Der Traum vom bezahlbaren Haus

Günstig Haus bauen

Vom eigenen Haus begann ich erst zu träumen, nachdem mein zweites Kind zur Welt kam. Nicht dass unsere Wohnung damit zu klein geworden wäre. Nein, schlicht die Beschwerden unserer Nachbarn mehrten sich – wegen Kinderlärms. Und das im so toleranten und weltoffenen Berlin. 

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Warum wir uns fürs Bauen entschieden haben

Kleinere Reibereien sind sicherlich normal, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, wie es in einem Mietshaus der Fall ist. Offenbar macht das Großstadtleben die Leute aber auch aggressiver und in ihrem Handeln asozialer. Hinzu kommt der ohnehin hohe Lärmpegel auf der Straße (Busse im 10-Minuten-Takt, mehrmals täglich Polizei-, Feuerwehr- und Krankenwagensirenen), Müll und Gestank. Wenn dann noch Nachbars Stereoanlage – inklusive Subwoover – durch die Wände dröhnt, liegen die Nerven blank.

Zumindest haben mich meine neun Jahre in Berlin ziemlich geschlaucht. Logisch, dass ich mir nichts sehnlicher wünschte als die Privatsphäre eines freistehenden Einfamilienhauses. –Auf einem schön großen Grundstück, also in größtmöglicher Distanz zum Nachbarn. Einziger Haken: Mein Verdienst war gering, meine Ersparnisse ebenfalls.

Bestandsaufnahme: Wie viel Eigenheim brauchen wir eigentlich?

Jahrzehntelang ist der Flächenbedarf beim Wohnen gestiegen. Noch 1965 beanspruchte eine Person in Deutschland, rein statistisch, 22 Quadratmeter. Schon im Jahr 2002 waren es 43 Quadratmeter. Erstaunlich: Nach dieser Statistik wäre unsere alte Wohnung ideal für ein Ehepaar!

Als vierköpfige Familie standen uns in unserer alten Wohnung 90qm zur Verfügung, Balkon miteingerechnet. Das reichte uns völlig. Unser zukünftiges Haus braucht demzufolge nicht größer zu sein. Lediglich vier Zimmer sollten uns zur Verfügung stehen, davon zwei Kinderzimmer.

A – Günstig bauen: Sind Singlehäuser eine Option?

Das Haus als Statussymbol? -Nicht für mich. Ich hatte nur die eine Prämisse: ein günstiges Haus zu bauen oder zu kaufen. Dass es deshalb klein sein würde, spielte für mich keine Rolle. Im Gegenteil, kleinere Häuser brauchen weniger große Grundstücke. Sie sind außerdem billiger – nicht nur hinsichtlich der Baukosten, sondern auch in Bezug auf die laufenden Kosten (Heizung, Strom, Pflege, Müll).

Tatsächlich werden immer mehr kleine Fertighäuser, auch Singlehäuser genannt, von den unterschiedlichsten Baufirmen angeboten. Enttäuschend ist hier lediglich der Preis, der sich von größeren Bauten kaum unterscheidet. Zielgruppe der Anbieter sind auch keine „armen“ Familien, sondern das immer größer werdende Heer wohlsituierter Rentner und Alleinstehender.

B – Flexibel & zeitgemäß: Modulhäuser

modulhäuser

klein, aber modern & schick: ein Modulhaus

Ich recherchierte also weiter und wurde so auf Modulhäuser (auch Containerhäuser, Tiny Houses oder Minihäuser genannt) aufmerksam.

Solche Module oder Container sind i.d.R. nicht größer als 50qm, darin enthalten Küchenzeile und Badezimmer. Natürlich benötigt eine Familie mehr Raum, was überhaupt kein Problem darstellt: Zwar kann das Modul selbst nicht vergrößert werden, doch immerhin lassen sich – je nach Bedarf – mehrere Module miteinander kombinieren. Selbst eine Stapelung der Module zu mehrgeschossigen Häusern ist möglich.

Ein weiterer Vorteil dieser Flexibilität besteht darin, dass die Module auch wieder rückgebaut werden können. Wenn ein Kind auszieht, sein Kinderzimmer also nicht mehr gebraucht wird, verschwindet das Modul einfach. Zurück bleibt tatsächlich nicht einmal das Fundament. Anders als bei herkömmlichen Häusern wird nämlich kein Fundament aus Beton gegossen. Es werden stattdessen Schraubfundamente verwendet.

Minihäuser: Für Singles und Senioren ideal

Die Aussicht, mit Hilfe der Modulbauweise doch noch ein günstiges Haus zu bauen, stimmte mich nach diesen Recherchen geradezu euphorisch! Als ich dann jedoch die Preise bei verschiedenen Anbietern anfragte, platzte der Traum: Günstiger als das klassische Massivhaus sind auch die Modulbauten nicht. Zumindest nicht für eine Familie, die mehrere Module benötigt.

Mehr als 100.000 Euro verlangt zum Beispiel Schwörer Haus für sein vielzitiertes FlyingSpace. Das Modul ist gerade einmal 43qm groß, enthält aber eine Küche und ein Badezimmer. In der gleichen Preislage bewegt sich das von der Firma loft.heim vertriebene PopUp House. Allerdings ist es mit 95 qm wesentlich größer. Generell musst du auch für ein Modul zwischen 100.000 und 300.000 Euro einplanen. Mit dafür verantwortlich sind die hohen Energiestandards, die Hersteller erfüllen müssen. Das PopUp House zum Beispiel ist sogar als Passivhaus erhältlich!

