Achtung Häuslebauer: In drei Schritten wirst du eine Überschuldung wieder los

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Image by Michal Jarmoluk from Pixabay

Gastbeitrag von Jens Ischebeck

Wenn es anders läuft als geplant

Kommt dir diese Situation bekannt vor?:

Sorgfältig haben wir geplant, um uns den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.

Wir haben geheiratet, zwei Kinder bekommen, haben uns aus einer zu engen Mietwohnung befreit, bei der wir außerdem jedes Jahr Angst hatten, dass die Miete weiter steigt.

Wir sind DEN EINEN großen Schritt gegangen: Wir sind Immobilienbesitzer! Wow! Wir sind glücklich!

Und pleite.

Denn es ist doch nicht so gelaufen, wie wir es uns vorher überlegt hatten. Nein, ich rede nicht von Gesundheit, Scheidung oder solchen Themen. Ich rede von den Finanzen.

Was ist passiert?

Meine Frau und ich haben vor drei Jahren unser eigenes hübsches Haus gebaut. 150m² Wohnfläche, kleiner Garten, eine Garage: Ein Haus wie aus dem Prospekt. Das Grundstück liegt schön eingebettet in einem Neubaugebiet.

Den ersten Schock bekamen wir nach der Schlussabrechnung mit dem Architekten und Bauunternehmer: Die Kosten für den Bau des Hauses lagen fast 9% über dem Budget des Architekten! Neun Prozent, die wir nicht eingerechnet hatten und die uns seitdem fehlen.

Der Bauunternehmer zuckte nur müde mit den Schultern und meinte, das wäre doch gar nicht so schlimm, schließlich seien 10% Abweichung erlaubt und tolerierbar.

Das hat uns der Banker, bei dem wir unser Immobiliendarlehen aufgenommen haben, so aber nicht gesagt.

Wann spricht man von Überschuldung?

Okay, wir sind also eingezogen und haben angefangen, das neue Haus gemütlich einzurichten. Hier ist noch einmal viel Geld in die Möbel geflossen – mehr als wir ursprünglich angesetzt hatten…

Am Ende war es ein Jobverlust, der uns finanziell ausgeknockt hat. Es hieß, 3% der Belegschaft müssen gehen. Ich gehörte dazu.

Zwar fehlte mein Gehalt nicht gänzlich – schließlich erhielt ich ALG I, doch wir hatten knapp kalkuliert. Trotz guter Wirtschaftslage hat es fünf Monate gedauert, bis ich einen neuen Job fand. Das heißt, wir mussten jeden Monat mehr Geld aufwenden, als wir zur Verfügung hatten. Unsere ohnehin knappen Reserven waren schnell aufgebraucht und der Dispo wuchs und wuchs. So begann unsere Überschuldung.

Von einer Überschuldung wird gesprochen, wenn Personen mehr Geld ausgeben, als ihnen zur Verfügung steht. Dies trifft auf rund 6,9 Millionen Menschen über 18 Jahren in Deutschland zu.

Quelle: Schuldnerberatung

Schulden abbauen: So geht’s

Wie kommen Immobilienbesitzer aus einer solchen finanziellen Schieflage am besten wieder heraus? Was können wir konkret tun? Darum geht es auf meiner Seite nachhaltig-schuldenfrei-werden.de.

Schritt 1: Haushaltsbuch anlegen

Zunächst gilt es, sich einen Überblick über die eigene finanzielle Situation zu verschaffen. Am besten funktioniert dies mit Hilfe eines Haushaltsbuches, in welchem Einnahmen und Ausgaben genau aufgelistet werden.

Dafür schaust du dir genau an, wie viel Geld dir monatlich zur Verfügung steht: Gehalt bzw. Lohn, Provisionszahlungen oder Boni, Mieteinnahmen, Elterngeld, Kindergeld etc.

Das gleiche machst Du mit deinen Ausgaben: Was gibst du monatlich aus für Lebensmittel, Kleidung, Miete/Kredite, Strom, Gas, TV, Internet, Handy, GEZ und Streaming-Dienste, Versicherungen und so weiter?

