foto oben (Autobahn) by Markus Spiske freeforcommercialuse.net from Pexels 

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8 Antworten

  1. Tina sagt:

    Wir würden auch gerne umsteigen. Aber das ist jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt. Bzw. bin ich noch am überlegen, ob denn die Batterie wirklich das richtige Speichermedium ist. Die Herstellung ist ja auch nicht gerade umweltfreundlich (Stichwort LithiumAbbau). Mein Bruder, der in der Automobil-Branche arbeitet, rät momentan zum Hybrid. Ich selbst bin auch der Brennstoffzelle gegenüber nicht abgeneigt (liegt wahrscheinlich an meiner Branche).
    Ich bin da etwas ungeduldig derzeit. Ich will, dass sich da endlich mehr bewegt!
    LG, Tina … die auch gerade nach einem Auto sucht.

    • Tina sagt:

      Warum ich gar nicht möchte, dass Batterien billiger werden: https://www.global2000.at/lithiumgewinnung-im-norden-chiles

      • Anne sagt:

        Oje. Das gehört eindeutig zu den Schattenseiten der E-Mobilität (und ist sicherlich nicht der einzige Nachteil). Ja, wie eine echte Alternative zum herkömmlichen Auto erscheinen mir E-Autos auch (noch) nicht…
        Danke für den Hinweis!

    • Anne sagt:

      Na, so ein Zufall 😉
      Ja, wir waren wirklich kurz davor, einen alten Ampera zu kaufen, weil der Strom zum Pendeln vom Arbeitgeber subventioniert wird. Aber als ich dann recherchiert habe, dass die Batterie nach gewisser Zeit deutlich altert und die Reichweite entsprechend schrumpft, nehmen wir nun doch Abstand vom gebrauchten Elektroauto. Da fehlen mir einfach die Erfahrungswerte, wie lange man so ein Elektroauto tatsächlich nutzen kann. Wenn es beim Kauf bereits 180.000 km runter hat, schafft es dann überhaupt noch mal so viel? -Oder wenigsten weitere 100.000 km?

      Ein Hybrid reizt mich auch. Bei Brennstoffzellenautos kenne ich mich gar nicht aus. Die sind komplett aus den Medien verschwunden. Wurden wohl für tot erklärt, dabei schreibt Wikipedia, dass bereits diverse Fahrzeuge mit diesem Antrieb entwickelt wurden. Weißt du mehr darüber, weshalb es da nicht vorangeht?
      LG Anne!!!

      • Tina sagt:

        Es gibt Fahrzeuge. Toyota und Hyundai haben Modelle im Repertoire.
        Ich hab‘ da auch schon mal drüber geschrieben: http://gadgetina.de/2016/08/19/beezero-wasserstoff-carsharing/
        Das Problem bei Wasserstoffautos war immer, die Speicherung vom Wasserstoff. Weil er recht schnell diffundiert. Auch ist die Herstellung nicht günstig, da Platin benötigt wird. An Lösungen wird jedoch gearbeitet und ich habe sogar schon was über eine künstliche Alternative zu Platin gelesen.
        Wasserstoff hat halt den Vorteil, dass höhere Reichweiten erzielt werden können und dass das Tanken schnell geht.
        Da muss halt noch viel entwickelt werden. Aber tot ist die Technologie noch nicht. Ich bin gesoannt, was da noch passiert.
        LG, Tina

  2. Florian sagt:

    1. Das beste Auto ist jenes, das man gar nicht braucht.
    2. Reichweitenangst – 90% aller Fahrten sind bis max. 50km – zumeist oder gar als 2t Auto wird das Elektroauto auch reichen. In Österreich findet man brauchbare Gebrauchte mit ca. 100km Reichweite um 8.000 – 10.000€
    3. Die günstigen leistbaren kommen.
    Microlino – 2 Sitzer – 12.000€ ab 2018
    e.Go Life – 4 Sitzer – vers. Modelle ab 16.000€ ab 2018
    Sono – 5 Sitzer – 16.000€ ab Ende 2018
    4. Der ökologische Aspekt. Mit Ökostrom betrieben geht es um den Faktor 5
    Hier die genauen Werte:
    https://imgur.com/a/l0CKJ
    5. Hier eine grobe Übersicht. Preise – Reichweite – Leistung
    https://imgur.com/a/Z7Cuy

    Lg Flow

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