Hausfrau & Mutter: Lebens- oder Auslaufmodell?

MitmachMittwoch No.7: #Hausfrau

Nun wurde es vom Bundesverfassungsgericht doch noch gekippt: das Betreuungsgeld, von Boulevardmedien auch als „Herdprämie“ verspottet. Derzeit erhalten laut Tagesspiegel Eltern von mehr als 455.000 Kindern Betreuungsgeld, das pro Kind monatlich 150 Euro beträgt. Die Eltern können die staatliche Leistung vom ersten Tag des 15. Lebensmonats des Kindes bis zum Ende des 36. Lebensmonats beanspruchen. Kritiker hatten bemängelt, dass das Betreuungsgeld Mütter vom Wiedereinstieg in den Beruf abhalte. Doch weshalb wiedereinsteigen, wenn frau doch auch zu Hause bleiben kann – als Hausfrau! Aber:

Darf man noch Hausfrau sein?

Die Frage ist nicht neu, sondern wird im Gegenteil alle paar Jahre wieder gestellt. Oft sind es dann allerdings umstrittene Personen, die eine öffentliche Meinung dazu haben. Was sagt ihr Mamablogger eigentlich zum Lebensmodell Hausfrau?

Kurz zur Definition einer Hausfrau: Wikipedia schreibt, dass als Hausfrau eine Frau bezeichnet wird, die sich vorrangig der Haus- und Familienarbeit widmet und in der Regel keiner oder nur geringfügiger Lohnarbeit nachgeht.

Hinzuzufügen ist, dass „Hausfrau“ kein unumkehrbares Schicksal ist. Genau wie man seinen Beruf wechseln, eine Fortbildung besuchen oder schlicht kündigen kann, ist eine Hausfrau nicht ihr Leben lang auf ein Dasein am Bügelbrett verpflichtet.


Trotzdem entscheiden sich immer weniger Frauen in Deutschland für ein Leben als Hausfrau. -Sei es, weil sie sich beruflich verwirklichen wollen oder um finanziell unabhängig zu sein. Zudem erleichtert ein zweites Einkommen den Familienalltag beträchtlich. Oftmals ist eine Hausfinanzierung nur dann möglich, wenn beide Partner verdienen. Dasselbe gilt für eine größere Wohnung in besserer Lage, den Neuwagen, die Kinderzimmerausstattung usw.

Der Vorteil des Hausfrauendaseins liegt im Gegenzug eindeutig bei der Beantwortung der Vereinbarkeitsfrage: Hier muss nicht um Zeit gerungen werden – frau hat sie einfach. Denn eine Karriere muss nicht im Lebensplan untergebracht werden. Schlechtes Gewissen? -Fehlanzeige.

Vor drei Jahren hat die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ schon einmal gefragt, ob man heute überhaupt noch Hausfrau sein darf, und dazu zwei denkwürdige Kommentare veröffentlicht. Aus einem davon stammt das folgende Zitat:

Hausfrau kann heute ein ganz und gar politisch nicht korrekter Lebensentwurf sein, ein Widerstand gegen alle Aufdringlichkeiten des Zeitgeists. Die bewusste Hausfrau ist eine Rebellin gegen die Zwänge des Marktes. Sie macht nicht mit beim großen Rattenrennen. Sie ist nicht immer mobil und erreichbar. Sie sitzt am Sandkasten und schaut den Kleinkindern beim Schaufeln zu. Sie hat, was Kinder zum Großwerden brauchen: Zeit. Zeit zum Spazierengehen, zum Plätzchenbacken, zum Basteln, zum Vorlesen. Sie ist eine Entschleunigungsfigur von einer fast philosophischen Dimension.

Hausfrau: ein Lebensweg, für den frau sich schämen muss?

Nun soll es in meiner kleinen inoffiziellen Umfrage weniger um die Vor- und Nachteile des Hausfrauseins gehen als vielmehr um, tja, nennen wir es Toleranz. Denn bei vorherigen Diskussionen über das Thema habe ich festgestellt, dass es oftmals nicht als eine persönliche Entscheidung gewertet wird, wenn sich eine Frau gegen die Erwerbsarbeit entscheidet und dafür zu Hause bleibt. Stattdessen wird das Einschlagen dieses Lebensmodells gleich zu einer gesellschaftspolitischen Überzeugung aufgebauscht. Die wiederum ist negativ behaftet. Vom Bürgertum ist dann die Rede, vom alten Rollenmodell, Arbeitsverweigerung, Altersarmut usw.

Ich habe den oben zitierten Text gerade deshalb gewählt, weil er die Hausfrau einmal nicht in den Dreck zieht. Derlei wohlgesinnte Meinungen sind hierzulande rar gesät – zumindest in der medialen Öffentlichkeit. Ich glaube, dass sich viele Hausfrauen gar nicht trauen, so keck wie in der Werbung aufzutreten und hinauszuposaunen, dass sie „Familienmanagerinnen“ sind. Im Gegenteil: Frau muss sich schämen, Hausfrau zu sein. Oder?: Was sagt ihr?

Auf eure Meinungen & Kommentare zu meinen MitmachMittwoch No. 7 freue ich mich!