Jetzt kannst du ganz genau nachvollziehen, ob du mehr Geld ausgibst als du einnimmst und – falls dem so ist – wie hoch der Verlust jeden Monat ausfällt. Möglicherweise fallen dir hier schon sofort Positionen auf, die du von der Ausgabenliste streichen kannst.

Schritt 2: Schuldnerberatung aufsuchen

Schuldnerberatungsstellen gibt es in jeder größeren Stadt, zum Beispiel von der Caritas, Diakonie, AWO oder von der Kommune. Sie analysieren nicht nur die Lage des Schuldners, sondern versuchen auch, einer Privatinsolvenz entgegenzuwirken.

Der Vorteil bei diesen Schuldnerberatungen ist, dass du mehrere persönliche Gespräche mit speziell ausgebildeten Mitarbeitern führst. Außerdem sind diese Beratungsgespräche – im Gegensatz zu einer Beratung vom Anwalt – kostenlos.

Von Nachteil sind allerdings die langen Wartezeiten auf einen Beratungstermin. Zudem wird es von einigen Leuten als unangenehm empfunden, persönlich zu einem Beratungsgespräch zu erscheinen, da ihnen die finanzielle Misere peinlich ist. Tatsächlich ist es in Deutschland immer noch ein Tabu, über Geld zu reden!

Daher bevorzuge ich die Online-Schuldnerberatungen, z.B. Eco24 aus Göppingen. Die dort erstellte Online-Analyse erfolgt sofort und ist kostenlos (die konkrete Hilfestellung erfolgt jedoch auf Honorarbasis).

Ich habe mit Mitarbeitern dort telefoniert und fand sie sehr freundlich und hilfsbereit.

Ziel ist die Schuldenreduzierung mit Hilfe einer Entschuldungsstrategie

Schuldnerberatungen setzen darauf, mit den Gläubigern für deine Immobilien- und Verbraucherkredite zu verhandeln, um niedrigere Raten zu vereinbaren.

Das Ziel ist die Ausarbeitung einer Entschuldungsstrategie: ein außergerichtlicher Schuldenbereinigungsplan. Dort einigen sich alle Gläubiger auf niedrigere Forderungen dir gegenüber und bekommen im Gegenzug so viel deiner Schulden abbezahlt, wie du dir leisten kannst. Aber eben nicht mehr.

Das ist eigentlich eine ganz clevere Lösung.

Schritt 3: Privatinsolvenz beantragen

Erst wenn der außergerichtliche Schuldenbereinigungsplan scheitert, geht es zum Amtsgericht in ein Verbraucherinsolvenzverfahren, die sogenannte Privatinsolvenz.

Aber die will eigentlich niemand. Sie ist sehr langwierig (dauert bis zu sechs Jahre) und ist an viele Bedingungen geknüpft (P-Konto, Wohlverhaltensphase, etc). Außerdem verliert der Schuldner alle wertigen Besitztümer, darunter auch seine Immobilien. Zwar gibt es im Hinblick auf letztere auch Ausnahmen, doch sie sind rar. In der Regel erfolgt die Zwangsversteigerung des Hauses bzw. der Eigentumswohnung.

Was du gleich tun kannst

Soweit soll es ja gar nicht erst kommen. Unser Ziel war es, mit einem eigenen Haus für ein gutes Familienleben zu sorgen. Die Familie war und ist für mich das Wichtigste. Und dieses Ziel ist machbar.

Schau auf meiner Seite vorbei und mach dich schlau. Wissen ist die beste Versicherung!


Über den Autor:

Jens Ischebeck ist Betreiber der beiden Webseiten nachhaltig-schuldenfrei-werden.de und geld-ueberweisen-ohne-konto.de. Ziel beider Seiten ist es, neue Wege zu zeigen für mehr finanzielle Spielräume und für einen bewussten Umgang mit digitalen Möglichkeiten.

Außerdem ist er sehr gefragter Antwort-Geber auf Quora.

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