Welcher Sport eignet sich für kleine Bewegungsmuffel?

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Unser Alltag wird immer bewegungsärmer, gerade auf dem Lande, wo jeder noch so kurze Weg mit dem Auto zurückgelegt wird. In der Schule wiederum sind die Kinder die meiste Zeit über zum Sitzen verdammt. Nachmittags wiederum chillen sie auf der Couch, denn dank Handy und Tablet wird man auch allein zu Haus bestens unterhalten.

Ein an ebenjene Bewegungsarmut angepasstes Kind für Sport zu begeistern, kann für Eltern eine besondere Herausforderung darstellen. Doch Sport ist nicht gleich Sport. Somit dürfte sich für jede kleine Persönlichkeit ein passendes Angebot finden.

Die von den Eltern ausgeübte Motivation

Zunächst sollten sich Eltern bewusstmachen, dass ein Kind, das von seinen Eltern zum Sportunterricht „geschleppt“ wird, nicht von sich aus motiviert ist, sich zu bewegen. Seine Motivation hat mit dem jeweiligen Sport (noch) nichts zu tun.

Dieser wird zum Beispiel den Eltern oder dem Trainer zuliebe ausgeübt, vielleicht auch weil der beste Freund in derselben Mannschaft spielt und man so mehr Zeit mit ihm verbringen kann. Oftmals dient der Sport auch bei Erwachsenen nur als Mittel zum Zweck, beispielsweise um Gewicht zu reduzieren oder aus gesundheitlichen Gründen.

Das muss nichts Schlechtes sein. Im Gegenteil, über jene extrinsische Motivation lernt das Kind den Sport zumindest kennen – und vielleicht sogar lieben.

Damit ein Kind, das nicht aus Freude an der Bewegung zum Sport gekommen ist, sprichwörtlich am Ball bleibt, sollten seine Eltern ihre Erwartungen reduzieren und es nicht ständig mit anderen Kindern vergleichen. Die Entwicklung schreitet bei Kindern höchst unterschiedlich voran, so dass man das Kind nur an sich selbst messen sollte.

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Kleine Bewegungsmuffel brauchen nur die richtige Motivation!

Sport ja – Wettkämpfe nein

Auch die Persönlichkeit des Kindes spielt eine große Rolle bei der Wahl der Sportart: Nicht jedes Kind ist ein Wettkampftyp, das sich mit anderen messen muss, um seine Überlegenheit zu demonstrieren.

Ein Beispiel

In seiner Grundschulzeit verbringt ein Junge seine Hofpausen stets damit, Fußball zu spielen. Im Hort geht es anschließend munter weiter, auch dort spielt er zusammen mit Freunden stundenlang Fußball. Da er sich offenkundig für Fußball interessiert, melden ihn seine Eltern in einem Fußballverein an, wo er nun zweimal wöchentlich trainiert und an einigen Punktspielen teilnimmt. Schon bald stellt er fest, dass der Erwartungsdruck innerhalb des Teams hoch ist. Siegt die Mannschaft, sind sowohl Kinder als auch Trainer und Eltern über alle Maßen begeistert, was mit Medaillen und Pokalen honoriert wird. Nun könnte man sagen, Pokale für sportliche Wettkämpfe gehören nun mal dazu, doch selbst einzelne Spieler werden mit Trophäen gewürdigt, die der Trainer extra anfertigen lässt (für den „engagiertesten Spieler“ oder den „besten Torjäger“ usw.). Auch bei Niederlagen kochen die Emotionen über, allerdings im negativen Sinne. Einzelne Spieler begeben sich auf die Suche nach dem Schuldigen, den sie nie beim Gegner, sondern immer im eigenen Team ausmachen („Wegen dir haben wir verloren!“). Da der Junge oft als Sündenbock herhalten muss, vergeht ihm bald die Lust am Training, das er folglich immer öfter schwänzt. Schließlich bittet er seine Eltern nach einem Jahr, ihn wieder abzumelden.

Mit welchem Anspruch wird Sport gemacht?

In diesem Beispiel verbergen sich gleich mehrere Faktoren, die die Lust auf Sport beim Kind dämpfen (können):

  • Zum einen der Leistungs- und Erwartungsdruck, der innerhalb der Mannschaft herrscht: Auf Menschen, die keine Wettbewerbstypen sind, wirkt er sich oft negativ aus, denn er führt zu:
  • Angst (vor Blamage/Misserfolg, aber auch vor aggressiven Spielern)
  • Motivation: der Junge spielt Fußball aus Freude an der Bewegung zusammen mit Freunden. Ihm fehlt jedoch der Ehrgeiz, um sich in Punktspielen mit anderen Mannschaften zu messen. Die Vereins- und Wettkampfstruktur eines klassischen Fußballclubs passt insofern nicht zum Kind.

Sei experimentierfreudig!

Welche Persönlichkeit dem Kind zugrunde liegt und unter welchen Umständen es sich gerne bewegt, gilt es herauszufinden. Nur so kann auch eine passende Sport ausgewählt werden.

Am besten funktioniert das durch Ausprobieren. Mit meiner Tochter habe ich dieses Ausprobieren bis zur Spitze getrieben. Wir haben so ziemlich alles durch. Es fing an mit Kinderturnen, ging weiter mit Bambini-Fußball, später folgten Ballett und Tennis, ja selbst Reitkurse hat sie absolviert. Doch alles war nach spätestens einem halben Jahr wieder passé. Ihr Interesse war nie von Dauer. -Bis sie ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt hat, und zwar von ganz allein (im Sommer wollte sie immer nur ins Freibad gehen).

Mittlerweile habe ich sie in einem Verein angemeldet, denn meine Tochter hat klare Vorstellungen: Sie will besser werden, um die nächsten Schwimmabzeichen zu erwerben. Dafür trainiert sie so gern, dass ich ihr gar nicht gut zureden brauche.

LG Anne!!!

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