Zu diesem Thema schreibt Ulrich Lange von „der Freitag“

Das billige Bauen wird nicht durch ein fehlendes Angebot verhindert, sondern durch zähe Gewohnheiten und falsche Prämissen. Es zeigt sich aber auch, dass sich bei den notwendigen Anforderungen an Wärmedämmung, Raumklima und Materialanmutung eine bestimmte Preisgrenze nicht unterschreiten lässt. Die Herstellungskosten für den Quadratmeter liegen selbst bei den preiswertesten Modulhausanbietern eher über als unter 1000 Euro.

C – Holzhäuser wie in den USA

Günstig bauen mit Holz: Wie das geht, zeigen die Amerikaner schon seit vielen Jahrzehnten. Dank ihrer Holzständer- bzw. Holzrahmenbauweise sind ihre Häuser nicht einmal halb so teuer wie Häuser made in Germany.

Unsereins schaut eher skeptisch auf die – zugegeben: schlecht isolierten – Holzhäuser der US-Amerikaner. Trotzdem können auch wir uns Einiges von ihnen abschauen, wenn es um günstiges Bauen geht. Mehr dazu im folgenden Artikel>>

D – Häuser aus Osteuropa

Eine mögliche Alternative ist der Blick nach Osten auf der Suche nach einem günstigen Haus. Baufirmen gibt es natürlich auch in Polen, Tschechien und Russland zur Genüge. Mitunter liegen deren Preise weit unter dem deutschen Niveau – bei gleicher Qualität. Fraglich ist hier allerdings, ob diese Firmen überhaupt bereit sind, Aufträge von deutschen Kunden anzunehmen.

Mit Hilfe von Facebook habe ich auf Anhieb zwei Firmen gefunden, die sehr stylishe Modulhäuser anbieten. Zumindest der russische Hersteller DublDom bietet auch einen deutschsprachigen Webauftritt mit Preisangaben, siehe hier>>. Seine Module beginnen bereits bei 39.000 Euro.

Klassische Fertighäuser (z.B. Bungalows) produziert die polnische Firma Dan-Wood, deren Sitz für deutsche Kunden allerdings in Berlin ist. Der Name ist etwas irreführend, doch die Häuser sind tatsächlich sehr günstig. Sie beginnen bei ca. 100.000 Euro, schlüsselfertig.

E – Das eigene Haus selber bauen

Wenn man selbst durch eine Reduktion der Fläche nicht wirklich sparen kann, dann hilft eigentlich nur noch das selber Bauen. Hier fallen weder Gewinnmargen für Baufirmen an, noch Lohnkosten für Bauarbeiter.

Wer zum Beispiel auf sogenannte Bausatz-Häuser zurückgreift, kann echte Schnäppchen machen. Die werden schon für weit unter 100.000 Euro auf ebay vertickt. Ähnlich wie bei Ausbauhäusern wird hier lediglich der Rohbau geliefert unf aufgestellt (zumeist handelt es sich um Holzhäuser). Alles weitere muss der Bauherr selbst erledigen. Handwerkliches Geschick ist also auf jeden Fall erforderlich!

Einen Erfahrungsbericht übers selbst Ausbauen eines Hauses liest du hier>>


Günstig bauen? -Wenn man Firmen beauftragt, bleibt das wohl ein Traum

Bauen in Deutschland ist eine teure Angelegenheit. Das liegt jedoch nicht nur an den verwendeten auf DIN-Norm geprüften Materialien, sondern auch an den Grundstücks- und Baunebenkosten.

Die Grundstückskosten immerhin kann man einsparen, wenn man ein geeignetes Erbpachtgrundstück findet, die Baunebenkosten allerdings sind obsolet. Sie setzen sich aus der Maklerprovision, der Grunderwerbsteuer und den Erschließungskosten zusammen.

Je nach Haus und Grundstück sind diese unterschiedlich hoch, dürften jedoch selten unter 20.000 Euro liegen. Einen Hausbau gänzlich ohne Eigenkapital zu bewerkstelligen, ist schon deshalb utopisch, weil kaum eine Bank diese Baunebenkosten finanziert.

Unser Haus ist unzeitgemäß, aber immerhin haben wir uns den Traum erfüllt

Nach vielen Monaten der Recherche und Unterredungen mit Baufirmen und Kreditinstituten kamen wir zu dem Schluss, dass es für uns nicht möglich ist, günstig ein Haus zu bauen. Deshalb kauften wir kurzerhand eine Bestandsimmobilie. Vorteil: Erschließungskosten sind hier nicht mehr aufzuwenden.

Für unsere Ansprüche ist unsere Wohnfläche mit 130qm zwar etwas zu groß und unsere laufenden Kosten mehr als doppelt so hoch wie in unserer ehemaligen Wohnung (von 200€/Monat auf über 400€/Monat gestiegen), aber das Haus war günstiger als alle kleineren (ökologischen) Bau-Alternativen.

Fast noch besser als das Haus ist unser 1000 qm großes Grundstück. Von meinen Nachbarn höre ich rein gar nichts. Unbezahlbar.

LG Anne!!!

Ähnlich:

  • Banken empfehlen ihren Kunden i.d.R., neben dem Immobilienkredit auch noch einen Bausparvertrag abzuschließen. Dieser soll die niedrigen Zinsen auch in der Anschlussfinanzierung sichern. Macht das Bausparen wirklich Sinn?>>