Fazit unserer kleinen Diskussionsrunde

Unser Gedankenaustausch fand v.a. auf Twitter statt, wo weit mehr als 100 Tweets zum Thema geschrieben wurden. Vorwiegend Mütter haben das Wort ergriffen, aber auch ein paar Väter haben mitdiskutiert. Doch die Debatte fiel weniger kontrovers aus als ich vorher angenommen habe: Die meisten haben sich dafür ausgesprochen, alle erdenklichen Lebensmodelle – darunter auch das Hausfrauen-Dasein – anzunehmen. Erfreulich & erstaunlich: Niemand hat sich gegen Hausfrauen ausgesprochen. So umstritten wie auf gesellschaftspolitischer Ebene ist das Lebensmodell „Hausfrau & Mutter“ scheinbar also gar nicht. Letztlich gilt: niemand muss sich dafür rechtfertigen oder gar schämen, Hausfrau zu sein. Und das ist gut so.

Überrascht hat mich vollends die positive Einstellung der Väter: Auch sie können sich vorstellen, mit den Kindern zu Hause zu bleiben und den Haushalt zu schmeißen, vorausgesetzt sie müssen sich nicht ums Geld sorgen.

Ich danke euch allen vielmals fürs Mitmachen und Abstimmen!!!

Links & weitere Informationen

Mein MitmachMittwoch „Hausfrau & Mutter: Lebens- oder Auslaufmodell?“ hat einige von euch dazu inspiriert, ausführlichere Texte zu verfassen und zu verlinken.

  • Als Erstes sei der Beitrag von Tafjora genannt, die viele Jahre selbst Hausfrau & Mutter war, nun aber zu den Müttern zählt, die einer sog. Erwersarbeit nachgehen. Sie schreibt von ihren Erfahrungen & Erlebnissen in ihrer Heimat Bayern/Baden-Württemberg, ihrer ersten Wahlheimat Sachsen-Anhalt und davon, wie die Franzosen es sehen & praktizieren, denn in Frankreich war sie auch ein paar Jahre. > http://tafjora.blogspot.de/2015/07/gedanken-uber-den-beruf-hausfrau-und.html
  • Petra vom Allerlei Themen Blog hat sich für die Selbstständigkeit entschieden, als ihr Sohn noch nicht einmal ein Jahr alt war. Auf welche Widerstände sie gestoßen ist, schreibt sie in ihrem Artikel „Gebt auf die Mütter Acht!“. Mittlerweile ist sie übrigens selbstständig und alleinerziehend und befürchtet, angesichts der vielen Arbeit und der wenigen Unterstützung, die sie erhält, einen Burn-out zu erleiden. -Ihr Fazit klingt ernüchternd.
  • Mama geht arbeiten – zum Wohl des Kindes > hier wird eine psychologische Studie ausgewertet
  • auch auf dem myToys-Blog wurde das Thema aufgegriffen und Meinungen zur Abschaffung des Betreuungsgeldes zusammengetragen>>
  • Zu guter Letzt möchte ich den Beitrag von MRSCGN erwähnen, den ich sehr gern in meine Auflistung aufnehme, weil er die Risiken für die Hausfrau (als Familienmitglied ohne Verdienst) beleuchtet. Mich begeistert die Wahl des Interviewformats. Dadurch werden MRSCGN’s Argumente wirklich gut erkennbar – und auch ihre Vorschläge, wie Abhilfe geschaffen werden kann.
    Ich persönlich glaube, dass frau sich eigentlich einen anderen Lebensweg wünscht und dann irgendwie doch in das Hausfrauendasein „hineinrutscht“. Einmal drin, kommt man nicht so schnell wieder raus und versucht deshalb, das Beste aus der Situation zu machen. Wie frau es wieder herausschaffen könnte, wäre noch ein Frage, mit der wir Blogger uns beschäftigen könnten.
  • Ein weiterer Beitrag wurde mir auf Facebook empfohlen: Anna von Familie Motte hat nämlich auf dem Blog von Terrorpüppi einen Gastbetrag veröffentlicht, der sich um die Vereinbarkeitsfrage dreht. „Uns Müttern sollte die Wahl gelassen werden“, lautet ihr Fazit.
  • Wie möchte ich mein Leben leben?, fragt sich die Blogprinzessin in ihrem detaillierten Erfahrungsbericht, der zum einen die Zeit vor den Kindern und zum anderen das Muttersein (berufstätig und Hausfrau) beleuchtet. Lesenswert!
  • Vertauschte Rollen: Kimmi beschreibt auf ihrem Blog, wie glücklich sie als berufstätige Mutter ist, weil sie sich auf ihren Mann verlassen kann, der bereitwillig in Elternzeit gegangen ist. Zwar ist er kein klassischer Hausmann, sondern arbeitet nach wie vor, doch er ist eben auch für die Kinder da – und macht sie somit glücklich! Kimmi plädiert für mehr Familienzeit für Väter.

Ihr habt selbst auch etwas zum Thema geschrieben? -Her mit dem Link! Ich veröffentliche ihn in meiner Liste.

Schreibt an: anmeldung[ät]top-elternblogs.de

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